Haben Bäume Rechte?

  • Plädoyer für die Eigenrechte der Natur
  • von Christopher D. Stone
  • Originaltitel: »Should Trees Have Standing?«
  • Übersetzung aus dem Englischen von Hanfried Blume
  • Akt 112, thinkOya 2014                      http://www.think-oya.de
  • 128 Seiten, Broschur
  • 10 €
  • ISBN 978-3-927369-81-8
    9783927369818.jpg Haben Bäume Rechte

N A T U R G E R E C H T I G K E I T

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die amerikanische Originalausgabe von „Haben Bäume Rechte“ ist im Jahr 1972 erschienen. Die Neuauflage dieses Klassikers des Umweltrechts ist nun in deutscher Übersetzung bei thinkOya erschienen. thinkOya ist ein Imprint der Drachen Verlag GmbH in Kooperation mit der Zeitschrift »Oya – anders denken. andersleben« http://www.oya-online.de/home/index.html .

Der Autor, Christopher D. Stone, ist Professor emeritus an der University of Southern California. Er studierte Rechtswissenschaften in Harvard und Yale und ist Experte für Eigentumsrecht und Internationales Umweltrecht. Er zählt zu den weltweit bedeutendsten Fürsprechern der Rechtsfähigkeit der Natur.

In der Einleitung seines Buches schreibt er: „Ich möchte hier den ernsthaften Vorschlag unterbreiten, den Wäldern, Ozeanen, Flüssen und anderen sogenannten Naturobjekten – ja, der natürlichen Umwelt insgesamt – eigene Rechte zu verleihen.“ (Seite 12)

Zwar gibt es Gesetze zum Schutze der Natur… Umweltschutzorganisationen sowie Bürgerinitiativen und Privatpersonen können z.B. eine Papiermühle wegen Wasserverschmutzungen verklagen, aber rechtliche relevant sind allein die menschlichen Interessen an sauberem Wasser, mögliche menschliche Gesundheitsgefährdungen oder kommerzielle Einbußen wegen schwindender Fischbestände. Der betroffene Fluß an sich hat jedoch keinen Unterlassungsanspruch und keinerlei Klage- oder Entschädigungsrecht.

Christopher D. Stone plädiert für die Installation von Rechtsvertretern, die sich – ähnlich der Vormundschaft bei nicht geschäftsfähigen Menschen – im Sinne des Wohlergehens und Schutzes der betroffenen Naturobjekte für deren Rechte einsetzen und Gefahren von ihnen abwenden.

Ist es so undenkbar, der Natur auf diese Weise eine juristische Bedeutung, Stimme und Eigenrechte zu verleihen? Ist es nicht längst überfällig?

Christopher D. Stone gewährt uns einen kurzen, lehrreichen Rückblick in die Rechtsgeschichte und beschreibt anschaulich, wie selbstverständlich es einst war, Sklaven, Frauen und Kindern keine Eigenrechte einzuräumen, und sie der Gnade und Willkür der weißen, männlichen und erwachsenen Rechtsinhaber auszusetzen. Bezogen auf Sklaven, Frauen und Kinder gab es einen gesellschaftlichen Bewußtseinswandel und dementsprechend neue Gesetze und Rechtmäßigkeiten.

Der Autor betrachtet ausführlich die rechtspraktischen Aspekte der wünschenswerten Legitimation von „Naturgerechtigkeit“. Anschließend geht er auf ethische, psychische und sozialpsychologische Seiten der Thematik ein, und er weist darauf hin, daß die Ausdehnung der Eigenrechte der Natur eine deutliche Reduktion des menschlichen Rechtes auf Ausbeutung, Mißachtung und Verwertung der Natur impliziert. Kurz – er verabschiedet sich und uns vom Wirtschaftswachstumswahn und seinen lebensleeren, falschen Versprechungen.

„Ein Großteil des sogenannten materiellen Komforts bedeutet nicht nur eine Übersteigerung der biologischen Bedürfnisse – er steht diesen sogar diametral entgegen.“ (Seite 67)

Angesichts der komplexen, wechselseitigen Lebens- und Stoffkreisläufe der Natur ist es lebenswichtig, die Erde als ganzheitlichen Organismus wahrzunehmen und zu respektieren. Christopher D. Stone spricht sogar von einer „Planetarisierung des Bewusstseins“:

„Und weil Gesundheit und Wohlergehen der Menschheit von der Gesundheit der Umwelt abhängen, werden sich die beiden Ziele so häufig wechselseitig fördern, dass man auf die Entscheidung verzichten kann, ob unsere grundlegende Handlungsmaxime darin liege, ›unser‹ Fortkommen zu betreiben oder das eines neuen ›Wir‹, das die Umwelt mit einschlösse.“
(Seite 62)

„Haben Bäume Rechte?“ ist ein sehr vordenkerisches und weise-weitsichtiges Buch, das jetzt noch aktueller und notwendiger ist als vor 42 Jahren.

Als dieses Buch1972 erschien, war ich acht Jahre alt und beweinte den alten Kirschbaum, den Nachbarn gefällt hatten, um mehr Licht für ihre Erdbeerpflanzen zu bekommen. Für mich war dieser Baum kein bloßes Objekt, sondern eine natürliche „Bezugsperson“, die ich liebend gerne verteidigt hätte.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://think-oya.de/buch/haben_baeume_rechte.html

PS:
thinkOya Akt: ›Akt‹ (von lat. agere, handeln) steht für Aktion, Ereignis, Handlung. Als philosophischer Begriff bezeichnet ›Akt‹ eine realisierte Wirklichkeit im Gegensatz zur ›Potenz‹, einer (noch) nicht manifesten Möglichkeit. In der Reihe » thinkOya Akt« erscheinen Aufklärungs-, Streit- und Flugschriften, die zu konkreten Handlungen anstiften. Jeder Band ist eine Ideenwerkstatt zu den drängenden Herausforderungen unserer Zeit. Im Weiterdenken und Aktivwerden der Leserinnen und Leser können diese Ideensamen zu konkreten Utopien heranreifen.

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