Annabel und Anton

  • Tür an Tür in Haus Nr. 9
  • von Sigrid Zeevaert
  • Illustrationen von Eva Muszynski
  • Gerstenberg Verlag  Januar 2015     www.gerstenberg-verlag.de
  • 128 Seiten
  • Format: 16 x 21,5 c
  • gebunden
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A), 18,60 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5848-6
  • ab 7 Jahren zum Selbsterlesen
  • ab 5 Jahren zum Vorlesen
    Anabel und Anton

K L O P F Z E I C H E N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Einfühlsam und authentisch beschreibt die Autorin Sigrid Zeevart im ersten Kapitel, wie Annabel sich von ihrer Familie ungerecht behandelt fühlt, weil sie immer die einzige ist, die ihr Zimmer aufräumen muß. Außerdem hätte sie viel lieber ein Pony oder ein Pferd und KEINE zwei kleinen Brüder. Nachdem sie ausgiebig ihren Kater, die Möbel, den Teddy und ihre Puppe ausgeschimpft und immer noch nicht genug Wut abgeleitet hat, schleicht sie sich heimlich aus der Wohnung und wandert nach Afrika aus – allerdings nicht ganz, zuvor will sie doch noch einmal auf den nahegelegenen Spielplatz gehen und schaukeln.

Nachdem sie eine zukünftige berufliche Karriere als Schaukelprüferin in Erwägung gezogen und sich danach leider beim Abspringen von der Schaukel einen Fuß und ein Knie leicht verletzt hat, verschiebt sie ihre Reise nach Afrika vorläufig und humpelt wieder nach Hause. Die Welt ist zwar ungerecht zu Annabel, aber die mütterlichen Pfannkuchen schmecken trotzdem vorzüglich.

Am nächsten Tag sieht die Welt schon wieder etwas rosiger aus, Annabel hat ein paar brüderfreie Frühstücksminütchen mit ihrer Mutter, und in die leere Wohnung von nebenan ist eine neue Familie mit einem Kind eingezogen. Daß dieses Kind ausgerechnet ein Junge in ihrem Alter ist, findet Annabel jedoch wieder ungerecht – schließlich hat sie mit ihren kleinen Brüdern genug Jungs, die sie nur ärgern.

Zunächst freut sie sich jedoch auf den Abend, denn da kommt Lena, um auf die Kinder aufzupassen, während Annabelas Eltern ins Konzert gehen. Annabel bewundert Lena und stellt sich vor, später auch als Babysitterin zu arbeiten. Doch diesmal hat Lena schlimmen Liebeskummer und schläft weinend auf dem Sofa ein.Vorbildlich lieb und leise spielen Annabel und ihre Brüder Mensch-ärgere-dich-nicht – bis sich doch einer ärgert und das Spielbrett vom Tisch fliegt und eine Bodenvase anstößt, die daraufhin mit großem Getöse zu Bruch geht.

Nun sind alle wach und alle weinen. Zum Glück klingelt die neue Nachbarin besorgt und hilft Lena, die Scherben zusammenzufegen und die Kinder zu beruhigen.

Annabels Eltern verlangen am folgenden Tag von ihren Kindern eine originelle und – wie ich finde – sehr empfehlenswerte Art und Weise der Wiedergutmachung:Was, wenn sich jeder von euch etwas einfallen lässt, womit er anderen eine Freude macht?“ ( Seite 43)

Die Kinder sind begeistert, und Annabel beschließt, den Hund eines alten, schwerhörigen Nachbarn auszuführen und Anton zu fragen, ob er vielleicht mitkommen mag. Dann kann sie ihm auch gleich die nähere Umgebung zeigen und erklären, denn schließlich kennt er sich ja noch nicht aus. Anton nimmt Annabels Kontaktangebot freundlich an. Sie besichtigen den Spielplatz und die örtliche Bäckerei. Danach hilft Annabel Anton beim Auspacken der Umzugskartons. Schließlich schenkt Anton ihr auch noch einen glitzernden Stein, den er einmal in einer Höhle gefunden hat. Von Stund‘ an ist dieser Stein für Annabel ein ganz besonderer Wunschstein…

Die wachsende Verbundenheit mit Anton tut Annabel gut, sie kann über so manche Ungerechtigkeit hinwegsehen und fühlt sich besser wahrgenommen. Die beiden können einträchtig den Kopf schütteln über Lenas Liebeskummer und Wiederverliebung, sie finden den entlaufenen, schwerhörigen Hund des alten, schwerhörigen Nachbarn wieder, sie schmieden Weltreisepläne, und sie erkunden gemeinsam die geheimen Schätze des Dachbodens. Sie gehen zusammen zur Schule, und abends vorm Einschlafen geben sie sich heimlich Klopfzeichen von Wand zu Wand. Ein bißchen Herzklopfen ist auch mit dabei – doch das ist nur eine Nebenwirkung des Glücks.

Bei diesem Kinderbuch wird man als erwachsener Leser ganz wunderbar in die kindliche Perspektive versetzt, und als Kind fühlt man sich gewiß wunderbar verstanden und erkannt. Die erzählerische Inszenierung der kindlichen Weltsicht, der Gefühle und Gedanken ist hervorragend gelungen. Die Ausdrucksweise ist glaubwürdig und anrührend sowie zum Schmunzeln, nimmt jedoch – bei aller Heiterkeit – die kindlichen Bedürfnisse ernst.

Die quirligen Zeichnungen von Eva Muszynksi mit ihrem gefühlsbetonten mimischen Ausdruck spiegeln die psychologische Dramaturgie dieser Freundschaftsgeschichte überaus stimmig wider.

Annabel und Anton-Frühstück

Illustration Eva Muszynski © Gerstenberg Verlag 2015

Annabel und Anton-Nudeln

Illustration Eva Muszynski © Gerstenberg Verlag 2015

Annabel und Anton-Straßenszene

Illustration Eva Muszynski © Gerstenberg Verlag 2015

Annabel und Anton-Opernkleid

Illustration Eva Muszynski © Gerstenberg Verlag 2015

Annabel und Anton-Mütter

Illustration Eva Muszynski © Gerstenberg Verlag 2015

Die Autorin:

»Sigrid Zeevaert, geboren 1960, lebt mit ihrer Familie in Aachen. Schon während des Lehramtsstudiums begann sie mit dem Schreiben. Ihr erstes Buch (Max, mein Bruder) entstand als Teil der Abschlussprüfungen. Weitere Bücher folgten, und so führte sie ihr Weg statt in die Schule in die schriftstellerische Selbstständigkeit. Neben zahlreichen Kinder- und Jugendbüchern, die in viele Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet wurden, entstanden Texte für den Hörfunk, für Anthologien, ein Drehbuch und mehrere Kindertheaterstücke. Für ihr Gesamtwerk erhielt sie den Friedrich-Bödecker-Preis. Bei Gerstenberg ist von ihr erschienen: Liebe, liebe Fanni

www.sigridzeevaert.de

Die Illustratorin:

»Eva Muszynski wurde 1962 in Berlin geboren und studierte Grafikdesign an der Hochschule der Künste Berlin. Früher zeichnete sie Comics für Erwachsene, seit 1997 illustriert sie Kinderbücher, zu denen sie auch eigene Geschichten schreibt. Bei Gerstenberg ist von ihr erschienen: Gilberts grausiges Getier

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