Ein Jahr in Kopenhagen

  • Reise in den Alltag
  • von Marlene Hofmann
  • Herder Verlag   1. Auflage 2015  http://www.herder.de
  • Flexcover
  • 192 Seiten
  • 12,99 €
  • ISBN: 978-3-451-06734-1
  • E-PUB   9,99 €
  • ISBN: 978-3-451-80401-4
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HURTIG  UND  HYGGELIG

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Ein Jahr in Kopenhagen“ bietet einen authentischen, kenntnisreichen und Neugier weckenden Blick über den deutschen Tellerrand ins dänische Nachbarland. In einer kurzweiligen Kombination aus allgemein-informativer Dokumentation und lebhaft-persönlicher Erfahrung macht uns Marlene Hofmann mit ihrem neuen Zuhause vertraut.

Die Liebe führt so manchen in die Ferne, und so ging es auch Marlene Hofmann, der Autorin von „Ein Jahr in Kopenhagen“. Zwar ist Kopenhagen nun nicht allzu weit von Deutschland entfernt, aber es ist doch eindeutig schon ein anderes Land mit all den Spezialitäten und Besonderheiten, die jedes Land, jede Nation und jede Sprache für sich beanspruchen darf und soll.

Marlene Hofmann lernt ihren Freund Niels während eines Auslandsemesters im dänischen Aarhus kennen und lieben. Nach dem erfolgreichen Abschluß ihres medienwissenschaftlichen Studiums bezieht sie mit Niels eine kleine Wohnung in Kopenhagen im Stadtviertel Nørrebro und lebt sich nach und nach, mal leicht, mal schwer, mal begeistert, mal kritisch hinterfragend in Land und Leute ein.

Wir haben Anteil an bürokratischen Finessen, der durchdigitalisierten dänischen Bürger-verwaltung und der äußerst fahrradfahrerfreundlichen Verkehrssituation in der dänischen Hauptstadt. Für die Einfuhr eines ausländischen PKWs ist mit einer Gebühr von ca. 60 Prozent des aktuellen Verkehrswertes des Autos (nach dänischem Marktwert!) zu rechnen – ein Kostenpunkt, welcher der Autorin den Umstieg aufs Fahrrad durchaus leicht macht, zumal es sogar – zweispurige!! – Fahrradwege gibt. Andererseits sind solche Fahrradwege wohl kaum zu vermeiden in einer Stadt, die mehr Fahrräder als Einwohner zählt.

Bemerkenswert ist auch die ausgeprägte Tauschkultur, die in Kopenhagen kultiviert wird, sowie die zahlreichen Gebrauchtwarenläden, die so günstig wie gemütlich sind und unter der trefflichen Bezeichnung „Wiederverwendung“ firmieren.

Neben der Herausforderung, nach einer Fernbeziehung nun eine alltägliche Nahbeziehung mit ihrem Freund zu leben und eine Arbeit in Kopenhagen zu finden, kommt sogleich der nächste ungeplante biographische Wendepunkt: Die Autorin erwartet ein Kind.

In diesem Zusammenhang erfahren wir staunend, wie kinderfreundlich Dänemark eingerichtet ist. So sind die Öffnungszeiten in den Kinderkrippen sehr großzügig, auf einen Erzieher kommen durchschnittlich nur vier Kinder, und oft gibt es dort auch schon Bio-Nahrung für die Kleinen.

Auch viele Arbeitsverträge scheinen in Dänemark wesentlich nachwuchszugewandter und zeitflexibler zu sein, so ist z.B. die Rede von Elternzeitphasen (wahlweise für Mütter oder Väter) bei vollem Lohnausgleich. Und der Höchstsatz des staatlichen Elterngeldes liegt bei 500 Euro wöchentlich!

Doch bis das Kind geboren wird, feiern wir mit der Autorin noch so manches fröhliche Familienfest und gewöhnen uns daran, daß die Nationalflagge als Dekorationsobjekt in Form von mehr oder weniger großen Fahnenstangen dabei keinesfalls fehlen darf. Nebenbei genießen wir – trotz mancher kulinarischer Überwindung – eine Einführung in die korrekte Smørrebrød-Belegung.

Historische Schlenker in die Stadtgeschichte Kopenhagens, Betrachtungen zu städtebaulichen und sozialen Entwicklungen im Staate Dänemark – übrigens mit über tausend Jahren die älteste Monarchie Europas – ergänzen sich mit vereinzelten dänischen Vokabelerkundungen und ihrer korrekten Aussprache. Kleine Szenen über den Kaffeekult der Dänen und ihre Vorliebe für lakritzbetontes Knabberzeug sowie über die zurückhaltend-distanzierte – manchmal gar einsilbige – und dann auch wieder ganz herzlich-zugewandte und pragmatisch-hilfsbereite dänische Mentalität runden „Ein Jahr in Kopenhagen“ amüsant-menschelnd ab.

 

Hier geht es zur Verlagswebseite und zur Leseprobe:
https://www.herder.de/leben-shop/ein-jahr-in-kopenhagen-taschenbuch/c-28/p-1128/

Die Autorin:

»Marlene Hofmann studierte in Hamburg Journalistik und Kommunikationswissenschaft, Skandinavistik und Museumsmanagement. Seit 2010 arbeitet sie als freie Journalistin in Kopenhagen und Thüringen.«
Außerdem führt Marlene Hofmann zusammen mit Antonia ein WordPress-Blog zu den Themen Familie & Gesellschaft, Recycling & Upcycling, nachhaltig lesen, Grüne Apps & Technik und Öko-Nähstudio …

Verrücktes Huhn NEUES AUS DEM WAHREN LEBEN
https://verrueckteshuhn.wordpress.com/

»Das Verrückte Huhn hat zu allem eine Meinung. Es kommentiert das Weltgeschehen und gibt Empfehlungen, was in der Welt zukünftig geschehen sollte. Das Huhn ist verrückt, sozial, feministisch, nachhaltig und umweltbewusst.«

 

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50 Kommentare zu “Ein Jahr in Kopenhagen

  1. Das klingt klasse! Irgendwie sind solche Bücher ja so viel … wie soll man sagen, sinnvoller für eine Reisevorbereitung als ein klassischer Reiseführer. Ich träume ja so davon, nach Kopenhagen zu reisen 🙂
    Deine Rezension ist wieder (wie immer) sehr gelungen, so angenehm ausgeglichen und verständlich .

    Liebe nachmittagliche Grüße,
    Katha 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Ulrike,
    eine schönere Rezension kann ich mir gar nicht wünschen! Lieben Dank, dass du auch (im Gegensatz zu den meisten anderen Buchbesprechungen) genau die kleinen feinen Details erwähnt hast, die mir auch besonders am Herzen liegen – wie z.B. die wirklich gut besuchten „Wiederverwendungsläden“ 🙂
    Danke fürs Lesen und Blog-Verlinken!
    Viele Grüße,
    Marlene

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Marlene,
      ein schöneres Lob als ein Lob von der Autorin höchstselbst kann ich mir gar nicht wünschen! Ich freue mich, daß Du Dich und Deine Buchanliegen in meiner Rezension gut repräsentiert findest.
      Deine Webseite ist übrigens zusätzlich auch in meiner Blogbummel-Liste verlinkt.
      Herzliche Grüße von Deiner Werbetrommlerin 😉
      Ulrike

      Gefällt 2 Personen

  3. Was Du über dieses Buch schreibst, liebe Ulrike, hört sich gut, amüsant und leicht und locker informativ an. Zwar war ich noch nie dort, kann mir aber verdammt gut vorstellen,daß ich mich ringsum wohlfühlen würde, nach allem, was ich jetzt von Dir darüber gehört habe.

    Ich würd ja auch zu gerne mal die kleine Meerjungfrau in echt bewundern und nicht nur auf den allerfeinsten Hochglanzbildern oder ganz hinten in einer Zeitung, rechts unten am äußersten Rand *lach*

    Schmunzelige Grüße von Bruni

    Gefällt 3 Personen

  4. Das klingt interessant, liebe Ulrike, wohl, weil ich schon mal vor Urzeiten in Kopenhagen war, und in einem Café nahe dem Tivoli auf einen meiner Rockpopbluesjazzhelden van Morrison persönlich traf und er sogar nicht abgeneigt war, mit mir etwas über Musik zu plaudern…
    schön war’s…

    und die Meerjungfrau auf dem Felsen habe ich auch noch gut in Erinnerung 🙂

    Das Buch, das du hier besprichst, gekonnt wie eh und je, kommt wie ein gutes Mix daher, das mich interessieren könnte…

    Herzliche Nachmittagsgrüße
    vom Lu

    Gefällt 4 Personen

  5. Genauso wünsche ich mir immer Information über einen Ort (Stadt, Land etc.). Nicht nur die reine Erwähnung touristisch attraktiver Plätze, sondern ein Rundumpaket, gern mit einer „greifbaren“ Person.
    Also mit Hintergrund(wissen) – ganz klar!.Doch ebenfalls mit einer gehörigen Portion persönlich erlebtem Alltag und einem großen Anteil der ganz speziellen Gegebenheiten eines Landes.
    Klingt sehr gut, was du in deiner Rezension zu diesem Buch verrrätst, Ulrike!
    Hab auch schon mal herübergeklickt auf den verlinkten Blog …

    LG Michèle

    Gefällt 4 Personen

  6. Die Dänen sind schon lange sehr weit in der Familienfreundlichkeit und der Emanzipation der Frau. Ist lange her, dass ich dort war, Kopenhagen gefiel mir sehr, aber die Freundlichkeit war Deutschen gegenüber eingeschränkt. Hat sich bestimmt inzwischen geändert. Ich sollte vielleicht das Buch lesen um meinen damaligen Eindruck revidieren zu können. Danke für den interessanten Tipp.

    Gefällt 4 Personen

  7. Aaah, Køben! Da schlägt mein Herz unmittelbar im 11/8-Takt. ♥♥♥
    Hier ist offensichtlich von einem Buch die Rede, das für ganz unterschiedliche Bedürfnisse geeignet ist. Wer Kopenhagen nicht kennt, wird hier bestimmt Inhalte finden, die sich von der Touristenabfertigung ordinärer Reiseführer wohltuend abhebt. Und wer glaubt, schon ‚alles‘ zu kennen, dürfte durch eine qualifizierte Zweitmeinung dennoch wertvolle neue Eindrücke erhalten und manches mit anderen Augen sehen.
    Hehe, Nørrebro hat ja definitiv seinen ganz eigenen Charme. 😉
    Sehr empfehlenswert ist übrigens auch ein Besuch im Botanischen Garten und bei Sømods. [Wenn ich so unverschämt sein darf, ein wenig Werbung zu veranstalten: soemods-bolcher.dk http://soemods-bolcher.dk/da/ – die erste Adresse für Naschkatzen und alle, die es werden wollen.]
    Mit lakritzverleckert-schnurrenden Grüßen… 🙂

    Gefällt 5 Personen

    • Danke sehr für Deinen kennerischen Kommentar und die interessanten
      ZUGABEN.
      Marlene Hofmanns Buch vermittelt wirklich weitaus mehr als oberflächlich-touristische Eindrücke, es ist sehr alltagstauglich und von einer sympathisch-zwischenmenschlichen Nachdenklichkeit und Nachhaltigkeit.

      Hmm – wo bekomme ich jetzt bloß LAKRITZE her, ohne aus dem Haus zu gehen? Die nächste Lakritzquelle mit Niveau befindet sich in meiner Nachbarstadt Wuppertal:
      http://www.lakritzplanet.de/2012/10/28/vor-ort-das-lakritzkontor-wuppertal/

      Na gut, jetzt bleib‘ ich beim Tee und sende einen teeduften Schnurrgruß 🙂

      Gefällt 2 Personen

      • Es freut mich sehr, liebe Ulrike, dass mein Kommentar sozusagen den richtigen Geschmacksnerv getroffen hat. 🙂
        Die klassischen Reiseführer haben ja schon ihre Berechtigung. Aber ich finde es immer schade, wenn eine Reise in ein Abhaken von besuchten Sehenswürdigkeiten ausartet (und oft werden dabei auch noch jene Dinge fotografiert, die es in Profi-Qualität in Bilderbüchern gibt). Da ist es eben schön, wenn sich die Gäste vor dem Besuch mit geeigneter Literatur ein-stimmen – was für das ErLeben sehr vorteilhaft ist.
        Herzlichen Dank für den Hinweis auf das Lakritzkontor. Wunderbar, dass es solche Oasen gibt. [Ich muss unbedingt den Gedanken in meinem Hinterkopf parkieren, eines Tages vielleicht selber so einen Laden aufzumachen – das wär’s]

        Gefällt 1 Person

      • Danke für den Linkwink mit dem Grauspfahl. 😉 Bei der tagtäglichen Ernährung bin ich auch nicht so sorglos. Aber bei Süßkram vergesse ich mich hin und wieder. Allerdings handelt es sich da nicht um große Mengen (jedenfalls kommt’s mir nicht so vor…).

        Gefällt 1 Person

  8. Als Tourist kenne ich Kopenhagen ein wenig es gefällt mir gut das Städtchen… deine Rezension weckt bei mir die Neugierde einmal hinter die Kulissen zu schauen… und wieder eine Buchverlockung mehr für ein Blumenmädchen, das die Parks und die Gewächshäuser dort sehr empfehlen kann! Herzliche Grüße aus dem Norden an dich Ulrike 🌤

    Gefällt 4 Personen

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