Anna und Anna

  • von Charlotte Inden
  • Carl Hanser Verlag,  Juli 2013                         http://www.hanser-literaturverlag.de
  • 174 Seiten, gebunden 12,90 €
  • ISBN  978-3-446-24172-5
  • Taschenbuchausgabe  dtv Februar 2015           http://www.dtv.de
  • 7,95 € (D), 8,20 € (A)
  • ISBN 978-3-423-62597-5
  • ab 12 Jahren
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H E R Z E N S B I L D U N G

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Anna und Anna“ von Charlotte Inden ist eine ausgesprochen entdeckenswerte Ausnahmeerscheinung auf dem gegenwärtigen Jugendbuchmarkt.

Ein Jugendbuch in Form eines Briefromans zu schreiben finde ich gewagt, aber in diesem Falle sehr gelungen. Die Gefühlsausdruckspalette geht weit über das belanglose E-Mail- oder SMS-minimalistische „hi, smile, grins“ hinaus und beschenkt uns mit solch schönen Wortschöpfungen wie: weihnachtswunschlosglücklich (Seite 144)

Oma und Enkelin tragen den gleichenVornamen, und sie haben ein wirklich inniges und vertrauensvolles Verhältnis zueinander. Oma Anna und Enkelin Anna schreiben sich wechselseitig Briefe, in denen sie sich sehr ehrlich und gefühlvoll berichten, was sie betrifft und bewegt.

Die junge Anna ist zum ersten Mal verliebt – in ihren Kindheitsfreund Jan, und die alte Anna ist zum letzten Mal verliebt – in  Henri. Beide Annas schreiben außerdem Briefe, die nie abgeschickt werden, die also mehr wie eine Tagebucheintragung oder ein gefühlsordnendes Selbstgespräch erscheinen.

Wir nehmen bei der Enkelin Anna teil an Liebesunsicherheiten und an der rührend-verletzlichen Aufregung über das Gelingen des ersten Kusses, aber auch an der Fürsorge und Anhänglichkeit gegenüber der Oma. Bei Oma Anna sind die Herzensangelegenheiten lebenserfahrungsbedingt zwar abgeklärter, gleichwohl hat auch sie viel Herzklopfen auszuhalten, zumal Henri sie zu einer abenteuerlichen Weltumsegelung einlädt.

Der abwechselnd alte und junge Blick auf die Geschehnisse ist sehr einfühlsam und glaubwürdig.

In diesem Jugendbuch geht es um das Lieben und Lassen, Binden und Lösen, Blühen, Reifen, Fruchten und Welken, Weinen und Lachen, zu denen das Leben uns alle immer wieder herausfordert. Selten habe ich ein Buch gelesen, das diese Themen in einer solch leisen und leichten, ja: in der Schwebe des Lebendigen gehaltenen Sprache wiedergibt.

Charlotte Inden vermittelt anschaulich, daß Briefe etwas ganz Wertvolles sind, besonders wenn sie so schön lebendig und wahrhaftig geschrieben werden wie in diesem Liebes-Briefroman.

Und nach der Lektüre solcher Briefe lassen sich hoffentlich einige (junge und alte) Leser dazu anregen und inspirieren, selbst  zur Feder zu greifen und ihren Empfindungen und Erfahrungen Wortgestalt zu geben.

 

PS:
Die Gestaltung des Titelbildes ist auffällig unauffällig und spiegelt bei aufmerksamer Betrachtung sehr präzise die Buchstruktur. Ein cremeweißer Hintergrund, der an altmodisches Briefpapier erinnert, wird von tintenblauen Linien durchzogen, die in Schreibschrift Titel und Autorin benennen und  kleine Wellenkräusel und ein Segelboot andeuten. Parallel zu den blauen Linien laufen rote Linien, die sozusagen den roten Faden illustrieren, der auf der Buchvorderseite von einem kleinen Herzen gekrönt wird und auf der Buchrückseite in einen Anker ausläuft.

 

Die Autorin:

»Charlotte Inden, geboren 1979, studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Film- und Fernsehwissenschaften in Marburg, London und Straßburg. Sie lebt mit ihrem Mann in Karlsruhe, arbeitet als Redakteurin bei einer Tageszeitung und hat eine Botschaft an die Welt:
Schreibt mehr Briefe!«

Dem kann ich nur zustimmen!

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