Das Buch

  • Eine Hommage
  • von Burkhard Spinnen
  • Mit Illustrationen von Line Hoven
  • Verlag Schöffling & Co.  2016    www.schoeffling.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag
  • schwarzes LESEBÄNDCHEN
  • 144 Seiten
  • ISBN 978-3-89561-046-2
  • 15 € (D), 15,50 € (A)

BUCHBESINNUNGEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Als bibliophiler Mensch hält man es für unmöglich und undenkbar, daß gedruckte Bücher jemals aussterben könnten. Burkhard Spinnen serviert dem geneigten Leser jedoch schon gleich zu Beginn seines Bücherbuches einen bedenkenswerten, spannenden historischen Vergleich. Einst waren Pferde und pferdebetriebene Fahrzeuge allgegenwärtig und selbstverständlich. Mit der Erfindung und Verbreitung des Automobils verschwanden nach und nach Pferdefuhrwerke und berittene Berufe. Heutzutage führen Pferde und gar von echter Pferdestärke angetriebene Fahrzeuge ein seltenes und luxuriöses Nischendasein.

Nachdem uns der Autor solcherart alarmiert hat, widmet er sich seiner Liebe zum gedruckten Buch und erzählt anekdotisch, biographisch und reflektierend, was ihm Bücher bedeuten.

Er erinnert sich an seine weltenerschließenden kindlichen und jugendlichen Erfahrungen mit den gepflegten Buchbeständen der örtlichen Stadtbibliothek und an Bücherkäufe in Buchhandlungen, in Antiquariaten und auf dem Flohmarkt, er schwärmt von alten Büchern mit Widmungen, Randbemerkungen und Eselsohren ebenso wie von neuen, unberührten Büchern, er betrachtet teure und billige Bücher, Buchgeschenke, Leseexemplare, den Reiz von Erstausgaben, Lieblingsbücher, Lesebücher, Lexika, Buchkunst, er folgt Lesespuren und Leserspuren, er sinniert über Bücherregaltypen und Bibliotheken und berichtet von Lust und Last der Büchersammelleidenschaft.

Burkhard Spinnen hat sich vom Schreiner einen begeh- und besteigbaren Bücherturm bauen lassen, der auf einer Grundfläche von nur zwei Quadratmetern Platz für achtzig Regalmeter bietet – zu gerne würde ich seinen Bücherturm einmal besuchen …

„Das Buch“ ist eine eloquente, geistreiche, variationsreiche Bücherplauderei, die auf unterhaltsame und informative Weise Burkhard Spinnens Sympathie für das gedruckte Buch aufblättert. Die feinen Schwarz-weiß-Illustrationen von Line Howen bereichern den Text um stimmungsvolle Leseszenen.

Dieses Bücherbuch ist nostalgisch nah für ältere Leser (ab Jahrgang 1950) und nostalgisch fern für jüngere Leser (ab Jahrgang 2000) – leselohnenswert ist es indes generationenübergreifend für Bibliophile jeden Alters.

Außerdem regt es dazu an, sich eigene Gedanken darüber zu machen, warum wir gedruckte Bücher gegenüber Textdateien bevorzugen, wie unsere lebenslängliche Leseerfahrung uns geprägt und kultiviert hat, welche Geschenke, Erkenntnisse, Rettungen und Ermutigungen und welch erfreulich-freundschaftliche Vertrautheit wir mit sinnlich-greifbaren Büchern immer wieder erlesen und erleben.

Ich persönlich gehe zuversichtlich davon aus, daß gedruckte Bücher und elektronische Bücher gut und gerne nebeneinander leben können. Schließlich hat die elektrische Zahnbürste auch nicht die manuelle Zahnbürste verdrängt, sondern jeder kann sich aus der Fülle der Produkte das Instrument wählen, das ihm angemessen scheint.

Gleichwohl erschließe ich mir geistige Nahrung bevorzugt aus einem gedruckten Buch mit einem Körper aus Papier, Tinte, Leim und Leinen, begleitet von Blätterrascheln, beseelten Buchstaben und Sätzen, die ich streicheln kann.

 

»In der Welt der Texte sind die Bücher die Häuser.
Sie geben ihren Bewohnern Obdach und Schutz, verorten sie,
machen sie auffindbar und wiedererkennbar.
Aus seinem festen Haus schaut der gedruckte Text heute noch mitleidig,
vielleicht sogar ein wenig herablassend nach draußen
auf seine ungedruckten Brüder und Schwestern,
die als Manuskripte, Typoskripte oder Dateien frei flottieren,
obdachlos und in der ständigen Sorge spurlos zu verschwinden.
«

(Seite 17)

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.schoeffling.de/buecher/burkhard-spinnen/das-buch

 

Der Autor:

»Burkhard Spinnen, geboren 1956, schreibt Erzählungen, Romane, Kinderbücher. Essays, Glossen und Rezensionen. Für seine Werke wurde er vielfach ausgezeichnet. Er lebt in Münster.«

Die Illustratorin:

»Line Hoven lebt und arbeitet als Comiczeichnerin und Illustratorin in Hamburg. In Zusammenarbeit mit Jochen Schmidt entstanden die Bücher Dudenbrooks und Schmythologie. Ihre Arbeiten sind vor allem aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bekannt.«

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/
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71 Kommentare zu “Das Buch

  1. „Ich persönlich gehe zuversichtlich davon aus, daß gedruckte Bücher und elektronische Bücher gut und gerne nebeneinander leben können.“ … der Meinung bin ich auch und wenn es ein Buch nicht als E-Book-Ausgabe gibt, dann kaufe ich nach wie vor die gedruckte 🙂

    Liebe Grüße und schönen Sonntag,
    Christel

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  2. Die E-Books stagnieren ja bereits ! 🙂
    Das Fernsehen hat auch nicht das Radio
    abgeschafft – ebenso wird der Computer
    nicht das Fernsehen abschaffen. Bücher
    wird es noch in 1000 Jahren geben.
    Vorausgesetzt wir haben uns bis
    dahin nicht schon ausgerottet… 😉

    Gefällt 1 Person

    • Lieben Dank für Dein treffliches Leseecho!
      Deine Schlußbemerkung erinnert mich an diese Filmszene aus „Die Zeitmaschine“, wo der Held die Reste seiner Bibliothek besichtigt, und die Bücher aus Altersschwäche zu Staub zerkrümeln …

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  3. Danke Dir für den schönen Artikel! Da überlegt man doch, was die Zeit mit uns macht… Irgendwie kommt mir ,,Momo“ in den Kopf… Ähnlich ist es mit Büchern. Und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich, wenn überhaupt, im Auto E-Books höre … Ganze Bücher. Ansonsten (nicht-Fach-) Bücher von vorne bis hinten im echten Buch gelesen? Selten … Aber wir haben eine wunderschöne Bibliothek mit allen ,,Büchern unseres Lebens“ von Freienfels über Hesse, Mann und meinen Kinderbüchern und sonstigen Büchern, die mein Mann und ich sehr gerne gelesen habe. Nachts sitze ich oft im Sessel und schwelge in diesen wunderschönen Kleinoden… Und manchmal, ein- bis zweimal im Jahr, betrete ich eine Buchhandlung, um mir ein Buch für den Urlaub zu kaufen… Nicht das, was ich wollte, aber für mich Erinnerung an eine Zeit, in der ich Bücher „verschlungen“ habe…
    Heute holen mich meine eigenen Geschichten ein!
    Aber auch Dein Blog ist ein wunderschöner Ausflug in die wunderbare Welt der Literatur, der mich inspiriert!
    Danke Dir dafür! Alles Liebe und ein wunderschönes Wochenende, Nessy

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    • Liebe Nessy,
      hab‘ Dank für Deine persönliche Rückmeldung und den Bericht über Deine Lesegewohnheiten.
      Jeder hat die Freiheit der Buchwahl. Ich erleben mich als weitgehend unabhängig von den Zeiterscheinungen und Markteinflüsterungen und bevorzuge mit unkonventionellem Konservatismus das gedruckte Buch.
      Es freut mich, daß Du meine Wortwebeseite als Inspirationsquelle betrachtest, und ich danke Dir für Deine zugeneigte Aufmerksamkeit.
      Ein heiteres Wochenende wünscht Dir
      Ulrike

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  4. Leider lese ich nicht mehr so viel wie in meiner Jugend, Da habe ich ALLES verschlungen ,was ich in die Finger bekommen konnte. Aber eine Welt ohne Bücher kann ich mir auch nicht vorstellen. Neben all den beschriebenen Eigenschaften finde ich es außerdem toll, wenn ich mir Anmerkungen hineinschreiben, etwas unterstreichen oder tatsächlich eine Ecke knicken kann (heute bin ich da völllig respektlos ;-). Manche Bücher möchte ich mir manchmal schon wegen des schönen Einbandes kaufen. Sie in die Hand zu nehmen, zu fühlen, den Geruch der Zeit an ihnen wahrzunehmen. Das gehört doch alles dazu. Was strahlt denn ein E-Book aus? Abgesehen davon finde ich es anstrengend, an einem Bildschirm zu lesen. Ein Buch ist mir da lieber! Das Beispiel mit der Pferdekutsche ist gut. In letzter Zeit geht mir oft durch den Kopf, was sich alles verändert, was für unsere Generation „verloren“ geht, was die Jüngeren nicht vermissen werden. Das Buch ist schon etwas kostbares. Mir scheint, deine Buchvorstellung ist eine wunderbare Hommage, der Bücherturm klingt beinah unglaublich und die Illustration finde ich total ansprechend. Vielen Dank dafür 🙂

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  5. Liebe Ulrike, das klingt spannend, was Spinnen schreibt. Ich mag E-Books auch, aber mir fehlt da der haptische Eindruck und das Stöbererlebnis außerhalb des Internets, hauptsächlich das Finden von gebrauchten Büchern auf Flohmärkten. Den Vergleich mit der Pferdekutsche ist gut gewählt, gibt einem zumindest zu denken. Vor der Arbeit verschwinde ich jetzt noch in meinen eigenen Lesesessel – wenn auch nicht Turm. Schade eigentlich. 😉 Herzliche Grüße, Eva

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    • Liebe Eva,
      hab‘ Dank für Deine leseinteressierte Rückmeldung.
      Ja, der Vergleich mit der Pferdkutsche ist sehr einleuchtend, zumal, wenn man bedenkt, daß man einst dem noch ungewohnten Automobil mit seinem Gestank und Lärm fehlenden Nimbus und Aura bescheinigte – da hat die Autowerbeindustrie inzwischen ganze Arbeit geleistet und das Auto und bestimmte Marken geradezu in Anbetungsware verwandelt. 😉
      Genieße gleichwohl Deinen Lesesessel und Deine Bücherschätze.
      Herzlich grüßt
      Ulrike

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      • Ich wollte noch ergänzen, liebe Ulrike, dass ich auch sogenannte Ebooks sehr schätze, denn sie haben bei mir genauso eine Berechtigung wie die elektrische Zahnbürste in meiner Zahnbürstensammlung *lächel*

        Ich benutze den Ebookreader in fast allen Lebenslagen, vor allem auch unterwegs bei Reisen, im Urlaub; großer Vorteil: statt 50 „richtige“ Bücher im Koffer mit mir herumzuschleppen, habe ich nur einen kleinen feinen Ebookreader dabei, auf dem diese 50 Ebooks gespeichert sind, u.a. der Schwarm von Schätzing, den ich gerade mal wieder begeistert lese, der als normales Handexemplar über 1Kg wiegt und schon mal die armen Haltefingerchen bei langer Lesefreude stark ermüden kann…

        Lass es dir gutgehen;
        hab einen feinen Tag,
        herzlich, Lu

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      • Lieben Dank, lieber Lu,
        für Deinen Lesegewohnheitsbericht.
        Ich befürworte die Koexistenz von Echt-Buch und E-Buch, gleichwohl lese ich einfach nicht gerne am Bildschirm und bevorzuge Bücher aus Papier.

        Das Argument mit dem Gewicht, fällt allerdings auch für mich ins Gewicht, denn ich leseschleppe mich gerade durch den „Tristram Shandy“, und das Schleppen geht auf Kosten der fast 1000g, die der dicke Klassiker wiegt, und das famose Werk ist meinen zarten Händen schon mehrfach entglitten. 🙂
        Herzensgruß von mir an Dich

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  6. In „einem gedruckten Buch mit einem Körper aus Papier, Tinte, Leim und Leinen, begleitet von Blätterrascheln, beseelten Buchstaben und Sätzen, die ich streicheln kann“ lese auch ich am liebsten! Auch deswegen gefällt mir deine Hommage für die Bücherhommage von Burkhard Spinnen ausgesprochen gut! Was mir leider immmer mehr auffällt, ist das Verschwinden der Bücher in den Wohnzimmerregalen, wenn es denn überhaupt noch Regale dafür gibt. Hoffen wir mal, dass das kein schlechtes Zeichen ist! Liebe Grüße, Petra

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    • Herzlichen Dank, liebe Petra,
      für Deine begeisterte Zustimmung zum leibhaftigen Buch.
      Wohnräume ohne Bücherregale finde ich befremdlich, leer und ungemütlich, besonders, wenn statt eines Bücherregals ein riesiger Flachbildschirm die halbe Zimmerwand ausfüllt. 😉

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  7. Ein Autor nach meinem Herzen, liebe Ulrike!
    Was hätte ich ohne die Bücher gemacht als Kind? Sie waren meine innigsten Freunde. Ich las mich durch alles, was ich fand. Ich weiß nicht, wieviele Leihbüchereien ich unsicher gemacht habe und weiß nicht mehr von allem, was ich gelesen habe. Nicht alles war hochwertig *lach*, aber es machte Freude zu entdecken, daß mir eine andere Richtung doch mehr lag als nur Ganghofer oder Herbert Rittlinger. In der Erinnerung muß ich lachen. Ach ja, da war auch Hedwig Courths-Mahler 🙂
    Ich kann mir ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen, liebe Ulrike, aber sehr gut eines mit einem Bücherturm, um den ich herumpilgere und herausziehe, was ich jetzt gerade in diesem Moment lesen mag. Umgeben von Büchern fühle ich mich wohl. E-Bücher kann ich nicht stapeln und um sie herumgehen *g*
    Liebe Grüße von Bruni

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    • Es überrascht mich keineswegs, liebe Bruni,
      daß Dir dieses Bücherbuch zusagt, und ich danke Dir für den lebhaften Bericht über Deine Lesebiographie. Ich kann bestätigen, daß Bibliodiversität beim Lesen der Ausbildung eines differenzierten Lesegeschmacks dient. Mein früherer Chef und Buchhandelsausbilder sprach ja immer von Hedwig Courths-Malheur… 😉 Man wächst doch nach und nach über leichtpassierbare Lesesüßkost hinaus und lernt gehaltvolle und tiefenscharfe Wortwebekunst schätzen. Durch den Kontrast der Lektüren entwickelt man einen individuellen Maßstab für die inhaltliche und stilistische Buchqualität.
      Ja, der Bücherturm von Burkhard Spinnen übt auf mich auch eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. E-Bücher wirken daneben einfach blaß, kümmerlich und oberflächlich.
      Frühlingsluftige Grüße von mir zu Dir 🙂

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      • Ich habe auch einige davon verschmökert, allerdings schon zwei Jahre früher, mit Siebzehn war ich schon bei Hermann Hesse und Virginia Woolf angekommen … 🙂
        Es gibt eine vorzügliche Verfilmung (von 1974) ihres Romans „Der Scheingemahl“ unter der Regie von Gert Westphal mit Herlinde Latzko, Christian Wolff und weiteren Charakterdarstellern:

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      • Ich will jetzt nicht reinsehen, liebe Ulrike, aber ich erinnere mich an einen Film mit Sabine Sinjen und den Namen Griseldis habe ich bis heute im Ohr. Zu Hermann Hesse kam ich spät, aber dafür um so intensiver
        Lächelnde liebe Grüße in die Nacht von Bruni

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  8. Bücher über Bücher und das Lesen mag ich sehr. Man erfährt so viel darüber, wie Andere die Welt (der Bücher) erleben. Danke für Deine informative Rezension.
    Zu Hause bevorzuge ich das Lesen mit haptischem Eindruck. Auf meinen Wanderungen freue ich mich über Bücher ohne Gewicht 😉

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    • Danke für Deine persönliche Beschreibung Deiner bevorzugten Bücherart je nach Lesesituation.
      Ich sehe den Nutzen von fast schwerelosen „Büchern“ auf langen Reisen, Wanderungen und Expeditionenen ein und glaube zuversichtlich an die friedliche Kooexistenz von echten und elektronischen Büchern. 🙂

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  9. Mal abgesehen von dem mir selbstverständlich erscheinenden Konsens (sonst würde ich ja hier nicht lesen), gibt mir Burkhard Spinnens Bücherturm doch zu denken. Prompt fiel mir eine vor Jahren gelesene Zeitungsmeldung ein. Ein Mann hatte – wiederum über viele Jahre hinweg – aus öffentlichen Bibliotheken Bücher entwendet und in seiner Wohnung gehortet. Dort stapelte er sie in einem Zimmer bis unter die Decke; nur mitten hindurch blieb noch ein schmaler Gang. Die Sache flog auf nicht etwa, als er beim Bücherdiebstahl erwischt wurde, sondern als der unter ihm wohnende Nachbar Risse in seiner Zimmerdecke bemerkte. Da waren die den Fußboden des Bücherdiebs tragenden Balke bereits angebrochen, und es hätte nicht lange gedauert, bis die ganze Bücherlast durch die Decke gebrochen wäre. Wir wollen also hoffen, dass Burkhard Spinnen stabil wohnt.
    Herzliche Grüße
    Christa (noch immer ohne eBook-Reader)

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    • Liebe Christa,
      vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar, Dein büchersympathisierendes Einverständnis und die spannende Zeitungsmeldung.
      Ich hätte es als sehr ungerecht empfunden, wenn der unschuldige Nachbar der Leidtragende der Lasten des Bücherdiebs geworden wäre. Diebstahl öffentlichen Gemeingutes finde ich überaus egoistisch und unverzeihlich.
      Deine fürsorgliche Bemerkung zur Stabilität von Burkhard Spinnens tragenden Fußbodenbalken kann ich angesichts der Bücherladung seines Bücherturms gut verstehen. Hoffen wir das Beste zum Wohle des Untermieters und der Bücher.
      Frühlingsluftige Grüße aus meiner E-Buchfreien-Zone

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      • Ich versuche, für ein bisschen ausgleichende Gerechtigkeit zu sorgen. Angesichts meiner erbärmlich knarrenden Fußbodendielen in einem über hundertjährigen Haus trage ich alle Bücher, von denen ich denke, dass ich sie nicht nochmals lesen werde, in die Stadtbücherei, wo sie entweder in den Bestand aufgenommen oder gegen eine Spende von 1,- Euro an Bibliotheksbenutzer abgegeben werden. 🙂

        Was ich noch sagen wollte: Etwas positives scheint die Sorge um die Zukunft des gedruckten Buches doch zu bewirken, denn mir scheint, es werden mehr Bücher in bibliophilen Ausgaben hergestellt als früher.

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      • Ich bekomme wirklich SEHR viele Rezensionsexemplare von den Verlagen, und ich behalte nur die absoluten Lieblinge. Den Rest spende ich wahlweise meiner örtlichen Stadtbibliothek und eine feine Auswahl an Kinderbüchern reiche ich demnächst dem Bergischen Kinderhospiz weiter.

        Deine Wahrnehmung, daß inzwischen mehr Bücher in hochwertiger bibliophiler Ausstattung auf den Markt kommen stimmt. Ein attraktives Beispiel dafür ist die Reihe NATURKUNDEN vom Matthes & Seitz Verlag: https://www.matthes-seitz-berlin.de/termin/fuenf-jahre-naturkunden.html

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  10. Liebe Ulrike,
    ich habe in meinem Leben noch kein EBook gelesen und habe es auch nicht vor, auch wenn ich verstehe, daß das für viele Leser praktisch ist. Wie Du liebe ich es auch, den Bücherduft inhalieren, und die Buchstaben streicheln zu können.
    Ich wünsche Dir eine buchgefüllte Woche.
    Herzlichst,
    Tanja

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Tanja,
      meine Tage, Wochen und Monate sind stets buchgefüllt, vielleicht sogar etwas buchüberfüllt … 😉
      Mir sind von Verlagen schon verschiedentlich E-Bücher als Rezensionsexemplare angeboten worden, aber ich habe sie stets mit dem Hinweis abgelehnt, daß ich grundsätzlich der Papierlektüre den Vorzug gegenüber der Bildschirmlektüre gebe. Meist bekomme ich dann ein echtes Buch zugeschickt, und wenn nicht, dann verzichte ich gelassen auf die Lektüre.
      Der Lesespaziergang handinhand mit einem leibhaftigen Buch ist in meinen Augen einfach unübertrefflich.
      Herzlichen Dank für Deine zugeneigte und harmonische Resonanz.
      Frühlingsluftige Grüße von Deiner
      Bücherfee 🙂

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      • Danke, liebe Bücherfee. Bei uns gibt es leider etwas zu stürmische Lüfte, und in Kombination mit der hier herrschenden Trockenheit besteht ein großes Risiko von Gras- und Waldbränden.
        Ich hoffe Deine Woche wird lediglich buchge- aber nicht überfüllt! 😊

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  11. Bass erstaunt darüber, dass ich dieses Buch nirgends als E-Buch finden konnte, hätte ich beinahe drauf vergessen, diesen Bücherfeenbeitrag zu kommentieren. 😉
    Das von dir heute vorgestellte Buch-Buch stimmt mich definitiv nachdenklich. Ich würde auf keinen Fall Prognose wagen wollen, wie es dem gedruckten Buch in 111 Jahren geht. Zwar ist der Buchdruck keine ganz neue Erfindung. Aber die „Buochen“ waren ja zunächst einigen hochgelahrten Kreisen vorbehalten. Das Buch als durchschnittsbürgerliches Haustier ist also relativ neu. Und es könnte durchaus im Zeitrahmen weniger Generationen fast sang- und klanglos wieder verschwinden.
    Aus der Perspektive des Autors (und jener, die eine ähnliche Lebenserfahrung teilen) mag dies ungeheuerlich erscheinen. Zu fest ist das Buch als festes Familienmitglied im Bewusstsein verankert. Mir geht es da ähnlich. Zwar bin ich mir durchaus verschiedener Vorteile der E-Bücher bewusst. Aber ein richtiges Buch wie es im Buche steht ist das E-Buch für mich nicht. Für kommende Generationen mag das aber ganz anders aussehen. Vor allem, wenn das E-Buch vielleicht in naher Zukunft ein echtes Eigenleben entwickelt.

    Gefällt 5 Personen

    • Verbindlichen Dank für Deine ausführliche, ganzheitliche und historische Betrachtung des Themas.
      Sehr treffend finde ich Deine Bezeichnung des Buches als „Familienmitglied“, was ich besonders in Hinsicht auf meine prägenden elterlichen Vorleseerfahrungen, exakt so empfinde: Manche Bücher und Geschichten haben eine nachhaltig-tiefe Verknüpfung mit meiner kindlichern Erfahrung von Vorlesegeborgenheit und mit Selbstleseabenteuern im Rahmen familiärer Umgebungsgeborgenheit.
      Kommende Generationen werden das vielleicht ganz anders erleben, zumal sehr viele Menschen bereits jetzt symbiotisch mit ihrem smarten, elektronischen Nebenhirn verbunden sind.
      Ich wage diesbezüglich ebenfalls keine Prognose.
      Gleichwohl pflege ich unermüdlich meine Liebe zu echten Büchern, und ich werde bis zum letzten Atemzug für „Bücher wie sie im Buche stehen“ schwärmen. 🙂

      Gefällt 4 Personen

      • Wer eine ausgeprägte seelisch-herzliche Verbindung zu den verschiedenen sinnlichen Erfahrungsaspekten von Büchern besitzt, wird deren physische Präsenz wohl immer als etwas Besonderes empfinden. Da gibt es, je mehr man darüber nachdenkt, ganz viele Aspekte. Für mich haben beispielsweise auch Bücher in der heute antiquiert 😉 wirkenden Fraktur-Schrift einen besonderen Reiz. Und so gibt es zahlreiche Gründe, warum ein Buch viel mehr ist als sein Inhalt. Wer aber so etwas nie wirklich kennen gelernt hat, wird es auch nicht vermissen. Sogar das Konzept, Bücher überhaupt zu besitzen, könnte in Zukunft der Vergangenheit angehören. Wie es auf dem deutschen Markt aussieht, weiß ich nicht – aber in Norwegen kann man heute schon Abos abschließen, die einem für einen monatlichen Betrag sozusagen ein gewisses Kontingent an Leserechten ermöglichen. Irgendwie ähnlich dem „Streaming“ in der Musikbranche.

        Gefällt 2 Personen

    • Liebe Martina,
      vielen Dank für Deine ausgewogene Leseeinstellung.
      Für mich dient der sinnliche KÖRPER eines Buches der Vertiefung meiner Leseerfahrung. Ich mache immer wieder die Erfahrung, daß ich am Bildschirm oberflächlicher wahrnehme und weniger von der geistigen Substanz des Gelesenen aufnehme.

      Gefällt 2 Personen

  12. Ich habe Burkhard Spinnen auf einer Autorenlesung erlebt, in der er aus seinem Buch „Die letzte Fassade“ über seine an Demenz erkrankte Mutter vorgelesen hat – das Buch erschütternd in seiner entwaffnenden Ehrlichkeit, er bewegend in seiner Bescheidenheit, Nüchternheit und Liebe zu seiner Mutter. Diese Feinheit – und liebende Sachlichkeit und Nähe zu den wunderbaren Dingen, die sich uns als Bücher in die Hände legen finde ich in Deiner Beschreibung wieder – danke fürs Teilen, Ulrike – auch Deine Überzeugung, daß Bücher eine bleibende Spur unseres Lebens hinterlassen – so wird es sein.
    Lieben Gruß
    Guido

    Gefällt 2 Personen

    • Lieber Guido,
      verbindlichen Dank für Deine persönliche Rückmeldung und den feinfühlig-anschaulichen Bericht von Burkhard Spinnens Lesung aus „Die letzte Fassade“.
      Dein wohlformuliertes Lob ( „wunderbare Dinge, die sich uns als Bücher in die Hände legen“) zum Stil meiner Buchbesprechung hinterläßt nun ebenfalls freudige Lesespuren in mir … 🙂

      Gefällt 2 Personen

  13. Hallo Ulrike.
    Ich bin da ganz bei dir.
    Ich liebe Bücher über alles. Ich liebe es in den Bücherläden zu stöbern. Ein richtiges Buch anfassen, drin stöbern, lesen und letztendlich in meinen Regal stellen. Ich könnte sie danach nicht einfach abgeben, verschenken oder weg schmeißen.
    Ich möchte aber auch kein E-Book. Weil mir da die Bücher nicht wirklich gehören.

    Gefällt 6 Personen

    • Liebe Nati,
      hab‘ Dank für Deine differenzierte Resonanz und Büchersympathie.
      Besonders gefällt mir Deine Bemerkung, daß Dir ein E-Buch nicht wirklich gehört, sondern nur ein echtes, materielles Buch. Das sehe ich genauso, ein E-Buch ist eine flüchtige Datei … 🙂

      Gefällt 3 Personen

  14. Wie ist das zu verstehen: „nostalgisch nah für ältere Leser (ab Jahrgang 1950)“. Dürfen die davor Geborenen gedruckte Bücher ganz unnostalgisch für gegeben erachten? Oder soll unsereiner lieber nur noch im Internet surfen?

    Gefällt 3 Personen

    • Liebe Gerda,
      vielleicht hätte ich den Generationenradius auf 1920 um eine Generation mehr erweitern sollen (wenn man eine GeneRATION in 30-Jahresabteilungen bemißt).
      Der Autor ist Jahrgang 1956 und ich bin Jahrgang 1964. Die Kindheits- und Jugendleseerfahrungen, die er beschreibt, sind mir persönlich sehr nahegelegen. In meiner Kindheit gab es beispielsweise noch in JEDEM Stadtteil meiner Heimatstadt Solingen eine Stadtteilbibliothek, inzwischen gibt es nur noch eine ZENTRALE-Stadtbibliothek im Stadtzentrum.
      Die Bücherausleihnahversorgung gehört somit zu den nostalgisch nahen Erinnerungen meiner Lesebiographie.
      Die Jahrgänge ab 2000 haben eine solche nachbarliche Stadtteilbibliothek überhaupt nicht mehr kennengelernt, und deshalb ist ein Bericht darüber für sie nostalgisch fern.
      Keinesfalls will ich mit meiner – auf den ZEITRAHMEN der im Buch beschriebenen, generationenbezogenen – Zeiteinteilung ältere Leser als Jahrgang 1950 ausschließen oder auf eine bestimmte Lektüreart festlegen.

      Gefällt 3 Personen

      • Ich habs auch nicht ganz ernst gemeint, liebe Ulrike. Dennoch sind mir solche Zeitrahmen suspekt. Es stimmt zwar, dass die meisten sich selbst zwischen Großeltern-Zeit und Enkelzeit einfühlen und alles, was darüber hinausgeht, als irgendwie nebulös empfinden, Doch ist dieser Rahmen natürlich je nach Alter verschieden. Ich zB habe lebendige Erfahrungen mit Menschen, die 1885 geboren wurden (meine Großmütter), und da gab es natürlich bereits Stadt- oder Privatbibliotheken. Die Oma wiederum rechnete sich zurück bis zu ihrer Großmutter, etwa Jahrgang 1835, die auch nicht unbelesen war, und die ihrerseits…..Wenn sich also etwas verändert hat, dann vor allem seit der Verbreitung der elektronischen Medien, dh seit etwa zehn Jahren. Oder hattest du vorher ein Lesegerät?

        Gefällt 3 Personen

      • Da hat du wahrlich einen weiten, familiären Zeithorizont, liebe Gerda.
        Mein Großvater väterlicherseits ist zwar 1870 geboren, aber ich habe ihn nicht mehr kennenlernen können und weiß nur aus den Erzählungen meines Vaters von ihm und seinem Sein.
        Den Einfluß digitaler Medien sezte ich einfach früher an als Du und zähle den niveauzersetzenden Einfluß des Privatfernsehens noch dazu.
        Ich habe gar kein Lesegerät und werde mir gewiß auch nie eines kaufen. Außerdem lehne ich es konsequent ab, mit einem bestimmen Lesegerät, Abonnent eines gewissen Konzerns mit A zu werden und dessen Einflußreichtum und Marktmachtkonzentration noch mehr zu vergrößern.

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