Der schwarze Hund

  • Text und Illustration von Levi Pinfold
  • Originaltitel: »Black Dog«
  • Aus dem Englischen von Nicole T Stuart
  • Bilderbuch
  • Verlagshaus Jacoby & Stuart  3. Auflage 2015  http://www.jacobystuart.de
  • Gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 22,5 x 29cm
  • 32 Seiten
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A)
  • ISBN  978-3-941787-86-5
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

A N S I C H T S S A C H E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Frage, ob die Angst größer ist als die befürchtete Gefahr, stellt sich immer wieder. Im Bilderbuch „Der schwarze Hund“ wird dieser Frage anschaulich und lehrreich nachgegangen.

Familie Hoop lebt in einem schönen, altmodischen Haus, das mit seinem rosafarbenen Anstrich warm aus der verschneiten Winterlandschaft hervorleuchtet. Eines Morgens kommt ein neugieriger Hund vorbei. Herr Hoop schaut aus dem Parterrefenster und erschrickt maßlos vor dem schwarzen Hund, der in seinen Augen so groß wie ein Tiger erscheint.

Herrn Hoops Angst ist ansteckend, und Frau Hoop findet gar, der Hund wäre so groß wie ein Elefant. Für jedes Familienmitglied wächst der Hund an Größe und angeblicher Gefährlichkeit. Und so beginnt die Familie, sich im Haus zu verbarrikadieren.

Illustration von Levi Pinfold © Verlagshaus Jacoby & Stuart 2015

Nur das jüngste und kleinste Familienmitglied, mit dem Spitznamen Klein, betrachtet die Angelegenheit unbefangen, zieht sich winterwetterfest an und verläßt grünbestiefelt – allen ängstlich-fürchterlichen Warnungen zum Trotz – das Haus, um nach dem fremden Hund zu schauen.

Klein findet den großen, großen, schwarzen Hund, der sie freundlich beschnuppert. Und dann spielt sie mit ihm Nachlaufen und lockt ihn mit lustigen Reimen durch allerlei enge Wege, für die er einfach schrumpfen muß, um ihr folgen zu können. Schließlich kommt Klein Hoop mit einem harmlos mittelgroßen Hund wieder zu Hause an, und die überängstlichen Eltern und Geschwister schauen verlegen-betreten aus der Wäsche und erkennen ihren Irrtum. Sie haben vor lauter Angst die Wirklichkeit aus den Augen verloren.

Entspannt nimmt die ganze Familie auf dem nostalgischen Sofa am Kaminfeuer Platz und bewundert Kleins Mut. Klein sitzt auf einem Kissen vor dem Sofa, nahe bei dem lieben Hund, und sagt gelassen: „Ach, wisst ihr, da war nichts, vor dem ich mich hätte fürchten müssen“…

Illustration von Levi Pinfold © Verlagshaus Jacoby & Stuart 2015

Spielerisch und phantasievoll vermittelt dieses Bilderbuch, daß Großes klein und Kleines groß sein kann und daß die Proportionen zwischen eingebildeter Gefahr und Wirklichkeit möglichst unvoreingenommen überprüft werden sollten, um ängstlichen Überreaktionen mit Besonnenheit zu begegnen.

Levi Pinfold hat für das Bilderbuchhaus sehr schöne Interieurs mit romantischer, warmbunter Vintageeinrichtung und verspielten Details gezeichnet, die eine einladende, stimmungsvoll-gemütliche Wirkung entfalten. Sein kunstvoll-präziser Malstil gibt feinste Texturen von Materialien, Hölzern, Stoffen, Fell usw. wieder. Und so wird jede Seite zu einer wahren Augenweide für Liebhaber sinnlicher Einzelheiten und Strukturen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.jacobystuart.de/buecher-von-jacoby-stuart/kinderbuch/bilderbuch/der-schwarze-hund/

 

Der Autor & Illustrator:

»Levi Pinfold glaubt, dass er selbst einmal einen Schwarzen Hund gesehen hat. Es kann aber auch ein Panther gewesen sein. Der schwarze Hund ist sein zweites Bilderbuch. Er gewann dafür 2013 die renommierte CILIP Kate Greenaway Medal. Für sein erstes »The Django« wurde er in Großbritannien als Bester Newcomer-Illustrator ausgezeichnet. Levi Pinfold mag Motorräder, Musik, Bäume und Katzen. Zur Zeit wohnt er mit seiner Freundin und Howard, der Eidechse, in Brisbane, Australien. In seiner Freizeit versucht er sich als Gemüsegärtner.«

 

PS:
Gerne reihe ich das Bilderbuch „Der schwarze Hund“    als Entspannungsvorbild – in Petra Pawlowskys Fundgrube für das Projekt KINDER IM AUFWIND ein: https://pawlo.wordpress.com/home-2/fundgrube-fuer-kinder-im-aufwind/

 

QUERVERWEIS:

Das einfühlsam-heitere Bilderbuch „Henriettes Heim für schüchterne und ängstliche Katzen“ von Alicia Potter (TEXT) und Birgitta Sif (ILLUSTRATIONEN) bietet sich zum Thema Angstüberwindung ergänzend an.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/02/24/henriettes-heim-fuer-schuechterne-und-aengstliche-katzen/

Anregende Ermutigung bietet außerdem das augenzwinkernd-tiefsinnige Kinderbuch „Vom mutigen Manxmaus Mäuserich“ von Paul Gallico. Der kleine Mäuserich lernt seine eigene Angst kennen, ergibt sich der Angst jedoch keineswegs, sondern nutzt sie, um seinen Mut daran zu schärfen.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/02/29/vom-mutigen-manxmaus-maeuserich/

 

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40 Kommentare zu “Der schwarze Hund

  1. Liebe Ulrike, wieder ein Buch für Groß und Klein – ups, daß paßt ja im doppelten Sinne 🙂 Die Bilder sind toll. Das sind so schöne Suchbilder, die Kindern viel Freude machen. Mich sprechen sie sehr an ! Und tatsächlich eine Geschichte, von der auch Erwachsene lernen können. Die Ängste wieder auf ihr normales Maß zu bringen: eine Empfehlung, die bei vielen Ängsten angezeigt ist. Je mehr die Phantasie einsteigt, umso verrückter und größer werden sie ! Eine schöne Geschichte. Vielen Dank für diesen erneuten Schatz 🙂 Herzensgruß zu dir !

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    • Liebe Almuth,
      vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und Dein detailliertes Gefallen an den Illustrationen. 🙂
      Ich stimme Dir zu, daß sowohl Erwachsene als auch Kinder angesichts von Ängsten das mutige Maßnehmen lernen sollten. Das vorliegende Bilderbuch bietet jedenfalls Anregungen dazu an.
      Herzensgruß von mir zu Dir! :mrgreen:

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  2. Das scheint wieder ein wundervolles Buch zu sein, dass eine wichtige Lektion vermittelt, ohne dass das wirklich explizit in den Vordergrund tritt. Die Bilder, die Du ausgewählt hat, laden zum Verweilen und Anschauen ein. Herzlichen Dank.

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  3. Scheint mir ein sehr nettes Bilderbuch zu sein, liebe Ulrike, und seine Illustrationen wirken sehr liebevoll und gekonnt gezeichnet. Bissel vollgepackt in den Räumen, na ja. aber gerade dadurch schafft Levi Pinfold eine sehr gemütliche Atmosphäre in die eindeutig *g* auch noch ein Hund gehört.
    Die Katzen beäugen ihn erst mal kritisch, aber sie werden sich vertragen, das konnte ich bei Tochter Nr. 1 gut beobachten. Schwarze Katze und schwarzer Hund vertrugen sich gut, bis die Katze nach einigen Jahren einem Hirnschlag erlag und der große Schwarze betrauerte sie sehr. Wen sollte er jetzt noch in seiner Liebe ablecken? Die Menschen schienen es komischerweise nicht zu mögen 🙂

    Großes klein und Kleines groß, ach ja, sie sollten sich mal sehen, die sich so groß fühlen und doch nur kleingeistig sind. Ich denke u. a. an die Politiker … Aber das gehört ja gar nicht hierher ts, ts

    Liebe Grüße von Bruni

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  4. Tja, fast wage ich gar nicht mehr zu fragen… Möchtest du noch… dieses so schmackhaft beschriebene Buch gegen die Angst (sogleich mit weiteren Links zum Thema!) dem „Projekt Kinder im Aufwind“ widmen??? Vielleicht könnten wir der Inhaltsangabe sogar das neue Thema „Gemeinsam lesen“ mit deinen so sprachgewaltigen und farbrauschenden Buchbesprechumgen hinzufügen?
    Ich würde mich darüber sehr freuen! Und wahrscheinlich einige andere auch? Mit lieben Grüßen, Petra

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  5. Ich finde es so wunderbar, wie du auf Schätze der Kinderbuchliteratur aufmerksam machst. Vor allem auch an jene Vielleser wie mich gerichtet, die keine eigenen Kinder haben und nicht so sehr oft in die Kinderbuchabteilung blinzeln, sind deine Beiträge eine große Hilfe und Anregung. Viele Grüße

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  6. Cool, erinnert mich an meine Kindheit.
    Bei uns gab es mal eine Drogerie die hieß „Der schwarze Hund“ …
    Liebe Grüße aus Österreich

    Übrigens…
    Dale Carnegie schreibt in seinem Bestseller „Sorge Dich nicht, lebe!“, dass 90% der Sorgen und Ängste die wir uns machen NIE eintreffen…

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  7. Riesengroß ist hier offensichtlich insbesondere die augenweidige Qualität des Buches. Die stimmungsvollen Bilder sind ja geradezu phänomenale Ansichts-Sachen. Damit laden sie dazu ein, das Buch oft und öfters aufzuschlagen. Und das ist ja insofern eine gute Sache, als es fast schon als Volkskrankheit gelten kann, Dinge in verzerrter Perspektive „wahr“zunehmen. Und da ist es ja von Vorteil, wenn diese schöne, beispielhafte Geschichte einige Wiederholungen erfährt. 🙂
    Übrigens glaube ich Levi Pinfold aufs Wort, dass er schon mal einen schwarzen Hund gesehen hat. Wer so zeichnen kann, kann auch einen schwarzen Hund gesehen haben. 😉

    Gefällt 3 Personen

    • Oh ja, die augenweidige Qualität ist ganz hervorragend. In diesem Bilderbuch kann man sich regelrecht verlaufen und sich genüßlich an Lieblingsstellen ins Buch hineinträumen.
      Es schärft die WAHRnehmung, die Relativität von Perspektiven spielerisch und bilderbüchlich auszuloten.
      Verbindlichen Dank für Deine feinsinnige Resonanz und Deine Wertschätzung für die hohe, schwarzhündige 😉 Zeichenkunst von Levi Pinfold. :mrgreen:

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  8. Für mich wär dieses Haus ein Graus, überall steht was im Wege. Aber als Illustrator ist der Levi Pinfold schon ein Könner! Beruhigend, dass sich anscheinend auch die Katzen von der Ungefährlichkeit des Hundes überzeugen und ihm sein Fressen gönnen.

    Gefällt 3 Personen

    • Liebe Gerda,
      Hab‘ Dank für Dein Bilderbuchecho.
      Das Bilderbuchwohnzimmer ist deshalb so überfüllt, weil noch der Kürmel vom Verbarrikadieren herumsteht und noch keiner aufgeräumt hat. Außerdem dürfte ein Haushalt mit drei Kindern immer etwas krimskramiger „geordnet“ sein. 😉
      Schön, daß Du gleichwohl die Qualität von Levi Pinfolds illustrativem Können wahrgenommen hast.

      Gefällt 2 Personen

  9. Hallo Ulrike! Das Buch steht auch schon einige Zeit hier im Regal. Es ist so schön. Allerdings hat mein Kleiner doch etwas Angst vor dem Hund gehabt, so dass wir es erstmal wieder zur Seite gestellt haben, bis er etwas älter ist. Ich denke, die Altersangabe „ab 4“ ist schon realistisch, eventuell auch etwas später.
    Kennst Du „Der Grünling“?

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    • Liebe Daniela,
      vielen Dank für Deine persönliche Rückmeldung.
      Die Altersempfehlung ab 4 Jahren finde ich stimmig. Du meinst die Abbildung, auf welcher sich die Größe des Hundes über eine Doppelseite erstreckt und Klein ziemlich klein, aber doch souverän, vor ihm steht. Dieser Größenkontrast ist schon beeindruckend und je nach – positiver oder negativer – Erfahrung mit Hunden etwas beängstigend. Dieser Schreck- oder Überraschungsmoment gehört jedoch zur erzählerischen Dramaturgie und wird dadurch abgemildert, daß der Hund eine gelassen-entspannte Körpersprache zeigt.

      Vom „Grünling“ habe ich bisher erst einige begeisterte Besprechungen gelesen … :mrgreen:

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