Die Herrlichkeit des Lebens

  • von Michael Kumpfmüller
  • Kiepenheuer & Witsch, Köln, August 2011
  • ISBN 978-3-462-04326-6
  • 240 Seiten, 18,95 €
  • Taschenbuchausgabe bei Fischer, Januar 2013
  •  ISBN 978-3-596-19360-8
  • 9,99 €
    Herrlichkeit


UND WENN SIE AUCH GESTORBEN SIND, SO LIEBEN SIE NOCH HEUTE!

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

In „Die Herrlichkeit des Lebens“ widmet sich Michael Kumpfmüller Kafkas letztem Lebensjahr und seiner Begegnung mit Dora Diamant, die ihn bis zu seinem Tod treu und hingebungsvoll begleitet.

Im Sommer 1923 verbringt Franz Kafka in schwesterlich-familiärem Kreis einige Wochen zur Erholung in einem Ostseebad und lernt dort Dora Diamant kennen und lieben. Die beiden Verliebten sind sich gegenseitig Wunder und Geschenk, Sehnsucht und Erfüllung und ziehen gemeinsam nach Berlin.

Die äußeren Bedingungen sind alles andere als rosig: Weimarer Republik, Hyperinflation, schwierige Wohnverhältnisse, antisemitische Gesellschaftstendenzen, abzuwehrende familiäre Einmischungsversuche, schriftstellerische Selbstzweifel, sehr bescheidene Finanzen, die zunehmende körperliche Schwäche Kafkas und schließlich der Neuausbruch seiner Tuberkulose. Es folgen Sanatoriumsaufenthalte und vergebliche Therapieanstrengungen, bis Kafka schließlich in Doras Armen stirbt.

Doch was der Liebesgeschichte an zeitlicher Dauer fehlt, macht sie durch tiefe Empfindsamkeit, ein überaus zartfühlendes seelisches Einverständnis und eine lichte Liebesgewißheit wett. Die beiden lieben sich über alle Widrigkeiten und Schwierigkeiten hinweg, freuen sich an kleinsten Kleinigkeiten und sind dankbar für jeden Tag, den sie noch miteinander teilen können. Dora und Franz stellen sich mit tapferer Aufrichtigkeit der Verletzlichkeit des Lebens.

Michael  Kumpfmüller  gelingt in diesem  Roman das Kunststück, den Personen Franz  Kafkas und Dora Diamants ganz den Vortritt zu lassen; diese sprachliche und inhaltliche Anschmiegsamkeit an die Charaktere ist wunderbar und von einer selten zu lesenden Selbstlosigkeit. Mein erster Impuls nach der Lektüre war es, Kafka wieder neu zu lesen und neu zu entdecken; erst mein zweiter Impuls war der, nach weiteren Büchern von Herrn Kumpfmüller Ausschau zu halten.

Ausgesprochen schön ist in diesem Werk zudem die Ausgewogenheit von männlicher und weiblicher Liebesperspektive.

Von Dumas ist folgendes Zitat überliefert: „Durch die Liebe und den Tod berührt der Mensch das Unendliche.“ Diese Unendlichkeit anzudeuten und zart zwischen den Zeilen mitschwingen zu lassen – das ist Micheal Kumpfmüller mit diesem Text sehr gut geglückt.

Mein Fazit: Ein beeindruckend berührendes Buch, das ich nur wärmstens empfehlen kann, und eine atmende, poetische und feine Sprache, die mich zu Tränen gerührt hat.

Der Autor:

»Michael Kumpfmüller, geboren 1961 in München, lebt als Schriftsteller in Berlin. Im Jahr 2000 debütierte er mit dem viel diskutierten Ost-West-Roman Hampels Fluchten. 2003 folgte das zweite Buch Durst nach einem wahren Kriminalfall, 2008 der Gesellschaftsroman Nachricht an alle, der mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet wurde.«

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2 Kommentare zu “Die Herrlichkeit des Lebens

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