Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman

  • Roman
  • von Laurence Sterne
  • Übersetzung: Michael Walter
  • HÖRSPIEL
  • 9 CDs
  • Gesamtlaufzeit: 7 Stunden 36 Minuten
  • erschienen beim Hörverlag, November 2015     http://www.hoerverlag.de
  • 39,99 € (D), 39,99 € (A), 55,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-1943-3
  • Hörspielbearbeitung und Regie: Karl Bruckmaier
  • Die Rollen und ihre Sprecher:
    Tristram Shandy: Stefan Merki       Vater: Peter Fricke      Mutter: Anna Drexler
    Onkel Toby: Hans Kremer               Doktor Slop, Buchhändler: Helmut Stange
    Korporal Trim: Michele Cuciuffo    Slawkenbergius: Wolfgang Hinze
    Obadiah: Johannes Herrschmann     Witwe Wadman: Helga Fellerer    u.v.a.
  • Musik: Robert Forster, Robert Coyne, Chris Cutler
  • Produktion: Bayerischer Rundfunk/Hörspiel und Medienkunst 2015

    Leben und Ansichten von Tristram Shandy Gentleman von Laurence Sterne

    Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman von Laurence Sterne

EIN  FAMOSES  VERGNÜGEN

Hörspielbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Schriftstellerei – so sie denn recht betrieben – ist nur eine andere Bezeichnung für Konversation.“

Dieses Zitat von Laurence Sterne möge uns als Einstimmung einen buchstäblichen Vorgeschmack auf sein köstlich-kluges, unkonventionelles Meisterwerk „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“ geben.

Eine neunbändige Lebenserzählung, die dermaßen assoziativ im Zickzack herumhüpft, ist nicht leicht zusammenzufassen. Deshalb lasse ich das auch ganz einfach; gleichwohl werde ich Sie ein wenig in Laurence Sternes Tinte tunken, damit Sie nicht gänzlich ahnungslos bleiben.

Der Held und Ich-Erzähler Tristram Shandy lebt und schreibt im 18. Jahrhundert und unternimmt den ziemlich vergeblichen Versuch, uns seinen Lebenslauf zu erzählen. Zwar beginnt er recht folgerichtig und – in Anbetracht der Epoche (der erste Band erblickte im Jahre 1759 das Licht der Öffentlichkeit) – unbefangen ausführlich mit der Schilderung seiner Zeugung. Doch im Anschluß daran folgen umfängliche Exkurse in die shandysche Familiengeschichte und diverse ehevertragliche Segnungen, Abschweifungen zu Ballistik, Medizin, Philosophie, Theologie, dem Nutzen von Hilfsverben, zur Züchtigkeit und Unzüchtigkeit von Knopf- und Schlüssellöchern, quietschenden Türen, Abzweigungen zur herausragend-eindeutigen Zweideutigkeit von Nasen und zum nicht zu unterschätzenden, schicksalhaft-charakterformenden Einfluß, den Namen unweigerlich auf die Lebensgestaltung haben.

Ergänzt wird dieses Panoptikum um liebevoll-lebhafte Charakterstudien von Mutter und Vater sowie Onkel Toby und seinem Korporal Trim, nebst dazugehörigen Anekdoten und Gedankensprüngen. Auch die Beziehungsdynamik zwischen Herr und Diener und allerlei ehetrauliche Petitessen und Regelmäßigkeiten werden mit ausschweifender Eloquenz ausgewalzt, bis man den ursprünglichen Erzählfaden längst aus den Augen verloren hat.

Das ist aber nicht weiter schlimm, sondern tatsächlich durchaus unterhaltsam und sehr ereignisreich, insbesondere weil der Autor häufig metafiktiv ins Geschehen eingreift und beispielsweise eine Figur lauschend an der Tür stehen läßt, um uns wieder irgendeine Vorgeschichte oder einen Zusammenhang zu erklären, und erst viel später wieder zur Ausgangsszene zurückkehrt, um sich in direkter Ansprache an den Leser dafür zu entschuldigen, daß es etwas länger gedauert habe.

Ja, er scheut sich auch nicht, ganze Kapitel einfach mit ein, zwei Sätzen abzuhandeln oder sie gar ganz herauszureißen, was sich im Hörspiel selbstverständlich akustisch schön – Ritsche-Ratsche – inszenieren läßt. So erfährt man lediglich indirekt von einem Kapitel über Hebammen, Knebelbärte, Kammerjungfern, Pfuis und gar einem Kapitel über Kapitel.

En passant beklagt sich der Autor lebhaft darüber, daß sein noch so eifrig-eilendes Schreibbemühen seinen Lebenslauf einfach nicht einholen kann, wofür er seine Leser und Rezensenten ausrücklich um Geduld und Nachsicht bittet. So weit, so kurios.

Der Vater, Walter Shandy, ist ein wohlhabender Gutsbesitzer und Kaufmann, lebens- und reiseerfahren, naturwissenschaftlich und philosophisch durchaus gelehrt und sehr belesen in antiken Klassikern, aber auch auf Lesedu mit Cervantes, Montaigne, Swift, Rabelais usw. In praktischen Dingen ist er allerdings alltagsuntauglich und schafft es nicht einmal, ein jämmerlich quietschendes Türscharnier ölen zu lassen, ganz zu schweigen von seinem erziehungstheoretischen Meisterwerk, seiner Tristra-Paedia, die er so langsam verfaßt, daß sie gar nicht ernsthaft zur Anwendung kommen kann.

Onkel Toby ist ein zartfühlender, gutmütiger, geradezu unschuldslammhafter Hauptmann, der bei der Belagerung von Namur eine „Blessur an der Schamleiste empfing“ und nach langer Genesungszeit und ausgiebigen theoretischen Ballistik- und Festungsbaustudien seinen militärischen Eifer nun bei nachgestellten Modellbau-belagerungen im Garten auf einem Boselplatz – auf einem Steckenpferd reitend – austobt, zusammen mit seinem ehemaligen Burschen Korporal Trim, der inzwischen sein aktueller Kammerdiener, Modellbaumeister, Materialbeschaffer und Spielgefährte beim Steckenpferdreiten auf dem Boselplatz ist.

Als Onkel Toby, der nicht den blassesten Schimmer hat, wo „das richtige oder falsche Ende einer Frau“ sei, sich in die benachbarte Witwe Wadman verliebt hat und um sie wirbt, ist seine Blessur an der Schamleiste Anlaß für unaussprechliche, weibliche Spekulationen und Neubegierden bezüglich gewisser ungehöriger Einzelheiten der familienplanerischen Art …

Vorgeschichten von Vorgeschichten, umständliche Umstände, innere Befindlichkeiten und äußere Gegebenheiten, kuriose Zufälle und dramatische Mißgeschicke, emotionale und ideelle Über- und Unterempfindlichkeiten, Mißverständnisse und Verlegenheiten, Hinderlichkeiten, verfluchenswerte Verknotungen, Weis- und Albernheiten, assoziative Überleitungen, literarische Anspielungen sowie vielfache Zweideutigkeiten, führen uns auf neue Erzählwege und vor allem Nebenwege – nur eine chronologische, gerade Linie liefert uns Laurence Sternes Textgespinst nicht. Doch gerade diese Unberechenbarkeit ist reizvoll und spannend, man errät nie, was als nächstes geschieht.

Laurence Sterne überschreitet gekonnt, galant-pikant und heiter-freizügig die üblichen Grenzen geschriebener Prosa. Das umfängliche Begleitheft zum Hörbuch liefert interessante Zusatzinformationen zu Sternes Schreibstil. So bleibt etwa eine Seite gänzlich weiß und unbedruckt, damit der Leser nach eigener Imagination einen Charakter zeichnen möge, oder eine Seite wird – als Zeichen unaussprechlicher Trauer – gänzlich schwarz gefärbt.

Neben Hufgetrappel, Kutschfahrtenlärm, Peitschenknallen, Bettfedern- und Türenquietschen, Stöhnern und Seufzern und Uhrenticken sowie Pfiffen und Zwischenfragen kann die Hörspielbearbeitung mit wohlintegrierten, plaudertonigen Fachkommentaren (u.a. vom Übersetzer Michael Walter selbst) und sozialhistorischen Erklärungen aufwarten, die dem Verständnis des modernen Lesers/Hörers dienlich sind. Fünf eigens für dieses Hörspiel zubereitete popmusikalische Lieder als moderne Zugaben fügen sich ebenfalls erstaunlich harmonisch und stimmungsillustrierend in den Verlauf des diskontinuierlichen Geschehens ein.

Aus dem Stegreif könnte ich keinen Roman benennen, in dem die Figuren beredter aneinander vorbeireden als in „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“. Dieses schelmische Stilmittel bietet sich selbstver-ständlich in besonderer Weise für eine Hörspielfassung an, da es sich mit der entsprechenden Schauspielkunst wunderbar verstimmlichen läßt.

Alle Sprecher dieser Hörspielinszenierung artikulieren ganz hervorragend: Einfühlsam, fein akzentuiert und hörbar spielfreudig kommen ihnen  altertümliche Wortwendungen und all die sprachlichen Umgangsförmlich-keiten des Erzens, Siezens und Ihrzens so leicht von den Lippen, als hätten sie ihrer Lebtag niemalen anders gesprochen.

Mich hat dieses Hörspiel fürwahr derart auf den Geschmack gebracht, daß ich nach der famos vergnüglichen Auditüre gerne durch augenscheinliche Lektüre vertiefend in die Materie dieses unkonventionellen Klassikers einzutauchen wagen möchte.

Zum Ausklang noch ein Zitat aus der Feder Laurence Sternes, das – so will ich meinen – eine sehr treffliche Selbstreflexion seiner Schreibkunst ist und ein Paradebeispiel für Laurence Sternes geistreichen Humor, seinen formvollendeten Satzbau und sein augenzwinkernd-selbstironisches Verhältnis zum Lesepublikum:

„Schriftstellerei – so sie denn recht betrieben – ist nur eine andere Bezeichnung für Konversation. Wie keiner, der den Benimm in guter Gesellschaft kennt, sich erdreisten würde, alles auszuplaudern, so würde kein Autor, der die geziemenden Grenzen des Dekorums mit der feinen Lebensart begreift, sich erkühnen, alles auszuplaudern.
Den aufrichtigsten Respekt zollt man dem Verstande des Lesers und Hörers, wenn man in dieser Hinsicht mit ihm freundschaftlich teilt und seiner Imagination so gut wie der eigenen etwas zu tun gibt. Ich für meinen Teil lasse ihn Höflichkeitsbezeigungen dieser Art immerzu angedeihen und tue alles, was in meinen Kräften steht, um seine Imagination ebenso beschäftigt zu erhalten wie die meinige.“

 

Eine pikante Hörprobe können Sie sich unter nachfolgendem Link ablauschen:
http://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Leben-und-Ansichten-von-Tristram-Shandy,-Gentleman/Laurence-Sterne/der-Hoerverlag/e485207.rhd

 

Buchausgabe:

Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman    Sterne_Tristram Shandy
von Laurence Sterne
Roman
Verlag Galiani Berlin
Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert von
Michael Walter
Mit einer Dokumentation zur Entstehung des Romans,
einem Nachwort und einer Bibliographie
von Wolfgang Hörner
848 Seiten, Klappenbroschur
24,99 € (D) 25,70 € (A)
ISBN 978-3-86971-119-5
Link:  http://www.galiani.de/buch/leben-und-ansichten-von-tristram-shandy-gentleman/978-3-86971-119-5/

Der Autor:

»Laurence Sterne, geboren 1713 in Irland, studierte als Urenkel eines englischen Erzbischofs in Cambridge Theologie. Als Landgeistlicher war er für eine Pfarrei in der Nähe von York verantwortlich und veröffentlichte einige dünne Bändchen mit Predigten. 1741 heiratete er die vermögende Elizabeth Lumley, der er zuvor leidenschaftliche Liebesbriefe geschrieben hatte. Schlagartig berühmt wurde Sterne 1759 mit seinem Werk „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“: Schon die ersten beiden Bände sorgten für einen schrillen Skandal unter der Landbevölkerung, gleichzeitig öffneten sie dem Pastor die Türen zu angesehenen Londoner Salons. In den insgesamt neun erschienenen Bänden zeichnete sich Sterne als sentimentaler Satiriker aus, prangerte den Puritanismus der anglikanischen Kirche an und mokierte sich über Missstände der Zeit. Ähnlich wie Rabelais und Cervantes brach Sterne als Autor mit überkommenen Techniken des Schreibens und sicherte sich so einen Platz unter den wichtigsten Werken der Weltliteratur. „Tristram Shandy“ blieb unvollendet. Ein anschließendes Schreibprojekt mit dem Titel „Eine empfindsame Reise durch Frankreich und Italien“ basierte auf seinen ausgedehnten Europa-Reisen, allerdings starb Laurence Sterne nur drei Monate nach Erscheinen der ersten beiden Bände im März 1768 in London.«

Der Übersetzer:

»Michael Walter, geboren 1951 in Wiesbaden, studierte in Mannheim und Freiburg Anglistik und Philosophie. 1988 lehrte er an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität Literarisches Übersetzen. Neben einigen Werken von Laurence Sterne übersetzte Walter auch Romane und Kurzgeschichten anderer englischsprachiger Autoren und Autorinnen ins Deutsche, u.a. von Jeffrey Archer, James Graham Ballard, Julian Barnes, Richard Hughes, John Irving, Rudyard Kipling, Howard P. Lovecraft, Ian McEwan, Herman Melville, Eugene O’Neill, George Orwell, Robert Louis Stevenson und Virginia Woolf.«

Querverweis:

Eine sehr schöne, fundierte und lesenswerte Rezension der Buchausgabe finden Sie unter diesem Link: http://www.vigilie.de/2006/das-witzigste-buch-der-welt/

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72 Kommentare zu “Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman

    • Das Hörbuch ist fürwahr unerhört gut!
      Eine Blessur wirst Du dabei wohl kaum empfangen und selbst Onkel Tobys Blessur heilt im Roman schließlich gänzlich aus; was die Damen indes nicht daran hindert, pikante Spekulationen bezüglich der präzisen Stelle der Verwundung bzw. Vernarbung anzustellen.
      Unverschämte Grüße 😉

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  1. Fein hast du uns neun CDS nahegelegt, die sich mit einem der seltsam witzigsten Bücher aller Zeiten beschäftigen…

    Hätte ich nicht schon mehr als genug CDS bereits in meiner Hör-Pipeline, dann würde ich mich sofort darauf stürzen, aber so…

    Liebe Winterregengrüße vom Lu Finbar

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  2. Mich packt das Grausen! Und zwar bei der Vorstellung, dass du tatsächlich deinem Impuls folgen und dich in das Labyrinth dieses neunbändigen Schriftwerks hineinbegeben könntest, was die Gefahr in sich bergen würde, dass wir, deine getreuen Leser, über Monate, vielleicht Jahre – ich wage nicht zu denken: für immer – wieder selbst unsere Bücher lesen müssten.
    Ich werfe die hier mal den Ariadnefaden zu —————————– (verkürzte Version), möge er das Schlimmste verhindern!
    Sorgenvolle Grüße,

    Michael

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    • Werter, getreuer Michael,
      mein Lesetempo ist recht geschwind, so daß ich wohl selbst bei einem umfänglicheren Buche, meine sekudärliterarischen Tugenden nicht vernachlässigen werde.
      Gleichwohl danke ich erfreut für den roten Faden, den ich mir als Lesezeichen mit ins Bücherlabyrinth nehmen werde.
      Ungekürzte Grüße 🙂
      Ulrike

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  3. Ganz wundervoller Beitrag, liebe Ulrike!
    Ich habe vor einigen Wochen schon eine Besprechung mit Hörbeispielen im Radio gehört und war da bereits sehr angetan. Ich denke, es wird im März gehört werden.

    Herzlichst, Mina

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  4. Ein Ire im Exil London lebend….das muss ja entweder trauriges oder lustiges hervorbringen . Du hast mich Anti-Hoerbuchler (ausser wenn Maximilian Schnell spricht) sehr sehr neugierig gemacht. Lese ich das Wort Metaebene bin ich sofort dabei 😉 irische Gruesse, liebe Ulrike, Ann

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    • Liebe Ann,
      Laurence Sterne ist lustig, insbesondere ist er jedoch äußerst freidenkerisch und mit großer sprachspielerischer Lust serviert er eine vielschichtige und metafiktive Kombination aus charmanter Courtoisie, Corpus Delikati und herzhaft-weiser Zwischenmenschlichkeit, die den modernen Leser angenehmst überrascht.
      Wohlaffektionierte Grüße von Ulrike

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      • Klingt wie ein perfekter Partner fuer dich , liebste Ulrike…..du machst immer so viel Spass aufs Lesen und diesmal auch hoeren;-) Irische Gruesse, Ann

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  5. Time to say goodbye…
    Manchmal tut es gut, sich von alten Gewohnheiten zu verabschieden. Zumindest temporär. Bezüglich meiner Vorbehalte gegenüber gekürzten Hörbüchern habe ich mich auf dieser Saite ja bereits sattgejammert. 🙂 Ein Hörspiel ist aber doch etwas ganz anderes als eine willkürlich verzwergte Romanfassung. Vor allem mit der Aussicht, dass man nach der famos vergnüglichen Auditüre gerne durch augenscheinliche Lektüre vertiefend in die Materie dieses unkonventionellen Klassikers einzutauchen wagen möchte. [Diese Formulierung habe ich mir nicht selber ausgedacht – sie ist im O-Ton nachzulesen unter leselebenszeichen.wordpress.com]
    Und damit…time to say guts Nächtle. 🙂

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  6. Vielen Dank für den Tipp und die schöne Besprechung! Da werde ich mir das Hörbuch dann wohl auf die von Herrn Kienbaum vorgeschlagene Weise zulegen. Ich habe das Buch damals im Studium im englischen Original gelesen und mich sehr amüsiert. Die Übersetzung von Michael Walter scheint mir aber auch gelungen. Nun bin ich auf die Auditüre gespannt! 😉

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  7. Du hast es wieder geschafft mich mit deiner sehr launigen Erzählweise durch die ganze Rezi hindurch zu vergnügen. Dafür erstmal meinen besonderen Dank. Ich selbst habe auch mit meiner Zeugung begonnen die Geschichte meines Lebens zu schreiben und stehe tatsächlich vor ähnlichen Problemen, da meine Familie bereits 1279 auf den Plan der Zeitgeschichte getreten ist und diese Ereignisse zum Teil auch noch heute von Bedeutung sind, sogar für die geschichtsinteressierte Menschheit. So wird es dieses Buch vermutlich nie geben, weil es unschreibbar ist, zumindest für mich 😉

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    • Es ehrt mich sehr, wenn ich Euer Gnaden vergnüglichen Leseverweil bereiten konnte. 😉

      Zum Thema Lebenszeit versus Schreibzeit äußert sich Sterne mehrfach und er klagt, „da ich ergo bei diesem Tempo 364mal geschwinder leben als schreiben würde, muß daraus folgen, daß ich je mehr ich schreibe, desto mehr zu schreiben haben werde.“

      Angesichts Deiner weitläufigen Ahnengalerie ein schier unendliches Werk, lieber Arno.
      Ich sah einst eine interessante Filmreihe „Sachsen Glanz und Preußens Gloria“. Dort war ein Rittmeister Olaf von Rosen der beinahe einzig verbliebene Verbündete der Gräfin Cosel, nachdem sie bei August II. (der Starke) in Ungnade gefallen war.
      Bist Du also mit diesem Rittmeister von Rosen blaublutsverwandt?

      Untertänigste Grüße 😉

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      • Danke für die Auskunft, lieber Arno.
        Das Grausen im Nacken könnte familiendynastisch-systemisch vielleicht mit Opfern der Französischen Revolution zu tun haben – mal so therapeutisch betrachtet.

        Die Anrede „Euer Gnaden“ kommt im Tristram Shandy einfach öfter vor, und ich bin nach dem ausschweifenden Hörgenusse ein wenig in der Zeit verrutscht … 😉

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      • Dessen bin ich mir bewußt, und ich lasse mich nicht von Rang und Namen beeindrucken, sondern vom Adel des Herzens.

        Gleichwohl habe ich eine Neigung zu altmodischen Umgangsförmlichkeiten und finde es beispielsweise unwiderstehlich, wenn ein Mann einen formvollendetetn HANDKUSS beherrscht und auch ungeniert anwendet.

        Du kannst mich übrigens auch gerne ganz literadelig mit „Euer Belesenheit“ ansprechen … 😉

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      • Dann seid gewiss, Eure Belesenheit, gleichwohl mir ein bläulicher Zwang tief in den Gliedern zu stecken scheint, weiß ich dennoch einer Dame den Hof zu machen ohne Ungemach über diese zu bringen. Ich sende Euch einen lieblichen Gruß zur Nacht, auf das Euch die Sonne wach küssen möge, Euer ergebenster Diener, AvR 🙂

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      • Ergebensten Dank für die verehrten Gutenachtgrüße, die mich alsbald lächelnd in den Schlummer geleiten werden.
        In heiterer Zuneigung 🙂
        Ulrike,
        (die mit den Namen Gräfin Silberhaar im Freundeskreis bespitznamt ist.)

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  8. Durch Deine unnachahmliche Art der Darstellung hast Du mich jetzt neugierig gemacht, liebe Ulrike, auf ein Werk, in den die Figuren beredt aneinander vorbeireden und auf den Lebenslauf des Gentleman Tristram Shandy, den ich wohl inmitten all der beredt aneinanderredenen Figuren sicherlich finden könnte, wenn ich nur ganz genau hinhöre *g*.

    Aber vielleicht sollte ich mir doch lieber das Buch besorgen, sonst fehlt mir vielleicht zwischen all denen das Rascheln meiner geliebten Buchseiten 🙂

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    • Ich bin entzückt, liebe Bruni,
      daß Dich sowohl Tristram Shandy als auch meine sekundärliterarischen Tugenden ansprechen.
      Die Hörspielversion wird von vielerlei „Lebensgeräuschen“ begleitet, ein Portiönchen Bücherseitenrascheln ist tatsächlich auch dabei … 🙂

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      • Nach so vielen Lesejahren, in denen ich nur ca. zwei – drei Bücher geschafft habe *g*, gibt es halt immer noch irgendwelche, die mir durch die Lappen gegangen sind. Aber ich eile und eile, verweile selten und schleiche mich weiter 🙂 und weiter, lieber Finbar…

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      • *lach*, ja, das wäre es wirklich. Vielleicht habe ich da einige *vergessen*, in echt könnten es mindestens zwölf Bücher/Jahr sein. Ich zähle sie eigentlich selten 🙂

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      • Ich lese ungefähr 50 Bücher jährlich –
        ohne die Bilderbücher. Hörbücher höre ich je nach Umfang 5 bis 10 pro Jahr, wobei ich Hörbücher immer wenigstens dreimal höre.
        Ich lese schon viel und suchtartig, da hast Du Recht, lieber Lu.
        Doch ich schreibe ja auch über meine Lektüre, denn sonst hättet ihr auf meiner Wortgewebesaite nix zu lesen.
        *lächelnd-buchstabenTASTend*

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      • Ich würde auch gerne viel und suchtartig lesen, liebe Ulrike *lächel* das klingt nämlich ganz zauberhaft!

        50 pro Jahr sind eine Menge!
        Doch angenommen, du wirst 100 Jahre alt, dann wären das gerade mal verschwindend wenig 5000 Bücher von Millionen von Millionen von interessanten Büchern weltweit…

        Bonjour! Have a pleasant Day, Lu

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      • Ach, ach und ach, die unermeßliche Fülle des Lesbaren, da reicht ein Leben einfach nicht. Und MUSIK will ich ja auch noch hören …
        Was mich diesbezüglich entspannt, ist das Vertrauen, daß die Bücher MICH finden!
        Herzensgruß von mir zu Dir
        Ulrike

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      • Das muss ein schönes Gefühl sein…

        Aber meines ist auch schön:
        Ich suche sie mir immer selbst aus 🙂

        Nur selten ist eines störrisch wie ein Esel und will nicht mit!

        Na dann eben nicht!
        Ich zwinge kein Buch zu meinem, unserem gemeinsamen Leseglück!!

        Herzliche Morgengrüße von mir zu dir, Lu

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      • vielleicht lese ich auch mehr als 12/Jahr, aber ich schätze jetzt grob, daß es nicht mehr als 20 sein werden. Bilderbücher zähle ich auch nicht dazu.
        Eines habe ich jetzt von einer der Töchter bekommen. Das hat mich über die Maßen gefreut
        http://www.jacobystuart.de/buecher-von-jacoby-stuart/kinderbuch/bilderbuch/lisbeth-die-kleine-hexe/ schon das Cover war sooo nach meinem Gusto 🙂
        Hörbücher höre ich sehr selten.

        50 Bücher sind eine Masse, liebe Ulrike. Das würde ich nie schaffen…
        Ich habe den Verdacht, Du verschlingst die Bücher mitsamt dem Einband und verdaust sie so nach und nach 🙂

        Schmunzelgrüße von mir an Dich
        (Was meinst Du, liebe Ulrike, wieviele wird Finbar wohl lesen?)

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      • Das sind wohl so 33 pro Jahr, liebe Bruni,

        also liege ich da zwischen dir und Ulrike *g* was die Quantität des Buchlesens angeht…

        Über die Qualität der Bücher und die Dicke der Bücher reden wir jetzt mal nicht 🙂

        Zum Beispiel werde ich wohl für den neusten Franzen gefühlte Jahre benötigen, während ich einen älteren Zafon in wenigen Tagen durch hatte…

        Lust und Unlust spielen beim Lesen halt auch eine große Rolle!

        Liebe Morgengrüße vom Lu Finbar

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      • Liebe Bruni,
        danke für den Link zu dem interessanten Kinderbuch aus dem Jacoby&Stuart Verlag, der mir leider bisher noch kein Rezensionsexemplar gegönnt hat. 😉

        Bei der Lektüre zählt die Qualität des Werkes und des persönlichen Lesegewinnes wesentlich mehr als die Quantität, und ich bin auch eine Freundin von Relektüren bestimmter Lieblingsbücher…

        Mein Lesetempo ist wohl schon ziemlich flott, und eine meiner besten Freundinnen sagt auch immer, so eine Lektüre wäre doch nur ein Happs für mich.

        Vielleicht bin ich ja mit den BUCHLINGEN wahlverwandt. BUCHLINGE sind die schöngeistigen, kultivierten, kleinen Zyklopen, die in Walter Moers ZAMONIENWELT in der Unterwelt der Stadt BUCHHAIM leben. Sie ernähren sich durch Lesen, also nicht durch das materielle Verspeisen von Büchern, sondern durch die Lektüre.
        Manche bekommen sogar Übergewicht vom Lesen und sie müssen dann Diätlesen.
        Die BUCHLINGE wissen auch alles über den Nährwert und Sättigungsgrad von Büchern.
        Sie suchen sich einen Lieblingsautor aus und lernen sein Werk auswendig, wobei die charakteristischen Eigenschaften des Dichters auch etwas auf sie abfärben…

        Ich schätze mal, daß Finbar bücherzahlenmäßig zwischen uns beiden liegt.

        Bibliophile Grüße 🙂

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      • So ist´s, lieber Finbar, Lust und Unlust und sie hängen auch mit dem Stoff zusammen, aus dem unserer Träume gemacht sind *g*

        Ich hab die Bücher noch nie gezählt, die ich lese. Es sind reine Schätzungen hier von mir.
        Es gab Zeiten, da habe ich sie verschlungen, total lesehungrig, aber die weiß, daß ich damals auch weniger auf Güte achtete, sondern mehr nach dem Bauch und der Buch sagt in sehr jungen Jahren anderes wie jetzt *lächel*

        Liebe Morgengrüße von mir

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      • Da ging es mir im Grunde nicht anders als dir, bis auf dass ich schon sehr früh ganz genau hinguckte, dass alle Bücher, die ich las, ein gewisses hohes intellektuelles Nivo hatten!

        Und so kam es, dass ich schon mit 12 Poe und Stendhal im Original las, ebenso wie die Eléments von Bourbaki und die Krankheit zum Tode von Kierkegaard…

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      • Von Poe kannte ich viele Jahre nicht viel und vieles hole ich seit einigen Jahren nach wie du weißt (nicht nur, was den wundervollen Poe betrifft) … *lächel*

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      • Liebe Bruni,
        die BUCHLINGE spielen erst im 5.ZAMONIEN-Band in „Die Stadt der träumenden Bücher“ eine tragende Rolle. Nachfolgend der Link zur Zamonien-Webseite, da kannst Du die kleinen Wesen auch besichtigen: http://www.zamonien.de/roman_stadt-der-traeumenden-buecher.php

        Ich habe die ersten drei Zamonien- Bände besprochen…
        Die ZAMONIEN-Reihe beginnt mit „Die 13 1/2 Leben des Käpt´n Blaubär“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/12/25/die-13½-leben-des-kaptn-blaubar/

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      • ach, vom Käpten Blaubär gibt es eine ganze Reihe…? Ich dachte immer, es sei ein einziges dickes Buch. Ich weiß, daß es eines der Lieblingsbücher der älteren Tochter war – habe selbst aber nie reingesehen…
        Scheint mal wieder ein Versäumnis zu sein

        Liebe Grüßle am Schneemorgen von Bruni

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  9. Hochwohlgeborene Frau Ulrike,
    welch köstlichen Ohrenschmaus haben Sie hier auf höchst appetitanregende, vergnügliche Art und Weise für uns, die geneigten Leserinnen aufgetan! Mir deucht, ich sollte auf der Stelle und ohne zu säumen meinen Drahtesel satteln und hinübereilen zur Marketenderin am Orte und nicht rasten und ruhen bis ich dieses famose Werk in den Händen halten und es in seiner überbordenden und gar herrlichen Fülle genießen darf.
    Mit geneigten und leicht pressierten Grüßen, Ihre entzückte Frau Astrid.

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    • Werte Dame Astrid,
      habt DANK für die überschwenglichen Komplimente und dero geneigte Aufgeschlossenheit für dieses wahrlich lese-lausch-lohnende Meisterwerk, in welchem sich kultivierter Stil und sprachspielerische Lust vorzüglich paaren und amüsante Kurzweil zeugen …
      Mit verbindlicher Empfehlung,
      Euer Belesenheit
      Ulrike
      Gräfin Silberhaar

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      • Verehrte Gräfin,
        das haben Euer Gnaden wieder mal herzerquickend in überaus passende Wortgebilde gefasst, die auch, es sei hier nicht verschwiegen, einer gewissen Frivolität nicht entbehren! In meiner Imagination erscheint es mir als Hörspiel, mit lustvollen Lauten untermalt… 🙂
        Habt Dank und gehabt Euch wohl,
        Eure geneigte Leserin.

        Gefällt 2 Personen

  10. Hallo Ulrike,
    es freut mich, dass auch Dir dieser »Tristram Shandy« so gut gefällt.
    Erlaube mir den folgenden Hinweis für Sparfüchse: Wer auf Cover, physische Datenträger, Verpackung etc verzichten kann, bekommt diese Hörfassung vollständig, völlig legal und ohne jeden Haken als Download im »Bayern 2 Hörspielpool«.
    Folgt einfach diesem Link!
    Die einzelnen neun Teile können einzeln aufgerufen und über einen rechten Mausklick (Speichern unter) heruntergeladen werden. Wie gesagt: Das ist ein völlig legales gebührenfinanziertes Angebot.
    lg_jochen

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    • Lieber Jochen,
      ich bin erschüttert!
      Hoffentlich liest dies nun nicht der Hörverlag und ich bekomme nie wieder ein physisches Rezensionsexemplar. 😉
      Was würde Tristram Shandy wohl dazu sagen?
      „Windbeutelige, moderne Zeiten mit fadenscheinigen Kulturgütern, wovon sollen denn itzt – mit Verlaub – die Buchhändler noch ihr bescheidenes Dasein fristen?“

      Gefällt 3 Personen

      • Nun ja, andererseits zahlen wir doch alle (hoffentlich?) Rundfunkgebühren. Und wenn die in so eine Produktion gesteckt werden, gehört die Produktion halt uns allen, ein wenig…
        Es lohnt immer wieder, in die Liste des Hörspielpools zu schauen. Nicht immer sind alle Produktionen dauerhaft online verfügbar.
        lg_jochen
        P.S.: Der Horverlag wird Dir sicher weiter schöne Hörbuch- und Hörspielproduktionen schicken. Wenn nicht, sage bescheid. Dann werde ich die kräftig ermahnen!

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      • Ich gehe zuversichtlich davon aus, daß solche Angebote auch mit dem Verlag abgesprochen worden sind.
        Wenn meine Rundfunkgebühren in solch feine Hörspielproduktionen fließen, dann habe ich sogar nichts gegen diese Zwangsabgabe, obwohl ich keinen Fernseher besitze.
        Mein Einvernehmen mit dem Hörverlag ist seit Beginn meines Blogs so positiv, daß Dein Wink mit dem kostenlosen Herunterlade-Link sich wohl nicht negativ auswirken wird. Gleichwohl danke ich für Dein ritterliches Angebot, für meine zukünftigen Rezensionexemplare zu kämpfen. 😉

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  11. Das ist wirklich eine sehr gelungene Hörspielfassung. Ich habe sie über die Feiertage im Deutschlandfunk gehört und war erst skeptisch wegen der sehr deutlichen Kürzung, nach dem ersten Teil aber schon vom Gegenteil überzeugt. Tolle Produktion!

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    • Danke für Deine harmonische Zustimmung, liebe Marion.
      Laurence Sternes spielerische Text-Experimentierfreude paßt gut in die heutigen multimedialen Inszenierungsmöglichkeiten.
      Gleichwohl werde ich mir auch noch die vollständige Lektüre zu Gemüte führen.

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    • Danke für die Wörterblumen, liebe Susanne.
      Ja, ich bin ein Sprachchamäleon …
      Nachdem ich hinlänglich viele Stunden auf Shandy-Hall und Umgebung zu weilen die Ehre hatte, komme ich nicht umhin, zuweilen auch meinen Satzbau und meine Wortwahl spielerisch dem besprochenen Werke anzuverwandeln. 😉

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