Manchmal rot

  • Roman
  • von Eva Baronsky
  • Aufbau Verlag April 2017  www.aufbau-verlag.de
  • Taschenbuch
  • 353 Seiten
  • 9,99 € (D)
  • ISBN 978-3-7466-3240-7

VORHER – NACHHER
MAL  GANZ  ANDERS

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wer wird man, wenn man nicht mehr weiß, wer man war? Ohne Hindernisparcours aus Gedankenbremsen, Glaubenssätzen und Gewohnheitsbewertungen wäre der Blick auf Welt und Menschen weitgehend ungetrübt von einer persönlichen Vorgeschichte. Es wäre eine großartige Chance, Ungewagtes zu wagen, Unverhofftes zu hoffen und seine Fähigkeiten, Neigungen, Stärken und Schwächen frisch auszumessen, zu erproben und vielleicht sogar eine zuvor unmögliche Möglichkeit zu wählen.

Eine solche Selbstneubestimmung in Verbindung mit den poetischen Besonderheiten synästhetischer Wahrnehmung wird in „Manchmal rot“ anschaulich und faszinierend sowie mit sprachlicher Virtuosität durchgespielt und beiläufig mit der extremen sozialen Spaltung unserer Gesellschaft verknüpft.

Zunächst erscheint es, als wäre Angelina Niemann, die weibliche Hauptfigur des Romans, weit davon entfernt, musische Neigungen zu entwickeln, die über die Betrachtung von Spielfilmen und einen ausgeprägten Sinn für Farben hinausgehen.

Angelina kommt auf dem Weg zu ihrer Putzstelle an einem Wollgeschäft vorbei und verliebt sich auf den ersten Blick in zwei Wollknäuel mit blautürkispetrolem Farbverlauf. Die Wolle ist preisreduziert auf vier Euro, doch nach einem schnellen kopfrechnerischen Kassensturz nimmt sie betrübt Abstand vom Kauf der Wolle. Sie tröstet sich damit, daß sie heute wenigstens in „ihrer“ schönen Lieblingswohnung aufräumt und saubermacht.

Zweimal wöchentlich kümmert sie sich um diese luxuriöse Penthouse-Wohnung mit grandioser Aussicht auf den Main. Den Besitzer der Wohnung hat sie noch nie gesehen, seine Freundin hatte sie eingestellt, und nachdem diese offensichtlich ausgezogen ist, hat sich an dem illegalen Arbeitsverhältnis nichts geändert.

Immer wartet ein Fünfziger an der vereinbarten Stelle auf dem Küchentresen und manchmal eine Notiz mit Sonderwünschen. Diese Notizen bedeuten Streß für Angelina, denn sie kann nicht richtig lesen und muß die Hilfe ihrer Freundin Mandy in Anspruch nehmen, der sie die Nachricht per Handyfoto sendet.

Mandy ruft dann zurück und erklärt ziemlich genervt, was auf dem Zettel steht. Diesem Telefonat kann man deutlich anmerken, daß Angelinas Selbstbewußtsein ausgesprochen bescheiden ist. Sie ist ängstlich, unsicher und menschenscheu und zieht sich zur Entspannung gerne zum Stricken auf ihr Sofa zurück. Von ihrem erputzten Schwarzgeld profitiert ihr Freund Pit, der immer nur dann aufkreuzt, wenn ihm das Spielgeld ausgegangen ist oder er gewisse hormonelle Bedürfnisse an ihr austobt.

Dr. Christian von Söchting ist der Besitzer der gediegenen Wohnung. Er arbeitet als erfolgreicher Anwalt in einer internationalen Wirtschaftskanzlei, hat ein Jahresgehalt von gut 500.000 Euro und steht kurz vor der nächsthöheren Karrierestufe, für die er allerdings seinen Seniorchef und einstigen Mentor bei den Fusionsplänen mit einer amerikanischen Kanzlei austricksen muß.

Er fährt einen Porsche 911, und in seiner Wohnung steht ein echter Steinway-Flügel, den er einst für seine künstlerisch-ambitionierte Exfreundin Charlotte als Geschenk gekauft hatte. Dennoch hat Charlotte ihn wegen eines Kulturprofessors verlassen und ist nach Berlin gezogen. Neuerdings leidet Christian an Flugangst, was sehr anstrengend für ihn ist, da er berufsbedingt mindestens zweimal wöchentlich mit dem Flieger unterwegs ist.
Schwächen, Unsicherheiten und Fehler kann er sich in keiner Form leisten, denn seine Berufswelt ist ein Haifischbecken.

Neben seinem Liebeskummer wegen Charlotte hat Christian auch verzweifelte finanzielle Probleme. Wohin mit der illegalen Provision von 1,5 Millionen Euro in bar, und wie soll er unauffällig das schweizerische Schwarzgeldkonto seines Vaters mit immerhin 30 Millionen Euro nach Deutschland transferieren? Ja, diese Leistungsträger tragen schon schwer an der existenziellen Notwendigkeit, gutes Geld vor bösen Steuern zu beschützen.

Bis auf den indirekten dienstleistungsbezogenen Kontakt gibt es keine lebensweltlichen Berührungspunkte zwischen Angelina und Christian. Doch dies ändert sich wortwörtlich schlagartig, als Angelina beim Auswechseln einer defekten Glühbirne einen Stromschlag bekommt und in Christians Wohnung von der Leiter fällt. Christian findet die bewußtlose Putzfrau und veranlaßt ihre Einlieferung ins Krankenhaus.

Angelina erwacht nach einer längeren Bewußtlosigkeit und weiß nicht mehr, wer sie ist. Doch sie sieht Stimmen, Laute und Musik ganz deutlich in farbigen Mustern und Bildern. Die Klinikneurologin macht einige Tests mit ihr. Angelinas Faktenwissen ist intakt, nur ihr biographisches Gedächtnis funktioniert nicht. Sie müsse Geduld mit sich haben, ihre Lebenserinnerungen kämen sehr wahrscheinlich nach und nach zurück.

Christian besucht Angelina im Krankenhaus und erzählt ihr, daß sie seine Putzfrau sei, und wenn sie wolle, könne sie sich nach ihrer Genesung gerne weiter um seine Wohnung kümmern. Er bringt auch ihre Handtasche mit, die in seiner Wohnung liegengeblieben war. Angelina muß erst die Scheu überwinden, einen Blick in diese ihr fremde Handtasche zu werfen. Das Gefühl, sich sozusagen unbefugt in einem fremden Leben zu bewegen, begleitet sie noch lange.

Sie forscht der Vorher-Angelina nach, läßt sich von ihrer Mutter und von Mandy erzählen, wie und wer sie sei, aber ihr fehlt der emotionale Bezug. Die Nachher-Angelina ist wesentlich willensstärker und zielstrebiger sowie mangels Vergangenheitsbezügen sehr gegenwärtig.

Die nette ältere Dame, die das Bett neben Angelina belegt, benutzt häufig altmodische Wörter, und Angelina schmeckt diese Worte aufmerksam für sich ab und findet Gefallen an Formulierungen wie „unbeugsame Beharrlichkeit“. Mit unbeugsamer Beharrlichkeit bringt sie sich während des vierwöchigen Krankenhausaufenthalts selbst das Lesen und Schreiben bei, Buchstabe für Buchstabe, Silbe für Silbe.

In der zur Klinik gehörenden Kirche findet täglich ein Gottesdienst statt, bei dem Schwester Benedicta Orgel spielt. Diese Gottesdienste werden zusätzlich im Fernsehen übertragen. Als Angelina diese Musik hört, ist sie hingerissen, und es zeigt sich ihre klangfarbensynästhetische Wahrnehmung – sie kann Musik sehen:

„Lange Bänder in Grün und Blau, die kennt sie, hat sie schon mal gehört, aber jetzt wachsen Punkte mit fedrigen Spitzen raus, fliegen zu Blüten zusammen und tanzen herum. Jede Blüte hat acht Töne, das weiß ich, ohne zu zählen, und obwohl alle grün und blau sind, hat jede eine andere Farbe. Als sie die Augen aufmacht, sieht sie im Fernseher die Tasten. Schwarz und weiß, sie braucht gar nicht hinzugucken, um zu wissen, dass es immer abwechselnd Zweier- und Dreierpacks sind, damit kenn ich mich aus, dazwischen weiße, also eigentlich fünf und sieben, macht zwölf, zwei Hände, die darauf spielen, ganz groß im Bild. Sobald ein Ton da ist, weiß sie genau, welche Taste als Nächstes kommt.“ (Seite 115)

Später wird sie von Schwester Benedicta dreimal wöchentlich praktisch und theoretisch musikalisch unterrichtet werden und täglich auf Christians verwaistem Steinway-Flügel Etüden üben …

Christian hat derweil einige komplizierte und knifflige Verträge zu überprüfen, jagt von Mandant zu Mandant, von Sitzung zu Sitzung,  beäugt mißtrauisch seine Kanzleikollegen und fädelt seine rücksichtslose, geheime Vorteilsnahme in die Vorverhandlungen für die angestrebte Kanzleifusion ein. Ein Versteck für die 1,5 Millionen in gebündelten Hunderteuroscheinen hat er auch spontan gefunden – solche Noten würde man doch niemals im Inneren eines Steinway vermuten oder gar suchen.

Angelina kehrt, begleitet von Mandy, in ihre eigene Wohnung zurück und versucht vergeblich ihr Leben wiederzuerkennen. Zum Befremden ihrer Freundin spricht sie nur in der dritten Person Singular von Angelina und erkundigt sich nach den Einzelheiten ihres Lebens. Offenbar war die liebste Freizeitbeschäftigung der Vorher-Angelina das Stricken, doch die Nachher-Angelina findet das langweilig.

Die neue Angelina ist wißbegierig und wird eine eifrige Leserin. Sie entdeckt die Schönheit der Sprache für sich: „… in diesem Buch gibt es massenhaft Sätze, die sie nicht auf Anhieb kapiert. Aber wenn sie die Stelle zwei- oder dreimal gelesen hat, kann’s passieren, dass einer zu leuchten anfängt und sie staunen muss, wie viel Schönheit man aus so ein paar Buchstaben zusammensetzen kann, es ist, als würde vor lauter Schönheit auch in ihr drin was zu leuchten anfangen.“ (Seite 190)

Plötzlich steht Angelinas angeblicher Freund Pit vor der Tür und reklamiert ihre lange Abwesenheit. Mit analytischer Distanz betrachtet sie sein unverschämtes Gebaren und denkt, daß sie Mandys Einschätzung, daß sie Pit getrost vergessen könne, innerlich zustimmt. Sie wird gewissermaßen doppelt wütend auf sich selbst und auf die alte Angelina, die sich eine solche grobmaschige Machobehandlung hat gefallen lassen.

Als sie sich verbal und körperlich deutlich von ihm abgrenzt, wird er gewalttätig, und Schlimmeres wird nur dadurch verhindert, daß sie kein Bier im Kühlschrank für ihn bevorratet hat und er erst mal abzischt, welches zu kaufen – natürlich mit ihrem Geld. Geistesgegenwärtig packt sie eine Tasche mit dem Nötigsten und flüchtet in Christian von Söchtings Wohnung, über deren Schlüssel sie nach wie vor verfügt.

Christian ist zunächst nicht amüsiert beim häuslichen Feierabend, seine Putzfrau vorzufinden. Sie tritt ihm gegenüber selbstbewußter auf, als sie sich fühlt, und sagt frech, daß sie vorübergehend das Gästezimmer beziehen werde. Seinen Hinweis, daß er die Polizei rufen könne, um sie loszuwerden, kontert sie mit einem dezenten Hinweis auf die Banknoten, die sie im Steinway gefunden habe, und auf die ungesicherte Strom-leitung, der sie ihren Stromschlag verdanke; sie habe schließlich nichts zu verbergen …

Ausschlaggebend für Christians Einverständnis mit Angelinas Einzug in seine Wohnung ist jedoch, daß er ihre Verletzlichkeit spürt, und dies weckt zu seiner eigenen Verwunderung Beschützerinstinkte in ihm.

Während Christian beruflich wie gewohnt weitermacht, kümmert sich Angelina um den Haushalt, liest sich durch Christians Bücherschrank, hört seine Musik-CDs und übt eifrig und unermüdlich Klavierspielen. Sie probiert Gewürze und verschiedene Kaffeevarianten aus und findet heraus, was ihrem Geschmack entspricht und was nicht.

Angelina formt und festigt ihr neues Ich. Sie entwickelt einen bemerkenswert klaren Blick auf ihre Mitmenschen, sie durchschaut ihre Masken und inneren Beweggründe. Abends stellt sie Christian viele Fragen zu Wörtern und Themen, die sie in Büchern gefunden und nicht ganz verstanden hat, und Christian beantwortet diese gerne.

Ihr Auffassungsvermögen ist sehr gut und ihre Folgefragen sind durchaus originell und zeugen von einem ausgeprägten Sinn für sprachliche Mehrdeutigkeiten und Zwischentöne. Angelinas Attraktivität wächst in Christians Augen, und er versteht gar nicht mehr, warum er sie früher für unscheinbar hielt …

„Manchmal rot“ ist das komplexe Psychogramm zweier Charaktere, deren soziale, lebensweltliche Distanz extrem ist. Geschickt gibt die Autorin jedem Charakter einen eigenen Sprachausdruck: Angelinas Sprache ist eher umgangssprachlich, direkt und mit einfachem Vokabular. Ihr Denken und Fühlen kreist um zwischenmenschliche Belange, um Resonanz und Sympathie, um ihre sinnliche und synästhetische Wahrnehmung sowie um ihre Selbstentdeckung und ihre Hingabe an die Musik als Ausdruckskraft.

Christians Sprache ist anspruchsvoller, gebildet und durchsetzt mit Wirtschaftsenglisch. Sein Denken und Fühlen ist bestimmt von Ehrgeiz, Konkurrenz, Leistung, Mißtrauen, Status, berechnendem Taktieren und monetären Werten sowie von gelegentlichen Selbstzweifeln und Angst. Er ist mehr im Haben zu Hause und Angelina mehr im Sein.

Sowohl inhaltlich als auch sprachlich ist „Manchmal rot“ von außer gewöhnlicher Einfühlsamkeit und eröffnet dem Leser lebhaft-sinnlich fremde Perspektiven. Romanfiguren mit synästhetischer Wahrnehmung gibt es nicht oft. Da ich selbst Synästhetin bin, fand ich diese spezielle Thematik selbstverständlich besonders ansprechend und gelungen.

Wer aufgrund der Überbrückung der großen sozialen Distanz zwischen Angelina und Christian ein romantisches Ende à la „Pretty Woman“ erwartet, wird mit dem offenen Ende der Geschichte hadern. Wer jedoch gerne miterlesen möchte, wie sich eine junge Frau aus einfachen Verhältnissen beherzt emanzipiert, zu Selbstbewußtsein kommt und sich durch ihre Klangfarbensynästhesie einen neuen musikalischen Horizont erschließt, der findet in  „Manchmal rot“ eine ebenso berührende wie seltenheitswerte Charakterstudie mit wohldosierten Prisen trefflicher Gesellschaftskritik.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.aufbau-verlag.de/index.php/manchmal-rot-3982.html

 

Querverweis:

Bereits Eva Baronskys erster Roman „Herr Mozart wacht auf“ spielte virtuos und amüsant mit der außergewöhnlichen Perspektive eines zeitgereisten Mozarts, der unversehens in der heutigen Gegenwart erwacht.
Hier entlang zu meiner Rezension von „Herr Mozart wacht auf“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/14/herr-mozart-wacht-auf/

Die Autorin:

»Eva Baronsky, 1968 geboren, lebt im Taunus. Für ihren überraschenden und sehr erfolgreichen Debütroman „Herr Mozart wacht auf“ (2009) erhielt sie den Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises der Stadt Bad Homburg v. d. Höhe. Nach „Magnolienschlaf“ (2011) erschien 2015 ihr dritter Roman „Manchmal rot“

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51 Kommentare zu “Manchmal rot

  1. Liebe Ulrike,

    ich muss gestehen, ich hätte hinter dem Titel „Manchmal rot“ keine Geschichte wie diese vermutet. Der Blick von der Nachher-Angelina auf die Vorher-Angelina ist tatsächlich sehr interessant und eine ähnliche Verwandlung eines Protagonisten habe ich bei Andreas Steinhöfels Jugendbuch „Anders“ festgestellt, auch wenn die Story an sich eine ganz andere ist.

    Liebe Grüße
    Steffi

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    • Liebe Steffi,
      der Titelwortlaut dieses Romans ist wirklich nicht sehr aussagekräftig, da kann ich Dir nur zustimmen.
      Danke für den anregenden Hinweis auf Andreas Steinhöfels „Anders“, den ich noch nicht gelesen habe.
      Ich wünche Dir ein sommersonniges Wochenende! 🙂

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  2. Liebe Ulrike,
    was für ein interessanter Gedanke und manchmal so wünschenswert…. nicht völliges Vergessen, aber die Möglichkeit des emotionalen Abstandes, um so besser seine Wünsche, Fähigkeiten etc. zu spüren. Wie wären unsere Entscheidungen ohne Vorgeschichte? Sehr interessant!
    Herzlich. Priska

    Gefällt 1 Person

  3. Ich muß mich also unbedingt an diese mir bis jetzt unbekannte Schriftstellerin wagen 🙂 und auch an ihren Debütroman!
    Klingt nach einigem Überlegen, ob er nicht vielleicht ein bissel zu seicht sein könnte, nun doch so, als ob er mir liegen und gefallen könnte.
    Auf, auf zum fröhlichen Finden!

    Lächelnde liebe Grüße von Bruni

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Bruni,
      die Romane von Eva Baronsky sind keinesweg seicht. In „Herr Mozart wacht auf“ greift sie einfühlsamst den Sprachstil Mozarts auf, wie man ihn aus seinen zahlreichen Briefen kennt.
      Und in „Manchmal rot“ entfaltet ihr Sprache große psychologische Raffinesse durch den differenziert-charakteristischen Sprachstil der beiden Hauptfiguren.
      Und die Darstellung der extremen Spreizung der Schere zwischen Arm und Reich ist ihr anschaulich und realistisch gelungen:
      Sie kann sich kaum ein heruntergesetztes Wollknäuel für vier Euro leisten, und er kämpft mit der existenziellen Not sein gutes, sechstelliges Geld vor bösen Steuern zu beschützen. 😉
      Beide Romane lege ich Dir gerne ans Leseherz! 🙂

      Gefällt 2 Personen

    • Liebe Heidrun,
      es erfreut ebenso mein Herz wie meinen Geist, daß Du meine Art des Bücherweitersagens so ausdrücklich wertschätzt. DANKE für Deine beflügelnde Resonanz!
      Herzensgruß von mir zu Dir ❤

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  4. Ralf Isau hat auch mal einen feinen Roman geschrieben mit einer synästhetischen Heldin, auf den Spuren von Franz Liszt, und selbst Pianistin, ein ziemlich verrückter Kriminalroman, durchaus auf den Spuren von Bulgakows Meisterwerk der Meister und Margarita!
    Manchmal rot kommt auch interessant daher 🙄
    Dankeschön für’s Erzählen und Präsentieren, liebe Ulrike!
    Herzliche Grüße zur Nacht vom Lu

    PS: Isaus Roman, den ich hier meine, heißt die Dunklen.

    Gefällt 4 Personen

  5. Wenn es um Musik geht, sehe ich ja auch manchmal rot. Vielleicht bin ich eine Art Temporär-Anästhesist. Oder gar ein à la carte Synästhesist. Das wäre doch kuhl?
    Die „synästhetischen Romanfiguren“ sind ja, verglichen mit der offiziell realen Welt, doch krass untervertreten. Wenn also diese „Sonderausstattung der Sinneswahrnehmungen“ in einem Roman handlungssinnvoll auftaucht, ist das schon bemerkenswert. 🙂
    Noch einen Tick interessanter finde ich hier allerdings die Amnesie und ihre Folgen. In der offiziell realen Welt würde man sowas ja zunächst für eine Katastrophe halten. Wer, bitteschön, sind wir denn ohne unsere gehegte und gepflegte Identität? Und doch stellt sich mir bei diesem Roman die Frage, ob wir nicht letztlich oft eine Art Identitäts-Messies sind? Vielleicht sitzen wir ja auf einem Müllberg andressierter und (fast wie Viren und Bakterien) en passant aufgelesener Vorstellungen dessen, wer wir seien – und vor allem auch, wer wir nicht zu sein glauben. Da sehe ich ein wunderbares Potenzial dieses Romans: Die Anregung, seine eigene Persönlichkeit (bzw. die Vorstellung davon) gründlich zu entmüllen. 🙂

    Gefällt 5 Personen

    • Werter Maestro,
      lieben Dank für Deinen wortverspielten Kommentar und Deine vertiefungswürdigen Fragen zu Charakter und Identität. Im Roman läßt sich das schlichte Vergessen der gewohnten Identifikationen und Persönlichkeitsvor- und Nachstellungen anschaulich durchspielen. In „Manchmal rot“ führt der Verlust der Erinnerung an die eigenen Schwächen zu ungeahnter Stärke und Entdeckerlust.
      Ob das Rezept auch bei intaktem biographischem Gedächtnis funktioniert, sei dahingestellt. Als Gedankenexperiment ist es jedenfalls eine gute Übung für mehr WEITE in Kopf und Herz. 🙂

      Gefällt 4 Personen

      • Eben, ich sehe den Roman als schöne Gelegenheit, sich mit diesem Gedanken der „Persönlichkeitsentmüllung“ einfach mal bekannt zu machen oder gar anzufreunden. Wie ich aus deiner Rezension herauszulesen meine, dürfte eine gehörige Portion Lesevergnüglichkeit dieses Vorhaben sogar sehr schmackhaft machen. In der Praxis dürfte das intakte biographische Gedächtnis gewisse Hindernisse aufbauen. Anderseits hat man dabei den Vorteil, dass nicht ein ganzer Kindergarten mit dem Bad ausgeschüttet wird und Persönlichkeitsfacetten verloren gehen, die einem lieb und teuer sind. So gesehen würde ich der Variante ohne Amnesieautomatik den Vorzug geben. 🙂

        Gefällt 2 Personen

      • Dieser Roman bietet ein vielseitiges Lesevergnügen, denn neben der klangfarbsynästhetischen Spezialitäten sind dramaturgisch auch die sozialkontrastreichen Milieuschilderungen sehr gelungen.
        Ich persönlich möchte nicht gerne mein biographisches Gedächtnis verlieren. Mir reicht die entspannte Selbstvergessenheit im konZENtrierten Tun und Sein vollkommen. :mrgreen:

        Gefällt 3 Personen

      • Mein biographisches Gedächtnis würde ich ganz gerne neu konfigurieren [allerdings mit einer Sicherheitskopie in der Hinterhand]. 😉
        Aber entspannte Selbstvergessenheit als „à la carte Amnesie“ klingt ja auch nicht schlecht. 🌟😌🌟

        Gefällt 1 Person

  6. Liebe Ulrike, Angelina „reloaded“ klingt nach einem wunderbaren Buch, um es auf der Couch liegend zu lesen. Die Idee, Synästhesie in einer Romanfigur darzustellen, finde ich genial. Nur ein offenes Ende mag ich so gar nicht, dann gibt es eben in meinem Kopf das Happy End;-) farbenfühlendwünschende Grüße von mir zu Dir

    Gefällt 4 Personen

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