Mr Gum und die Kristalle des Unheils

  • Mr- Gum-Band 4
  • von Andy Stanton
  • Aus dem Englischen von Harry Rowohlt
  • Mit Illustrationen von David Tazzyman
  • dtv junior Verlag, Dezember 2013                                                           http://www.dtv.de
  • 216 Seiten, 6.95 €
  • ISBN 978-3-423-71574-4
  • ab 8 Jahren
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WIEDERHOLTE  WIEDERHOLUNG

Buchbesprechung von Ulrike Sokul©

Wollen Sie zuerst die gute Nachricht oder erst die schlechte Nachricht hören?

Ich rege an, daß wir mit der guten beginnen: Lesen Sie bitte meine ausführliche Besprechung der ersten drei Mr-Gum-Bände:

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/10/21/mr-gum-band-1-bis-3/

Ich warte hier ganz geduldig… aber nicht länger als eine Viertelstunde.

So, jetzt ist es Zeit für die schlechte Nachricht: Der vierte Mr-Gum-Band reicht nicht an die ersten drei Bände heran, er ist deutlich charakterschwächer und etwas handlungsfadenscheinig.

Das gutherzige Mädchen Polly  genießt einen schönen Hochsommertag, und Jakob, der beliebteste Hund in Pollys Heimatstadt Bad Lamonisch an der Bibber, buddelt beim Buddeln einen Beutel aus der Erde heraus.

Auf dem Beutel steht eine Jahreszahl: 1559, und in dem Beutel befinden sich ein rosa und ein weißer Kristall. Da Polly den Mächten des Guten verpflichtet ist, spürt sie, daß mit den hübsch funkelnden Kristallen irgendetwas nicht stimmt. Trotzdem nimmt sie die Steine mit und legt sie zu Hause in ihr leeres Schmuckkästchen.

In der folgenden Nacht träumt sie, daß die Kristalle sie telepathisch-hypnotisch dazu überreden wollen, zu einer WINDMÜHLE zu gehen. Tapfer wehrt sie sich gegen diese Manipulation des Bösen, muß jedoch am nächsten Morgen mit Schrecken feststellen, daß sie in der Nacht tatsächlich einen Ausflug zur Windmühle unternommen hat, denn sie trägt ein Souvenir-T-Shirt mit der Aufschrift: „Ich bin zur Windmühle geschlafwandelt…“ ( Seite 41)

Empört beschließt Polly, sich Rat bei Uromimi zu holen, denn die anderen Helden und Helfershelfer der Mächte des Guten –  Freitag O’Leary und Frau Lieblich, sind gerade auf Hochzeitsreise in Spanien. Und vom geheimnisvollen Geist des Regenbogens – dem Supersegensbringer –  ist zu diesem Zeitpunkt der Geschichte auch kein kleinster Schimmer zu erkennen.

Von Kapitel 3 bis Kapitel 11 versucht Polly, Uromimi zu besuchen, landet aber immer wieder vor der gruseligen Windmühle. Es sind dementsprechend kurze Kapitel, die jedoch durch die eintönige Wiederholung der Wiederholung von Wiederholung zu Wiederholung meine Lesegeduld ausgesprochen wiederholt strapaziert haben.

Im 12. Kapitel lauert der olle Mr Gum Polly auf, um ihr die Kristalle abzuluchsen und sie dazu zu überreden, sich den Mächten der Finsternis anzuschließen. Es kommt zu einer Verfolgungsjagd, und kurz bevor Mr Gum und der fiese Willi Wilhelm Polly einholen, wird sie von Uromimi durch eine geheime und wortwörtliche Eichentür in einen Geheimgang gelotst.

Von Uromimi, die sich mit der vergangenen Vergangenheit gut auskennt, erfährt Polly von einer alten Prophezeiung, die mit der Windmühle, den Kristallen und dem Fluch eines Nicholas de Funckelkeks zusammenhängt. Wieder einmal steht das Leben von ganz Bad Lamonisch an der Bibber auf dem Spiel. Wiederholt mahnt Uromimi, daß die Vergangenheit dazu neigt, sich zu wiederholen.

Um es kurz zu machen: Gut und Böse wetteifern um ihre Einflußrechte, Polly hat auch eine schattige Herzensseite, Björn Schneyder – der Lebkuchenmann – verkrümelt sein Leben beim Versuch, den Fluch aufzuhalten. Schreckliche Schrecken scheinen unvermeidlich, bis Jakob, Freitag O’Leary, Frau Lieblich und ein spanischer Esel mit Hilfe des Geistes des Regenbogens den bösen Fluch in einen guten Fluch umwandeln.

Die Wiederlinge Mr Gum und Willi Wilhelm haben mal   w i e d e r   das Nachsehen.

Zum guten Schluß wird Björn Schneyder nach seiner feierlichen Beerdigung „Asche zu Asche… Krümel zu Krümel“ (Seite 201) als Sahnehäubchen des Geschichtenglücks auf unerklärlich-wundersamem Wege neu geboren bzw. gebacken.

Während meiner Meinung nach im 4. Band (im Vergleich zu den  drei Vorgängerbänden)  –  ich darf mich auch mal wiederholen – sowohl die Charaktere als auch die Handlung schwächeln, ist Andy Stanton wenigstens den witzigen Wortspielen und typographischen Spezialeffekten treu geblieben, und er spart auch nicht am onomatopoetischen Textdekor.

Onomatopoetisch ist der Fachbegriff für aus dem Comicgenre stammende fettgedruckte Geräuschillustrationen wie z.B. PLATSCH! ZISCH! DING-DONG! Und bemeckern Sie hier ja nicht meinen Fremdworteinsatz; bei mir gilt immer noch der Grundsatz: LESEN BILDET!

Die treffsicheren Zeichnungen von David Tazzyman sind nach wie vor eine gelungene visuelle Begleiterscheinung zum Text.

Also kurz und gnadenlos:  Die ersten drei Mr-Gum-Bücher kann ich wärmstens empfehlen und den vierten Band nur lauwarm!

Aber das muß nicht das Ende vom Ende sein: Vielleicht klopft die Geschichtenfee * dem Verfasser mit der Bratpfanne auf den Kopf, und im fünften, sechsten, siebten und achten Band  – so viele sind jedenfalls schon in der Lesewarteschlange  – sprießen dann wieder die buntesten, fantastischsten, komischsten und geschichtigsten Geschichten hervor.

Ich sehe der weiteren Lektüre mit gelassener Zuversicht entgegen – so leicht lasse ich mich nicht abschrecken.

(*siehe Band 1, Seite 12:  Mr Gums Gartenfee)
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/10/21/mr-gum-band-1-bis-3/

Der Autor:

»Andy Stanton lebt in London. Nach einem abgebrochenen Englischstudium in Oxford arbeitete er unter anderem als Stand-up-Comedian, Drehbuchautor und Cartoonzeichner. ›Sie sind ein schlechter Mensch, Mr Gum‹ ist sein erstes Buch.«

Der Illustrator:

»David Tazzyman lebt in Süd-London mit seiner Freundin Melanie und seinem (und ihrem) Sohn Stanley. Er wuchs in Leicester auf, studierte Illustration an der Manchester Metropolitan University und bereiste dann Asien, bevor er 1997 nach London zog. «

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