Verlag Hermann Schmidt

http://www.typografie.de

Verlag Herrman Schmidt aufgeblättert

VISUELLE  UND  HAPTISCHE  KOMMUNIKATION

Verlagsschwärmerei von Ulrike Sokul ©

Ich habe mich auf der Buchmesse in einen Verlag verliebt!

Zum Thema Buchmesse habe ich mich bisher ausdrücklich nicht geäußert, zumal ich das ganze Prominenzgebausche und den verlegerischen Größenwahnunsinn geflissentlich übersehen habe und meine ganz eigenwilligen Bücherwege gegangen bin, die sich dann nach und nach in Form von Buchbesprechungen sowieso hier wiederfinden. Doch von meiner Begegnung mit dem Verlag Hermann Schmidt möchte ich hier nun doch gerne erzählen und schwärmen.

Ein Messebesuch ist interessant, aufregend, reizüberflutend und zwischenbuchmenschlich aufschlußreich. Man trifft auf Menschen mit begeisterungsfähigem Bücherherzblut, kommunikativer Kompetenz und freundlicher Zugewandtheit und auf Menschen, die – offenbar messestrafversetzt – Interesse und Fragen zum Bücherangebot oder gar die Bitte um einen Verlagskatalog für eine Zumutung halten, die man sich mit höflich-kalter Arroganz und Blickkontaktvermeidung auf Abstand hält (Wer hat denn hier Kunden nötig?).

Nach fast sechs Stunden konzentrierten Messewandelns, ohne mich – trotz der überwältigenden Raumausmessungen – zu verirren, betrat ich zur Entspannung die wesentlich ruhigere, wenig frequentierte Antiquariatsabteilung. Nachdem ich aufatmend und genüßlich-staunend SEHR alte und kunsthandwerklich-kostbare Bücher, Landkarten und einige echte Autographen bewundertrachtet hatte, betrat ich angenehm herzerfrischt von dieser friedlichen Zeitreise wieder die Gegenwart und das moderne Messegetümmel.

Ich ließ mich einfach treiben, bis mein Blick von ferne auf ein Verlagslogo, ein Aldusblatt, fiel. Ich trat etwas näher, und von einem Stehpult aus lächelte und strahlte mich ein Verlagsmitarbeiter freundlich an; solcherart eingeladen, lächelte ich strahlend zurück und trat an den Stand des Verlags Hermann Schmidt.

Sogleich begann ein lebhaft-angeregtes Gespräch, und der charmant-zugewandte und engagierte Verlagsmitarbeiter zeigte mir spontan und treffsicher-intuitiv das Buch von Frank Berzbach: „Die Kunst ein kreatives Leben zu führen. Anregungen zu Achtsamkeithttp://www.typografie.de/shop/index.php/de/die-kunst-ein-kreatives-leben-zu-fuhren.html . Das war thematisch ein passendes Genre für mich, und ich war angenehm berührt. Doch als ich das Buch in Händen hielt und die Haptik des Bucheinbandes fühlte, war ich erneut angenehm berührt sowie überrascht von der stoffartigen, samtigen Konsistenz des Papiers und von der ansprechenden Typografie des Textes, ganz zu schweigen vom aprikotfarbenen Blattschnitt und der Kupferfolienprägung.

Schmunzelnd angesichts meiner mimischen und wörtlichen Begeisterung erklärte mir der Verlagsmitarbeiter, daß „sein“ Verlag nicht nur großen Wert auf die geistige Substanz seiner Bücher lege, sondern auch auf die Gestaltung, die Schrifttypen, die Materialien, nachhaltige Herstellungsprinzipien etc. …

Als er mir dann auch noch ein FADENGEHEFTETES (!) Verlagsverzeichnis gab, das nicht das gängige A4-Heftformat, sondern Buchformat hatte und ebenfalls eine schmeichelpapierne Haut mit aufgedrucktem stilvollen, aussagekonzentrierten Text in fein-klarer Typografie zeigte, war es um mich geschehen: Ich hatte einen neuen Lieblingsverlag.

Zwei Stunden nach dieser erfreulichen Begegnung saß ich im ICE und las auf der Fahrt genüßlich das ganze Verlagsverzeichnisbuch durch, ließ mich von Seite zu Seite von Fedrogoni-Papier zärtlich streicheln und entdeckte ein interessantes Buch nach dem anderen sowie ganz außergewöhnliche Kalender und immer mehr Einzelheiten und Feinheiten sprach-inhaltlicher und grafisch-gestalterischer Art. Zwischen den Buchvorstellungen gab es einige sehr ansprechende, konzentrierte Einblicke in die verlegerische Unternehmensphilosophie und Selbstreflexion des Hermann Schmidt Verlages. Einen solch kommunikativen und authentisch-informativen Buchkatalog habe ich noch nie zuvor erlebt!

Die Spezialität des Verlags Hermann Schmidt ist der sogenannte Kreativbereich; dieser umfaßt Sachbücher zu den Themen Typografie, Design, Grafikdesign, Werbetexten, Illustration, Kalligrafie, Formulargestaltung, Piktogramme und Icons, Denkanstöße von Kreativen für Kreative, Ideenmanagement und Unternehmenskommunikation, aber auch handverlesene Einzeltitel:

Eine E-Mail-Etikette: http://www.typografie.de/shop/index.php/de/ueber-den-umgang-mit-e-mails-4-auflage.html

Das Grundgesetz in Infografiken: http://www.typografie.de/shop/index.php/de/verfassung-verstehen.html oder

Das geheime Leben der Bücher vor dem Erscheinen“:
http://www.typografie.de/shop/index.php/de/das-geheime-leben-der-b-cher.html
Ein Kinderbuch mit dem Namen „Die kleine Serifee“ , in dem eine Buchstabenfee auf der Suche nach ihren Flügeln verschiedene Schriftenlandschaften durchschreitet und Kindern auf diesem Wege Schriftwissen vermittelt: http://www.typografie.de/shop/index.php/de/die-kleine-serifee.html .

Sehr verheißungsvoll klingt auch das umfängliche Werk von Shakti Paqué „Was vom Leser übrig bleibt“ 587 Buchbeziehungsgeschichten, die das E-Book so nie erleben wird. http://www.typografie.de/shop/index.php/de/was-vom-leser-uebrig-bleibt-587-buchbeziehungsgeschichten.html

Und die Streichel-Labyrinthe von Junko Murayama versprechen gar die Fingerspitzenerfahrung, mit den Händen sehen zu lernen.
http://www.typografie.de/shop/index.php/de/streichel-labyrinthe-fuer-menschen-mit-fingerspitzengefuehl.html

Wenn Sie sich für Typografie interessieren, werden sie beim Verlag Hermann Schmidt weitaus mehr als einen Setzkasten entdecken:
Im „decodeunicode“ finden Sie auf 656 Seiten alle 109.242 Schriftzeichen dieser Welt.
http://www.typografie.de/shop/index.php/de/decodeunicode.html

Erste Hilfe in Typografiehttp://www.typografie.de/shop/index.php/de/erste-hilfe-in-typografie.html und „Wegweiser Schrifthttp://www.typografie.de/shop/index.php/de/wegweiser-schrift.html bieten Einsteigerwissen. „Schriften erkennenhttp://www.typografie.de/shop/index.php/de/schriften-erkennen.html serviert nun schon in der 14. Auflage „eine Typologie der Satzschriften für Studierende, Grafik-Designer, Mediengestalter und andere Alphabeten“

Bei „Schrift wirkthttp://www.typografie.de/shop/index.php/de/schrift-wirkt.html geht es schon weitreichender um die typografische „Kleidung“ und ihre stilistische Wirkung auf das Erscheinungsbild des Textes und die „Anatomie der Buchstabenhttp://www.typografie.de/shop/index.php/de/anatomie-der-buchstaben.html widmet sich den „subtilen Details und kleinen optischen Raffinessen“, die für die Gestaltung einer Schrift und ihre Harmonie mit Text und Lesbarkeit wirkungsvoll zum Einsatz gebracht werden.

In „Lesetypografiehttp://www.typografie.de/shop/index.php/de/lesetypografie.html
finden Sie ein „Standardwerk der Buchgestaltung“, und zum spielerischen Lernen kann man sich mit einem „Typoquiz mit 100 Fragekarten“ http://www.typografie.de/shop/index.php/de/typoquiz.html amüsieren und sein Schriftwissen auffrischen oder demonstrieren 😉

Auch historische Reflexionen und Würdigungen der Schriftkultur kommen zu Wort und Bild.

Fraktur: Ein Buch über Form und Geschichte der Fraktur.
http://www.typografie.de/shop/index.php/de/fraktur-form-und-geschichte-der-gebrochenen-schriften.html

Retrofonts: Eine Retrotype-Bibel mit 400-Retrofonts aus zwei Jahrhunderten (vom Historismus bis in die 80er Jahre) http://www.typografie.de/shop/index.php/de/retrofonts.html

Ein wiederaufgelegter Flohmarktfund: Ein handgenähtes Heftchen mit Schriftenvorlagen „Handgeschriebene Schriften“ aus dem frühen 20. Jahrhundert.
http://www.typografie.de/shop/index.php/de/typoquiz.html

Oder wie wäre es einmal mit „Kalligrafischen Sinfonien“?
http://www.typografie.de/shop/index.php/de/kalligrafische-sinfonien.html

Dazu gesellen sich Kalender, die schön und zugleich funktionell sind, z.B. ein „Typodarium 2016“, ein Tagesabreißkalender mit 366 Fonts von 223 Designern aus 32 Ländern, verpackt in einer soliden Schriftmuster-Sammelbox.
http://www.typografie.de/shop/index.php/de/typodarium-2016.html

Ein Notizkalender mit Liebeserklärungen an den Alltag“, auf dem genug Freiraum für persönliche Ergänzungsnotizen bleibt.
http://www.typografie.de/shop/index.php/de/was-wir-lieben.html

Einen kleinen Teil dieses außergewöhnlichen Verlagsprogramms habe ich hier nur angetippt, für vertiefende Betrachtungen folgen Sie bitte den eingefügten Links, und vorfreuen Sie sich auf meine zukünftigen Buchbesprechungen.

Mich erfüllt die Harmonie von Buch-, Text- und Schriftgestalt sowie von fühlbarer und äußerst angenehmer Papierqualität, die vom Verlag Hermann Schmidt praktiziert wird mit Begeisterung und Bewunderung. Es ist doppeltattraktiv, wenn die Qualität des Wortes der Qualität des Buchmaterials entspricht.

Die gelungene Kombination von moderner Informationsvermittlung und beeinDRUCKender Textgestaltung mit guter „altmodischer“, handwerklich-solider Buchherstellung und buchliebhaberischen Gestaltungsdetails verbindet sich beim Verlag Hermann Schmidt schlicht und einfach sowie nachhaltig zu einem unaufdringlich BESONDEREN Stil.

Verlag Herrman Schmidt aufgeblätterthttp://www.typografie.de

 

 

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40 Kommentare zu “Verlag Hermann Schmidt

  1. Liebe Frau Sokul,
    nach unserem anregenden Gespräch habe ich gleich mit großer Freude Ihren Beitrag zum Hermann Schmidt Verlag gelesen!
    Im Laufe der Jahre habe ich selbst eine kleine Sammlung von Lieblingsbüchern dieses Verlags angesammelt… und es scheint glücklicherweise kein Ende zu nehmen…
    Man kann tatsächlich immer wieder ein vielstimmiges Loblied darauf singen, denn jedes Buch ist in seiner Art sowohl handwerklich und optisch gelungen, als auch inspirierend und individuell wie die Autoren zu den einzelnen Themen selbst. Jedes eine kleine Kostbarkeit!

    Mit kalligraphischen Grüßen aus dem Dörfchen
    Sabine Danielzig

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Frau Danielzig,
      herzlichen DANK für Ihren Lesebesuch und die geteilte Begeisterung für den feinen Hermann Schmidt Verlag.
      Ich mache immer wieder mit dem festlichsten Vergnügen einen Ausflug in Ihre poetisch-kalligraphische OASE (http://briefundsiegel.net/kleine_schreibschule.html) und lasse mich von der Harmonie von Wort, Schriftform, Farbe und Klang sowie von der angenehmen und zauberschönen Atmosphäre und Gastfreundschaft inspirieren.
      Mit herzlichen Grüßen aus der beinahe unmittelbaren Nachbarschaft 🙂
      Ulrike Sokul

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  2. Liebe Ulrike, Du Intuitiv-Wandelnde :-).
    Danke, dass Du uns hier mit nimmst, in den Fluss der Bücherwelten und seine Schätze mit uns teilst, die Du so achtsam geborgen hast. Dieser Verlag klingt ganz wundervoll und Deine Wortreise lässt mein Herz vor Freude hüpfen :-). Dir viel Freude beim Nachschwingen 🙂

    Gefällt 2 Personen

  3. Das hört sich für mich enorm anziehend und vielversprechend an! Für so etwas bin ich sehr zu haben. Danke für deinen hochinteressanten Hinweis (nebst all den entsprechenden Links) auf diesen mindestens ebenso interessanten Verlag!

    Auf Büchermessen habe ich an Ständen auch schon so ähnliche und unterschiedliche Erfahrungen gemacht, wie du sie eingangs beschreibst, Ulrike. Von angenehm, interessiert, motiviert, engagiert über neutral-abwartend bis hin zu nicht beachtend, völlig demotiviert, durch einen durchsehend. Ich habe es dann dem tagelangen Messetrubel und der stickigen Luft zugeschrieben.Warum sonst geht man als Verlag erst hin, wenn einem alles Jacke wie Hose ist …

    LG Michèle

    Gefällt 1 Person

    • Danke, liebe Michèle,
      für Deinen zustimmenden Kommentar und Dein reges Interesse.
      Ich denke ebenso wie Du, daß der Messetrubel die Verlagsmitarbeiter zum Teil so überfordert, daß die kommunikative Kompetenz darunter leidet.
      Gleichwohl gibt es offenbar Menschen, die trotz Erschöpfung und Reizüberflutung freundlich und zugewandt ihre Brötchen mit Büchern verdienen …
      Gutenachtgruß von
      Ulrike

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  4. Liebe Ulrike,
    vor ein paar Tagen bin ich ‚zufällig‘ auf der Webseite vom Hermann Schmidt Verlag gelandet und war ziemlich begeistert. Was ein schöner Zufall, dass nun heute Dein schöner Post über den Verlag erscheint – und mich nun noch neugieriger gemacht hat. Das Typodarium fasziniert mich besonders und ich werd es mir wohl bestellen. Schade, dass die Bücher vom Verlag so relativ selten in den Buchhandlungen ausliegen. Das beschriebene haptische Erlebnis klingt einfach verlockend.
    Liebe Grüße
    Kai

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    • Lieber Kai,
      solche „zufälligen“ Mehrfachbegegnungen empfinde ich stets als schicksalhaft – da soll uns etwas erreichen.
      Dein Bedauern über die fehlende Repräsentanz dieser besonderen Bücher in Buchhandlungen teile ich, und dieses „unsichtbare“ Schicksal teilen leider alle kleinen Verlage mit spezialisiertem Titelprogramm.
      Und die „Verkettung“ des Buchmarktes trägt gewiß auch nicht dazu bei, daß BücherVIELFALT und VerlagsDIVERSITÄT sichtbar gemacht werden.
      Die haptische und visuelle Qualität dieser Bücher wird Dich – nebst der inhaltlichen Qualität – gewiß ebenso begeistern wie mich!
      Abendgruß von
      Ulrike

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  5. Ein wunderschönes Loblied. Und ich freute mich schon über deinen Post bevor ich las, dass ich einige deren Bücher auf der Wunschliste habe…. Da muss ich wohl nichts mal tiefer stöbern in all den tollen Themen, die mich unterdessen näher tangieren…

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  6. Ein sagenhafter Edit. Dem verlieben würde ich mich anschließen.
    Ein Buchgestaltmotor wie ein Kleinod im Meer der Industriellen Allseitsverbreitung. Danke für diese Katalysator.

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  7. Toll, dass du eine solche Entdeckung auf der Messe machen konntest… wenn ich wieder einen Rechner zur Verfügung habe, werde ich mir deine Links unbedingt ansehen… geht erst So. Abend … liebe flatterhafte Blumengrüße 😉

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  8. Liebe Ulrike,
    dein Loblied auf diesen Verlag singe ich mit! Ich habe lange Jahre in einer Buchhandlung gearbeitet, wo dessen Bücher größtenteils im Sortiment waren und auch die entsprechende Kundschaft dafür vorhanden war. Wir haben uns immer auf die neuen Vorschauen gestürzt und tatsächlich gefreut, wenn wir endlich die kleinen Verlagsverzeichnisse für die Kunden auslegen konnten. Die Bücher werden dort wirklich mit Liebe gemacht und sind extravagant, schlicht und schön!
    Was du zu gelangweilten Standbetreuern auf der Buchmesse erzählst, habe ich auch erlebt und mich gefragt, wer diese Leute ausgewählt hat. Zum Glück gab es aber auch die lobenswerten Ausnahmen, vor allem bei den kleinen Verlagen.
    Liebe Güße,
    Petra

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Petra,
      nun singen wir also harmonisch im Bücherchor das Loblied für den
      Hermann Schmidt Verlag – das freut mich sehr!
      Ich bin ohnehin hauptsächlich zur Buchmesse gefahren, um kleine Verlage in Augenschein zu nehmen, und bei diesen habe ich nur kompetente und nette Betreuer erlebt.
      Auch bei einigen großen Verlagen waren zugewandte Mitarbeiter am Stand, aber bei manchen war außer pompösem Kaffeegebräu nicht viel zwischenbuchmenschliche Substanz vorhanden.
      Einvernehmliche Grüße von
      Ulrike

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