Lesen als Medizin

  • Die wundersame Wirkung der Literatur
  • von Andrea Gerk
  • Rogner & Bernhard Verlag, Januar 2015   www.rogner-bernhard.de
  • Gebunden mit Schutzumschlag und LESEBÄNDCHEN
  • 352 Seiten
  • Format: 15 x 22,7 cm
  • 22,95 € (D)
  • ISBN 978-3-95403-084-2
    Lesen als Medizin

VON  LESERN  FÜR  LESER  ÜBER  LESER

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Informationsfülle, die Andrea Gerk für ihr „Lesebuch“ zusammengetragen hat, ist beeindruckend. Man liest ihrem Buch die Begeisterung für das umfängliche Drum und Dran des Lesens an, und man merkt ebenfalls, daß ihr das Thema nach allen Seiten hin ausfranst, was gar nicht kritisch angemerkt sei, denn sie möchte der hohen Komplexität ihres „Lesestoffes“ gerecht werden.

Die Vorstellung, daß Lesen (und Schreiben) eine heilsame Wirkung haben könne, ist keine Erfindung der modernen Bibliotherapie, sondern diese Vorstellung hat eine lange Tradition. Angefangen bei Aristoteles‘ Abhandlung über die Tragödie und der gemütspflegenden Katharsis, die sie dem ergriffenen Publikum vermitteln solle, bis hin zu Erich Kästners 1936 erschienen Gedichtsammlung „Lyrische Hausapotheke“ teilen lesende Schreiber, schreibende Leser und lesende Leser die Auffassung, daß Bücher Heilung, Inspiration, Geborgenheit, Freundschaft, Freiheit, Rettung, Trost, geistig-seelische Unterstützung, spannende Entspannung und konstruktive Ablenkung schenken.

Andrea Gerk folgt den Spuren des Lesens durch die Geschichte. So erlesen wir, beispielsweise, daß unsere heute übliche, stumme Versenkung in einen Text eine relativ junge Erscheinungsform des Lesens ist. Die mittelalterlichen Klöster, die damals über das Lese- und Schreibmonopol verfügten, gaben dem Lesen und Schreiben gleichsam Gebetscharakter. Dementsprechend wurde im mittelalterlichen Scriptorium murmelnd gelesen und geschrieben.

Im neunzehnten Jahrhundert wiederum waren in den kubanischen und amerikanischen Zigarrenfabriken Vorleser angestellt, die den Arbeitern während der Arbeit Romane vorlasen. Die Zigarrenarbeiter bewunderten Alexandre Dumas‘ „Graf von Monte Christo“ so sehr, daß sie den Autor darum baten, eine Zigarrensorte mit dem Namen ihres Lieblingshelden schmücken zu dürfen.

Bereits im Mittelalter gab es ärztliche Lektüreempfehlungen, wie z.B. bei Maimonides, der seinen Patienten zur Gemütsausgleichung Erzählungen verordnete. Im 18. Jahrhundert stellte der Psychiatriepionier Benjamin Rush einen Lesekanon zusammen, in dem jedem Krankheitsbild Lektüren zugeordnet wurden. Später entwickelten sich aus solchen Ideen die ersten Patientenbibliotheken.

Stippvisiten zu den Werken von Michel de Montaigne, Jean-Jacques Rousseau, Marcel Reich-Ranicki, Elias Canetti, Jean-Paul Sartre, Michael Ondaatje, Hanns-Josef Ortheil u.v.a.m. offenbaren, daß Lesen hilft. Lesen kann befreiende Horizonte öffnen, Gefühle ordnen und spiegeln, fiktive Geborgenheit geben, kann als geistige Oase das Leben retten und in seelenverwandtschaftlicher Verbundenheit zwischen Autor und Leser Berührung und tröstliches Verständnis über Raum und Zeit hinweg ermöglichen.

Andrea Gerk hat mit vielen Leseexperten und Schriftstellern gesprochen und noch mehr Bücher zu Rate gezogen. Die Literaturliste im Anhang spricht Bände. Ich kann im Rahmen dieser Rezension nur streiflichternd Leselockhäppchen anbieten:

Faszinierend sind die Einblicke in die literarische Seite der Psychoanalyse und die modernen neurologischen Erkenntnisse und Forschungen über die umformende Wirkung, die das Lesen auf die Gehirnstruktur hat.

Andrea Gerk berichtet über die unterschiedlichen Lesetraditionen in Klöstern, Gefängnissen, Krankenhäusern, Bibliotheken, Lesezirkeln und Literaturkreisen. Kurz wird auch ein kleines Loblied auf einfühlsame Buchhändler gesungen, die ihren vertrauten Kunden genau die passenden Bücher „verabreichen“. Reale und fiktive Bibliomanen, Lesesucht und Lesefieber, Leseräusche und Leseernüchterungen finden ebenso Erwähnung wie die geheimnisvoll-zeitlose Heilkraft von Märchen.

In Amerika ist die Poesie- und Bibliotherapie bereits eine etablierte Therapieabzweigung, was sich u.a. darin zeigt, daß beispielsweise die amerikanische Schriftstellerin Siri Hustvedt ehrenamtlich Poesietherapiekurse in einer New Yorker psychiatrischen Klinik gibt.

Der amerikanische Philosoph und Psychologe William James (der ältere Bruder des Schriftstellers Henry James) „vertrat die Ansicht, es gebe nur zwei Arten zu denken: argumentieren und erzählen. Erzählen scheint die wesentlichere zu sein. So entwickelt sich beispielsweise in der Psychoanalyse eine Geschichte zwischen Analytiker und Patient, bei der es nicht um literarische Wahrhaftigkeit geht, sondern darum, eine emotionale Wahrheit aus dem Leben des Patienten zu verdeutlichen.“ (Seite 24)

Bei der Bibliotherapie hingegen geht es darum, einen vom Therapeuten gezielt ausgewählten literarischen Text zu lesen und durch die Vertiefung in den Text das eigene Sein zu reflektieren und, emotional angeregt von der Lektüre, auch gleichsam eine neue Sprache für sich zu finden. Die rezeptive Auseinandersetzung mit einem literarischen Text soll Gefühle wecken und neue Perspektiven zeigen. So kann auf dem Umweg über einen „fremden“ Text letztlich den eigenen Gefühlen ein Sprachraum eröffnet und eine erweiternde oder klärende Selbstwahrnehmung und persönliches Wachstum gefördert werden.

Bei der Poesietherapie werden Gedichte gelesen. Dabei kann die Auseinandersetzung mit den Gedichten passiv-lesend sein, aber auch aktiv-schreibend, im Sinne des expressiven, kreativen oder therapeutischen Schreibens. Die Übergänge zwischen Biblio- und Poesietherapie sind fließend; beide Bereiche ergänzen sich wechselseitig.

Um Mißverständissen vorzubeugen: Die Bibliotherapie ist eine eigenständige Therapieform, die nicht auf die Psychoanalyse zurückgeht. Sie ist ein kreativ-therapeutisches Verfahren.

Hierzulande bemüht sich seit 1984 die Deutsche Gesellschaft für Poesie- und Bibliotherapie ( http://www.dgpb.org/ ) um die Vernetzung von Bibliothekaren, Ärzten, Therapeuten, Erziehern und Wissenschaftlern sowie um die Qualitätssicherung der durch entsprechende Kurse zu erwerbenden Zertifikate. Als Poesie- oder Bibliotherapeut dürfen sich ohnehin nur ausgebildete Mediziner und/oder Therapeuten sowie Heilpraktiker bezeichnen. Andere Absolventen dürfen nur unter Schreibwerkstätten-Leiter firmieren.

Neugierig nahm Andrea Gerk selbst an einer „Weiterbildung Poesie- und Bibliotherapie“ der »Europäischen Akademie für bio-psycho-soziale Gesundheit und Kreativitätstherapie EAG« bei Hückeswagen ( http://www.eag-fpi.com/ ) teil und ließ sich – trotz ihrer persönlichen Selbsterfahrungsunwilligkeit – von der „Schlichtheit und Effizienz der Methode“ überzeugen. An der EAG wird die Integrative Poesie- und Bibliotherapie gelehrt, die auf Prof. Dr. Hilarion Petzold, Johanna Sieper und Ilse Orth zurückgeht. Ausführliche Informationen finden Sie unter nachfolgendem Link: http://www.eag-fpi.com/methodenkompetenz/

Eine spezielle Art der Bibliotherapie wird im brasilianischen Hochsicherheitsgefängnis Catanduras unter der Überschrift „Erlösung durch Lesen“ angeboten. Dort verkürzt jedes gelesene Buch die Haftzeit um vier Tage. Es gibt ein Buch pro Monat und die Häftlinge müssen anschließend „in Gesprächen und in Form eines Aufsatzes nachweisen, dass sie sich wirklich mit der Materie auseinandergesetzt und verstanden haben, worum es in dem Text geht.“
(Seite 241)

„Lesen als Medizin“ ist außerdem eine wahre Fundgrube für endlose Folgelektüren, denn kurze handschriftliche Lieblingsbuchlisten der für das vorliegende Buch befragten Leseexperten und Schriftsteller runden jedes Kapitel ab, und Andrea Gerk streut auch gerne häufig und lebhaft ihre persönlichen Leseerlebnisse und Buchempfehlungen ein.

Dieses kluge, interessante sowie begeistert-begeisternde Buch wirkt in hohem Maße leseansteckend. Eine unheilbare Nebenwirkung wird wahrscheinlich chronisch-exorbitanter Bücherkonsum sein …

„Lesen als Medizin“ gibt es übrigens auch in elektronischer Darreichungsform: Dem gedruckten Buch ist ein Code für das einmalige Herunterladen des Textes als E-Buch beigefügt.

Zum Abschluß nun eine praktische bibliotherapeutische Übung:
„Wenn Sie nur noch drei Monate zu leben hätten, was würden Sie in dieser Zeit lesen? Erstellen Sie eine letzte Leseliste!“ (Seite 307)

Wer mag, kann sich auf der Kommentarebene dazu äußern … oder einfach nur still für sich einer entsprechenden Leseliste nachspüren.

 

Die Autorin:

»Andrea Gerk wurde 1967 in Essen geboren. Nach einem Studium der Angewandten Theaterwissenschaft in Gießen ist sie seit 1995 als Literatur- und Theaterkritikerin sowie als Moderatorin für öffentlich-rechtliche Radiosender tätig. Sie lebt in Berlin.«

Bibliotherapeutische Webseiten:

Deutsche Gesellschaft für Poesie- und Bibliotherapie e. V.
http://www.dgpb.org/
EAG FPI: Europäische Akademie für bio-psycho-soziale Gesundheit / Fritz Perls Institut
http://www.eag-fpi.com/

Querverweis:

Hier folgt der Link zu einer heilsam-heiteren Rezension, die ich im Stile eines Medikamentenbeipackzettels verfaßt habe:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/05/15/das-geheimnis-der-heilung/

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65 Kommentare zu “Lesen als Medizin

  1. Liebe Ulrike,
    vielen Dank für diesen Buchtipp!
    Schon immer war ich der Meinung, dass nichts so sehr hilft wie lesen. Immer. Und überall.
    Da ist es interessant zu erfahren, dass Lesen wohl wirklich offiziell als Medizin gilt!
    Und wenn ich nur noch 3 Monate zu leben hätte, würde ich auf jeden Fall Harry Potter lesen (zum 20. mal oder so…). Denn nichts gibt mir so sehr das Gefühl von „Daheim“ und von Zufriedenheit wie dieses Wunderwerk von J. K. Rowling. Außerdem kann ich es glaub fast nicht riskieren, bei so begrenzter Zeit noch etwas zu lesen, das mir womöglich nicht gefällt….
    Viele Grüße
    Felicitas

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    • Liebe Felicitas,
      danke für Deinen Lesebesuch und Deine Leseresonanz.
      Ich stimme Dir zu, daß für letzte Lektüren vor einem Wechsel der Daseinsform nur etwas in Betracht kommt, in dem man sich zu Hause fühlt.
      Bei mir wären es u.a. „Stein und Flöte“ von Hans Bemmann und „Der Erzähler der Nacht“ von Rafik Schami und „Das etruskische Lächeln“ von José Luis Sampedro sowie „JETZT! Die Kraft der Gegenwart“ von Eckhart Tolle und die Lyrik – inbesondere die Elegien – von Rilke.
      Doch wer weiß schon wirklich, was man in Falle der Kenntnis der verbleibenden Lebensspanne lesen mag. Vielleicht läse ich auch meine Tagebücher … und meinen LIEBESBRIEFWECHSEL – den ganz bestimmt, denn dieser ist von poetisch-romantisch, druckreifer Qualität.
      Mit herzlichem Gruß
      Ulrike

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      • Oh, ein Briefwechsel allein ist schon etwas ungemein Bewundernswertes. Und dann auch noch ein LIEBESbriefwechsel! Allein das Wort ist schon druckreif! Bekommt man davon vielleicht mal etwas zu lesen? Du hast mich neugierig gemacht!
        Liebe Grüße
        Felicitas

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      • Liebe Felicitas,
        eine Freundin, die einmal einen klitzekleinen Einblick in meine Herzenskorrespondenz nehmen durfte, seufzte nur und sagte: „Ich kaufe die FILMRECHTE!“
        Mein LIEBESBRIEFWECHSEL ist mir viel zu persönlich, um ihn zu veröffentlichen. Das kann dann später mein BIOGRAPH machen 😉
        Gleichwohl habe ich geplant, einen Liebesbriefmonat auf meinem Blog zu veranstalten. Dafür möchte ich Romane besprechen, in denen Liebesbriefe eine Schlüsselrolle spielen und auch das eine oder andere Liebesbriefsachbuch.
        Ich habe außerdem einen herrlichen, antiquarischen Buchschatz von 1921: „LIEBER SCHATZ! Briefsteller und Ratgeber für die galante Liebeskorrespondenz“, der ebenfalls eine „zeitreisende“ Besprechung wert wäre …
        Altmodische Grüße 🙂
        Ulrike

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  2. Ich sag mal nur noch:

    Lesen ist Medizin, aber klar, und wer was anderes behauptet, der hat es nur noch nicht probiert oder immer die für ihn falschen Bücher erwischt, denn das kann leicht geschehen in der Fülle dessen, was in Buchhandlungen angeboten wird.
    Wem Lesen als Therapie nicht reicht, der sollte es mal zusätzlich mit Schreiben probieren und wenn auch das keine Therapie sein kann, dann weiß ich´s auch nicht (oder möchte es lieber nicht wissen *lächel*) Na ja, ich weiß schon, es gibt andere wundervolle und ausfüllende Beschäftigungen, aber Lesen und Schreiben entwickelt Magie (wenigstens für viele Menschen, zu denen ich auch gehöre) und das halte ich für den Zauber des Lebens.

    Ganz wundervolle Buchbeschreibungen machst Du, liebe Ulrike

    LG von Bruni

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    • Danke, werte Bruni,
      für diese feine Leselobschreibstreicheleinheit in Kommentardarreichungsform.
      Der Ursprung der Dichtung ist Magie, und Bücher unterscheiden sich für mich persönlich u.a. auch darin, wieviel Sprachmagie sie zwischen den Zeilen transportieren.
      Es haben jedoch nicht alle Menschen ein SENSORIUM dafür.
      Harmonische Grüße von Ulrike

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  3. Hui, schon die Rezi inspiriert zum Weitermachen, wie muss da erst das Buch sein? Mir fällt als Ergänzung prompt Pilgrim ein mit seinen „Muttersöhnen“ – wie prägte die Kindheit Marx, Hitler, Göring, Hemmingway u.v.a….Ein Buch das bei mir massenweise Türen aufstieß …damals in den 90ern.

    – wie war Goethe drauf, als er im Faust die Gretchentragödie unterbrachte?
    – wie war Schiller drauf, als er der „Glocke“ die letzten Strophen verpasste (die Absage an Revolutionen aller Art)?
    – warum „musste“ Karl May glauben, ER sei Old Shatterhand…

    Scheint so, als könnte Frau Gerk da eine Art 2.Teil verfasst haben, ohne es zu ahnen.
    „Sage mir, was du liest und ich sage dir (nicht wer du bist) – aber welche Ideale du unterdrückst…“

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    • In „Lesen als Medizin“ geht es mehr um das Lesen als Privatvergnügen und/oder persönliche Therapie und Gefühlskompaßregung, als um die politisch-aufklärerische Facette bestimmter Lesestoffe oder die psychologischen Bedingungen von Schriftstellern und ihrer Werke. Auch die erwähnten Schriftsteller werden nur insofern psychologisch-biographisch unter die Leselupe genommen, wie das Lesen als Werkzeug der Horizonterweiterung, Sprachfindung oder Lebensweichenstellung dient.

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  4. Dann mache ich mal lieber einen neuen Thread auf. Liebe Ulrike, danke, erstens für die Mühe, alles in der richtigen Reihenfolge zu editieren, zweitens auch für deine Beurteilung des ‚Lavendelzimmers‘. Ich hatte mal eine Beurteilung darüber gelesen, war mir aber nicht sicher, wie es einzuordnen ist. Dann werde ich es auch nicht lesen. Nun steht noch Zusaks ‚Die Bücherdiebin‘ bei mir im Regal. Irgendwie tendiere ich im Moment zu Büchern über Bücher oder das Lesen.

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    • Im Buchstabensortieren bin ich geübt, liebe Ingrid,
      das tue ich sogar gerne, besonders wenn es der Leserlichkeit dient.
      „Die Bücherdiebin“ spielt eindeutig in einer ganz anderen Liga als „Das Lavendelzimmer“.
      „Geschichte des Lesens“ von Alberto Manguel könnte vielleicht auch etwas für Dich sein. Es wurde in „Lesen als Medizin“ öfter zitiert.
      Hier ist ein faszinierender Zeit-Artikel von Ulrich Greiner über den Autor, der in seiner Jugend dem erblindenden Schriftsteller Jorge Luis Borges als Vorleser gedient hat: http://www.zeit.de/2009/32/Manguel
      Gutenächtliche Grüße von
      Ulrike

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      • Danke für die Tipps. Das Buch habe ich mir gerade bestellt und der Artikel hat mir sehr gut gefallen. Da hätte ich gerne noch mehr zu gelesen, erst so eine poetische Beschreibung der Örtlichkeiten, dann die Bücher und das Essen. Das erinnert mich ein wenig an Ortheils Buch ‚Lesehunger‘.
        LG, Ingrid

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  5. Hach, wenn ich nicht schon reichlich zur Selbstmedikation greifen würde, würde ich mir das Buch sofort holen und damit anfangen. Das klingt richtig gut. Man merkt auch an, dass sich das Lesen zur stummen, privaten Angelegenheit entwickelt, alleine an der Länge der Werke. Wenn ich an mittelhochdeutsche Texte denke, sind die bereits wahnsinnig lang – dafür, dass sie aus dem Gedächtnis frei und mit musikalischer Begleitung vorgetragen wurden über mehrere Tage hinweg. Aber die Erzählweise ist natürlich ganz anders, und mit moderneren Texten können sie von der Länge natürlich nicht konkurrieren. Hm. Spannendes Thema.

    Ich geh nachher jedenfalls zur Buchhandlung und hole dort die nächste Fuhre Medizin ab. 😀

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  6. Ach, ich glaube, das hätte ich auch gern auf meiner Leseliste, das hört sich ja schon mal toll an. Worauf geht sie bei Ondaatje ein, auf den „Englischen Patienten“? Bringen R&B ihre Bücher auch irgendwann als TB heraus?
    Und danke für den querverlinkten Buchtipp, den kann ich zum Anlesen aus den Bücherhallen hier fischen …
    Im Ernst, du machst Buchberatungen? Fragen Sie Frau Ulrike nach einen Buch bei Liebeskummer? Daraus würde ich an deiner Stelle eine Reihe machen …. 😉
    Vergnügte Grüße
    Christiane

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    • Liebe Christiane,
      bei Ondaatje geht sie, wie Du richtig vermutest, auf den „Englischen Patienten“ ein, u.a. darauf, daß Hana in die Bücher aus der Bibliothek persönliche Notizen einträgt und sie anschließend wieder im Regal verschwinden läßt.
      Ob R&B selber Taschenbücher aus ihrem Fundus produzieren oder lieber eine Lizenz verkaufen, werde ich nachfragen …
      Danke, daß Du auch meinem lesenslustigen QUERVERWEIS gefolgt bist!
      Deine Idee mit den BUCHBERATUNGEN finde ich grandios. Ich denke, das ließe sich auch blogmäßig auf- und ausbauen …
      Mitvergnügte Grüße 🙂
      Ulrike

      Gefällt 1 Person

      • Nö, ich grübel schon eine Weile herum. Da spukt etwas in meinem Gedächtnis und will sich nicht klar manifestieren …
        Wenn es mir wieder präsent wird, gebe ich Laut.
        Jetzt will ich erst einmal speisen, denn mein Magen überknurrt mein Nachdenken 😉

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      • Ich hab’s … Nach Eingabe von ‚buch empfehlen mann auf schiff buchhändler‘ in G kam ‚Das Lavendelzimmer‘ heraus, Nina George. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das nicht kitschig ist und werde mal sehen, was die Fachfrau Ulrike dazu sagt …
        P.S. Ich hab’s nicht gelesen.

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      • Liebe Ingrid und liebe Christiane,
        ich habe eben erst mal redaktionell die Kommentarreihenfolge wieder in einen chronologisch sinnvollen Gesprächsfaden eingereiht.
        “Das Lavendelzimmer” habe ich gelesen und es läßt tief blicken, daß es mir nicht sogleich wieder einfiel als Du nach einem Bücherbuchroman gefragt hast.
        Obwohl dieses Buch eine sehr zwischenmenschliche und buchhändlergeneigte Substanz hat, befindet es sich – für meinen Geschmack – in nur fingerbreiter Entfernung vom Groschenroman-Niveau.
        In diesem Roman “therapiert” der Buchhändler Jean Perdu, dessen Buchhandlung “Literarische Apotheke” sich auf einem Schiff befindet, seine Kunden erfolgreich mit einfühlsamen Buchempfehlungen. Nur die Lektüre, die sein Herz befreien würde, unterlässt er viel zu lange …
        In Anschluß an den Roman gibt es einige Kochrezepte der im Buch verspeisten französischen bzw. provenzalischen Spezialitäten und eine Liste mit 26 Buchrezepten “Jean Perdus literarische Notapotheke von Adams bis von Arnim” mit kurzen Anwendungsempfehlungen, Dosierungen und Nebenwirkungen.
        Doch wenn man eine Romanhauptfigur “Perdu” tauft, ist es kein Wunder, wenn sie sich der Erinnerung entzieht 😉

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      • Im von mir zuvor besprochenen Roman „Der Wörterschmuggler“gibt es einen Bücherverschreiber, der gezielt Romane zu bestimmten Lebenslagen „verschreibt“. Allerdings verrät uns die Episode nur wenige seiner Empfehlungsrezepturen.

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  7. Hach.,….ganz nach meinem Geschmack.
    Ich liiiiebe diese Medizin…..und sie hat ja keine Risiken und Nebenwirkungen…..lach…
    Ich finde es schon einen Unterschied, ob man ein Buch liest oder den entsprechenden Film anschaut.
    Der Film beraubt einem der eigenen Fantasie und der eigenen Gedanken, denke ich.
    Deshalb bin ich seeeehr für das Lesen, nicht nur als Medizin.

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    • Als bekennende Lesesüchtige kann ich Dir nur zustimmen, liebe Ilanah.
      Manchmal hat mich aber auch ein FILM zu einem BUCH geführt.
      Schwierig wird es im umgekehrten Falle: Da habe ich bei der Lektüre lebhaft meine eigenen Bilder schön ausgeformt und ausgemalt und dann wird es schon bei den Gesichtern der Schauspieler kritisch 😉

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      • Mir gehts ähnlich. Sehr selten habe ich durch einen Film zum Buch gefunden.
        Und in der Regel war ich umgekehrt enttäuscht von einem Film wo ich vorher das Buch gelesen habe.

        Meine erste Erfahrung diesbezüglich war „Vom Winde verweht“. Das Buch habe ich mit 14 verschlungen, mit 16 habe ich den Film gesehen und war sooooo enttäuscht.
        Das konnte auch Clark Gable nicht mehr wettmachen 😉

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  8. Liebe Ulrike,
    wieder ein genialer Ausflug in ein interessantes Lesethema! Wahrscheinlich wirst du im Laufe deiner Buchhändlerinnentätigkeit zur „wandelnden Bibliothek“, oder sollte ich nach dem heutigen Beitrag „Medizinschrank“ sagen?
    Gerne immer wieder ein Löffelchen davon! Zum Wohl und auf die Gesundheit!
    Herzlich Heidrun

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Heidrun,
      danke für Deine Begeisterung!
      Tatsächlich habe ich schon manches Mal einen sinnvollen, heilsamen, beziehungsrettenden, tröstenden oder wegweisenden Bücherrat erteilen können.
      Als Medizinschrank kann ich – angesichts meines elfenhaften Figürchens – allerdings weniger in Erscheinung treten 😉

      Gefällt 2 Personen

      • Stimmt, das hätte mir doch schon dein graziles Kinderfoto zuflüstern können.
        Haben Elfen ihre Medizin in Zauberbeuteln oder Blütenkelchen?
        Gerne hole ich mir deine erfrischende Wortmedizin für diverse Themen!
        Ich werde gleich wieder in die Inselwelt von Juliet Marillier abtauchen. Der Sevenwaterstrilogie folgt gerade „Die Priesterin der Insel“. Sie beflügelt meine Phantasie und stillt mein Reisebedürfnis zu tiefer Naturerfahrung auf einer Insel.
        Einen erholsamen Abend – mit oder ohne Büchern,
        wünscht dir Heidrun

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      • Meine Elfen-Medizin ist feinstofflich & schwingungsgelagert 😉
        Ja, die Sevenwaterstrilogie, von der unser lieber Lu von Finbar immer so schön schwärmt, die sollte ich auch noch lesebereisen.
        Zum Lesen komme ich heute wohl nicht mehr, da meine werten Kommentatoren mich hier total auf Trapp halten.
        Gutenachtgruß 🙂

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  9. Toll, jeden Abend verabreiche ich mir eine große Portion Medizin, als Frist setze ich mir immer Mitternacht, weil ich ja früh hoch muss. Was ich leider nicht immer einhalte, und nur der leere Akku lässt mich das Licht ausschalten. Ich gestehe, dass sich mein Lesekonsum, seitdem ich meinen Kindle habe, regelrecht potenziert hat, obwohl ich weiterhin ein Buch viel lieber habe.
    Liebe Grüße Marlies

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      • Ich hatte mich nach langer Weigerung vor dem Urlaub für den Kindle entschieden und meine Argumente dagegen habe ich heute auch noch. Aber: ich habe keinen Platz mehr und mag auch meine alten Bücher nicht weggeben und ich lese fast immer Abends im Bett, das leichte E-Book ist da sehr angenehm und ich kann die Schrift auch größer stellen, so dass ich für mich im Bett damit wirklich den größeren Komfort habe, was sich darin zeigt, dass ich bedeutend mehr lese. Trotzdem verstehe ich jeden, der diese Form des Lesens ablehnt.
        Liebe Grüße Marlies

        Gefällt 1 Person

      • Ich lehne E-Bücher gar nicht grundsätzlich ab. Ich denke, daß beide BUCHFORMEN auskömmlich nebeneinander existieren können, so wie z. B. manuelle und elektrische Zahnbürsten.
        Nur der KONZERN, der hinter dem Kindle steckt, ist für mich als Buchhändlerin gelinde gesagt unerfreulich.
        Liebe Grüße Ulrike

        Gefällt 3 Personen

  10. Hatte mal nach beenden eines Romans von Joyce Carol Oates das Gefühl meine Familie verloren zu haben, das war schräg… unglaublich interessante Einblicke in’s Schreiben sowie Lesen, die du in deiner Rezension vermittelst… kennst du die Angst vor einem neuen Buch, wenn das ausgelesene so umwerfend war… danke für deinen Post 😀

    Gefällt 3 Personen

  11. Ich sags doch, die Amerikaner sind innovativer. Ein sehr interessantes Buch, viel Dinge wusste ich nicht, eigentlich gar nichts davon, ausser das Lesen gut tut!. Und eine Liste werde ich nicht erstellen, denn ich habe nicht vor zu sterben und wenn doch, brauche ich keine Liste 😉

    Tolle Rezension und das Buch kommt auf meine Liste !

    Gefällt 1 Person

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