Deine Juliet

  • von Mary Ann Shaffer
  • und Annie Barrows
  • Originaltitel: »The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society«
  • Deutsch von Margarete Längsfeld und Martina Tichy
  • Rowohlt Taschenbuch Verlag, Oktober 2009  http://www.rowohlt.de
  • 978-3-499-24593-0
  • 296 Seiten
  • 8,95 €
  • ISBN 978-3-499-24593-0
    978-3-499-24593-0.jpg Deine Juliet

B R I E F E    Ü B E R    B R I E F E

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Mary Ann Shaffers charmanter und kluger Briefroman „Deine Juliet“ hat mich begeistert und entzückt: Eine Geschichte für Büchermenschen, Lesewesen und Briefliebhaber.

Die eigenwillige Juliet Ashton lebt 1946 als Schriftstellerin in London und sucht Material für ein neues Buch. Eines Tages bekommt sie einen überraschenden Brief von Dawsey Adams, der vor einigen Jahren antiquarisch ein Buch aus Juliets Besitz erworben und diesem Buch ihre Anschrift entnommen hat. Er lebt auf der Kanalinsel Guernsey und bittet Juliet um die Vermittlung eines Buchhandelskontaktes, um weitere Bücher zu erwerben.

„Das ist es, was ich am Lesen so liebe; an einem Buch interessiert einen eine winzige Kleinigkeit, und diese Kleinigkeit führt zu einem anderen Buch, und etwas in diesem führt wiederum zu einem dritten Buch. Es ist geometrisch progressiv – es ist kein Ende in Sicht …“

Es entwickelt sich ein schönes und interessantes Briefgespräch zwischen den beiden. Juliet erfährt von den schwierigen Lebensbedingungen auf Guernsey, das zwischen 1940 und 1945 von den Deutschen besetzt war. Da Lebensmittel sehr knapp waren und die Besatzungsmacht äußerst buchhalterisch jedes Stück Vieh dokumentierte, erforderte es viel Raffinesse ein Tier zum eigenen Verzehr abzuzweigen.

Dawsey nahm mit einigen Freunden und Nachbarn an einem solchen heimlichen Fest- schmaus teil, und die angenehme Gesellschaft sowie  die ungewohnte Sättigung ließen die Gäste die Sperrstunde vergessen. Prompt wurden sie auf dem Heimweg von deutschen Soldaten erwischt, und nur dank der Geistesgegenwart von Elisabeth McKenna kamen sie mit einer harmlosen Verwarnung davon.

Elisabeth behauptete einfach, sie hätten beim Literaturtreffen so begeistert über einen in Deutschland spielenden Roman gesprochen, daß sie die Zeit vergessen hätten. Der geschmeichelte Offizier drückte ein Auge zu, jedoch nicht ohne seine zukünftige Teil- nahme an weiteren Treffen anzudrohen.

Nun mußten alle „Mitesser“, ob sie wollten oder nicht, zu „Mitlesern“ werden.

Eilig kauften sie die letzten Bücher, die es in der Inselbuchhandlung noch gab, um eine glaubwürdige Bibliothek vorweisen zu können, und begannen in vierzehntägigem Rhythmus mit den Treffen der „Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalen- auflauf“.

Juliet möchte gerne ein Buch über den Guernsey Literaturclub schreiben, und Dawsey vermittelt ihr Briefkontakte zu mehreren Mitgliedern des Clubs, die ihre Buchentdeckungen und ihre Erfahrungen mit der Besatz- ungszeit schildern. Es folgt ein lebhafter und sehr vielstimmiger Brief- wechsel, der geschickt viele kleine Einzelschicksale und Charakterpers- pektiven zu einem Gesamtbild fügt, und schließlich reist Juliet nach Guernsey, um die Menschen und den Ort persönlich kennenzulernen.

Trotz der zum Teil tragischen Elemente ist die Grundstimmung des Romans zuversichtlich, humorvoll, warmherzig und von einer bezaubernden, luftigen Eleganz.

Die Geschichte erinnert etwas an Helene Hanffs Buch „84, Charing Cross Road“, jedoch mit viel mehr Handlung und vor allem mit viel mehr Liebesleben.

Ich verrate hier natürlich nicht, wer wen am glücklichen Ende heiratet, denn das würde der an Jane Austens Herzenseinfädelungen erinnernden Liebesverunsicherung die romantische Spannung nehmen.

„Bin ich zu anspruchsvoll? Ich will nicht heiraten, nur um verheiratet zu sein. Ich kann mir nichts Einsameres vorstellen, als den Rest meines Lebens mit jemandem zu teilen, mit dem ich nicht reden oder, schlimmer noch, mit dem ich nicht schweigen kann.“

 

PS:
Die obig vorgestellte und abgebildete Rowohlt-Ausgabe ist inzwischen vergriffen.

Im Juni 2016 ist das Buch bei btb (Verlagsgruppe Randomhouse) wieder aufgelegt worden und im November 2015 ist auch die Taschenbuchausgabe bei btb erschienen.

 

  • Deine Juliet                                                                                               
  • von Mary Ann Shaffer und Annie Barrows
  • Originaltitel: »The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society«
  • Aus dem Amerikanischen von Margarete Längsfeld und Martina Tichy
  • Taschenbuch
  • 304 Seiten
  • Format: 11,8 x 18,7 cm
  • 10,00 € (D), 10,30 € (A), 14,50 sFr.
  • ISBN: 978-3-442-71384-4

Hier entlang zum Buch auf der btb-Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Deine-Juliet/Mary-Ann-Shaffer/btb-Taschenbuch/e491594.rhd

Die Autorinen:

»Mary Ann Shaffer wurde 1934 in Martinsburg, West Virginia geboren. Sie arbeitete als Buchhändlerin und Bibliothekarin. Leider erlebte sie den ungeheuren Erfolg ihres ersten Romans nicht mehr. Deine Juliet erschien wenige Monate nach ihrem Tod. Ihre Nichte Annie Barrows, die sich bereits als Kinderbuchautorin einen Namen gemacht hat, half ihr kurz vor ihrem Tod bei der Fertigstellung des Buches.«

»Annie Barrows, geboren 1962 in San Diego, Kalifornien, schrieb gemeinsam mit ihrer Tante den Überraschungserfolg »Deine Juliet«. Der charmante Roman über den Briefwechsel der temperamentvollen jungen Schriftstellerin Juliet und dem Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf entwickelte sich zum Longseller. Annie Barrows lebt in Berkeley, Kalifornien.«

 

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Firmin

  • von Sam Savage
  • Aus dem Amerikanischen von
  • Susanne Aeckerle, Marion Balkenhol und
  • Hermann Gieselbusch mit Katrin Fieber
  • Ullstein Verlag 2006   http://www.ullstein.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag und LESEBÄNDCHEN
  • 211 Seiten
  • 16,90 €
  • ISBN 978-3-550-08742-4
  • Taschenbuch Oktober 2009 List Verlag http://www.list-taschenbuch.de
  • 8,95 €
  • ISBN 978-3-548-60921-8
  • leider sind beide Ausgaben inzwischen restlos vergriffen
    9783548609218_cover.jpg Frimin groß

NENNT  MICH  LESERATTE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ein sehr belesenes Buch!

Die kleine Ratte, die auf den Papierfetzen von „Finneganns Wake“, das Licht der Welt bzw. das Flimmerlicht einer Neonröhre im Keller einer Antiquariatsbuchhandlung erblickt –  das ist Firmin, der tierisch literarische Held des Romans von Sam Savage.

Wir schreiben die frühen sechziger Jahre, und die Buchhandlung befindet sich in einem heruntergekommenen Stadtteil, dem Scollay Square in Boston.

Firmin ist etwas zarter besaitet als seine zwölf Geschwister und bekommt zu wenig Rattenmuttermilch. Der Hunger treibt ihn dazu, Bücher anzunagen, und nach einiger Zeit entdeckt Firmin bei dieser Bücherdiät, daß er lesen kann.

Während seine Geschwister und seine Mutter das Nest verlassen, richtet sich Firmin, wissenshungrig und neugierig, in der Zwischendecke der Buchhandlung ein, beobachtet das Geschäftsleben, lernt die Stammkunden kennen, lauscht den Gesprächen der Menschen und verfolgt in der Zeitung die Pläne der Stadtverwaltung, den Scollay Square komplett abzureißen.

„Dieser Spalt in der Decke in Form eines C wurde einer meiner Lieblingsplätze. Er diente mir als Fenster zur Menschenwelt, mein erstes Fenster. Es glich einem Buch – man konnte dadurch in Welten schauen, die nicht die eigene waren.“ (Seite 49)

Firmin entwickelt eine leider gänzlich unerwidert bleibende Anhänglichkeit an den Ladenbesitzer Norman. Außerdem hofft er auf eine Seelenverwandtschaft mit Jerry, einem erfolglosen Schriftsteller, der in einer Wohnung im gleichen Haus lebt und der einen Roman über außerirdische und hochzivilisierte Ratten geschrieben hat.

Durch ausgiebige Lektüre und heimliche nächtliche Kinobesuche bildet sich Firmin weiter: „Mein Verstand wurde schärfer als meine Zähne.“ In seinen Tagträumen bewegt er sich auf Augenhöhe zwischen Charakteren aus den Klassikern der Weltliteratur und führt geistreiche Gespräche.

Firmin lebt ein einsames Leben, er ist der unbeobachtete Beobachter und der absolute Außenseiter. Seinen Artgenossen ist er zu humanistisch, und Menschen sehen nur ein Tier –  ja sogar Ungeziefer –  in ihm. Die Unmöglichkeit einer „zwischenmenschlichen“ Begegnung wird leidensgekrönt durch seine unglückliche Verliebtheit in Ginger Rogers:

Unerwiderte Liebe ist schlimm genug, aber unerwiderbare Liebe kann einen richtig fertig machen. Ich aß dann zwei Tage nichts. Ich las Byron. Ich las „Sturmhöhe“. Ich nannte mich Heathcliff. Ich lag auf dem Rücken. Ich betrachtete meine Zehen. Anschließend stürzte ich mich voller Energie in die Arbeit. Ich wurde Jay Gatsby. Ich war nicht unterzukriegen. Ich ging weiter meinen Geschäften nach. Äußerlich blieb ich der nette Typ, wer ahnte schon, dass sich in meiner Brust ein gebrochenes Herz verbarg?“  (Seite 83)

Firmins geistige Größe steht im krassen Gegensatz zu seiner wortwörtlichen Sprach- losigkeit, doch er sucht tapfer nach einer Möglichkeit, die Sprachbarriere zu über- winden. Schließlich kommt er auf die Idee, sich der Taubstummenzeichensprache zu bedienen, ein entsprechendes Handbuch hat die Buchhandlung auf Lager. Nach komplizierten Proben, in denen er unter Ganzkörpereinsatz eine menschliche Hand darzustellen versucht, reichen seine Fähigkeiten jedoch nur für zwei leserliche Zeichen: „Auf Wiedersehen“ und „Reißverschluß“.

Dieser verzweifelte Kontaktversuch geht ziemlich schief, aber Jerry findet den verletzten Firmin und adoptiert ihn als Haustier. So kommt die Leseratte zu geregeltem Frühstück mit Kaffee, zu abendlichem Rotwein und ungestörtem Lektüregenuß – nur zum ersehnten Gespräch kommt es nie. Alle Gedanken, klugen Antworten und kultivierten Bonmots bleiben verborgen in Firmins Kopf. So müssen auch wir Leser davon ausgehen, daß Firmin seine uns vorliegende Biographie eigentlich nur in Gedanken schreibt.

Die Lebensgeschichte Firmins wird wortgewandt, melancholisch und selbstironisch erzählt, und es wimmelt von literarischen Anspielungen, die eine nicht unbeträchtliche Belesenheit voraussetzen.

Ich bin sehr begeistert vom kleinen, großen Firmin!

 

Der Autor:

»SAM SAVAGE wurde in South Carolina geboren und lebt heute in Madison, Wisconsin. Er promovierte in Philosophie, unterrrichtete auch kurzfristig, arbeitete als Tischler, Fischer, Drucker und reparierte Fahrräder. FIRMIN ist sein erster Roman.«

 

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Das Buch der Kinder

  • von A.S. Byatt
  • Originaltitel: »The Children’s Book«
  • Übersetzung aus dem Englischen von Melanie Walz
  • S. Fischer Verlag, September 2011  http://www.fischerverlage.de
  • 896 Seiten
  • gebunden
  • mit rotem LESEBÄNDCHEN
  • 26,00  € (D) , 26,80 € (A), 36,50 sFr.
  • ISBN 978.3-10-004417-4
    u1_978-3-10-004417-4.2097263.jpg Das Buch der Kinder

K I N D E R K A R U S S E L L

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Was für ein opulentes, kultiviertes  und ästhetisch gedecktes Lesebüfett!

A.S. Byatt erzählt die Geschichte von fünf Familien, die miteinander verwandt, verschwägert und befreundet sind – komplexe Beziehungsgeflechte, die auch um individuelle Freundschaften zu vielen weiteren Menschen ergänzt werden.

Dieser üppige Personenreigen, der von 1895 bis 1919 in England und teilweise auch in Deutschland seine Lebensläufe entfaltet, besteht u. a. aus Schriftstellern, Kunsthand- werkern, Sozialisten, Freidenkern, Anarchisten, Journalisten, Bankiers und Marionettenspielern. Die Erwachsenen begeistern sich für sozialreformerische, neue Gesellschafts – und Beziehungsformen und teilen die künstlerischen Ideale der „Arts and Crafts“ – Bewegung, die von William Morris, John Ruskin und vielen weiteren Kunst- und Kunsthandwerkschaffenden ins Leben gerufen wurde.

Der Roman schüttet ein Füllhorn an idealistischen Vorstellungen und „Zeitgeistern“ des Fin de siècle vor dem Leser aus. Viele Themen und Ideen kommen zu Wort oder werden durch bestimmte Personen, die sich ihnen verschrieben haben, illustriert und in Szene gesetzt. Es geht um Spannungen zwischen bürgerlichen und unkonventionellen Lebens- entwürfen, Klassenunterschiede und ihre Überwindungsmöglichkeiten, die Frauen- wahlrechtsbewegung, Kapitalismuskritik, sexuelle Emanzipation, Kontroversen zwischen Naturverbundenheit und Technikgläubigkeit und Marionettenmetaphysik.

Dabei liegt der Schwerpunkt des Romans auf der Entwicklung der Kinder, die den Wider- sprüchen und Auswirkungen der unkonventionellen Beziehungsexperimente ihrer Eltern ausgesetzt sind. Es gibt dunkle Geheimnisse, zahlreiche Verstrickungen, eheliche, uneheliche und Kuckuckskinder.

Gleich zu Beginn des Romans im Jahre 1895 lernen wir drei dieser Kinder kennen, deren Schicksal und das ihrer jeweiligen Geschwister wir bis zum Jahre 1919 erlesen werden:

Julian Cain führt den etwas jüngeren Tom Wellwood durch das South Kensington Museum und macht ihn auf einen ärmlich gekleideten Jungen aufmerksam, der die ausgestellten, kunsthandwerklichen Exponate abzeichnet. Toms Mutter, Olive Wellwood, ist zu Besuch bei Julians verwitwetem Vater, Prosper Cain. Prosper Cain arbeitet als Kustos des Museums, und Olive Wellwood ist eine erfolgreiche Autorin von Zaubermärchen für Kinder und Erwachsene. Sie ist auf der Suche nach einem inspirierenden Kunstschatz als Ausgangspunkt für eine neues Märchen und führt diesbezüglich mit Prosper Cain ein Gespräch.

Julian und Tom verfolgen derweil den geheimnisvollen Jungen und stöbern ihn in seinem Versteck in den Kellerräumen des Museums  auf. Er stellt sich den beiden als Philip Warren vor und gesteht, daß er seit Wochen heimlich im Museum wohnt, sich von Essensresten aus dem Tearoom ernährt und Zeichnungen anfertigt, mit denen er hofft, sich eine ehrliche Arbeit verschaffen zu können. Er zeigt Tom und Julian sein Skizzenheft, und Julian beschließt, Philip zu helfen.

Sie bringen den Ausreißer zu Julians Vater, der mit Toms Mutter beim Tee sitzt und plaudert. Philips Skizzenheft beeindruckt die Erwachsenen sehr, und nachdem sie den Jungen abgefüttert und ausgefragt haben, beschließt Olive Wellwood, Philip vorläufig in ihrer kinderreichen Familie aufzunehmen. Sie wird ihre Beziehungen spielen lassen, um ihm seinen Herzenswunsch zu erfüllen, das Töpferhandwerk zu erlernen.

Nach einem kurzen Aufenthalt im Haushalt der Wellwoods wird er an einen berühmten, aber extrem launischen und geschäftsuntüchtigen Kunsthandwerkstöpfer weitervermittelt. Philip ist dankbar, und er nutzt die Chance, die ihm geboten wird. Er lernt und übt, entdeckt neue Glasurtechniken und geht ganz in seiner Berufung auf.

Der sehr naturverbundene und menschenscheue Tom weiß  nicht, was er werden will. Nach einem traumatischen Erlebnis im Internat verweigert er sich jeglichem akademischen Streben und streift noch als junger Erwachsener verträumt durch die umliegenden Wälder.

Toms Schwester Dorothy dagegen weiß, daß sie Ärztin werden will, was zu dieser Zeit noch ein schwieriges und hürdenreiches Unternehmen für eine Frau bedeutet.

Julian, der jahrelang heimlich in Tom verliebt ist, wird studierter Ästhet und schreibt eine Dissertation über englische Bukolik und später auch eigene Gedichte.

Ich habe hier nur einen Bruchteil der Figuren gestreift, die diesen Roman füllen und beleben.

A.S. Byatts Sprache ist feinsinnig, wortgewandt und einfühlsam bei und mit ihren Charakteren und ihrem jeweiligen Temperament und Lebensgefühl. Sie bringt jede Person so zur Geltung, daß wir sie kennenlernen, die Eigenarten und Talente nehmen greifbar und differenziert Gestalt an. Die Figuren wachsen, reifen, erleben Gelingen und Scheitern, Rettung und Verrat und entwickeln sich glaubwürdig und spannend.

„Das Buch der Kinder“ ist ein sinnlicher Roman, detailverliebt ausführlich sowohl in der Darstellung der Charaktere als auch in der Wiedergabe alltäglicher und künstlerischer Gegenstände, der Räume, Möbel, Kleidungsstile, Schmuckstücke, Buchumschläge und Illustrationen, Keramikgefäße und Skulpturen, Stoffe, Farben, Muster, Texturen und Ornamente.

Es ist ein hochinteressantes, lebendiges und wissensvolles Buch, das sich nicht für die Lektüre in kleinen Häppchen vor dem Schlafen eignet, sondern für ausführliche Schmökersofastunden, in denen man sich ganz auf die komplexe Geschichte und die vielfältigen und verschlungenen Wege einlassen kann.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.fischerverlage.de/buch/a_s_byatt_das_buch_der_kinder/9783100044174

 

PS:
Das am Ende des Buches aufgelistete Namensverzeichnis der Romanpersonen ist sehr sinnvoll und hilfreich, wäre jedoch  in Form eines beweglichen Lesezeichens der Lektüre-unterstützung dienlicher gewesen. Es ist  beschwerlich –  im wahrsten Wortsinne –  die vielen Seiten immer wieder im Ganzen umzublättern und dabei die Buchbalance  nicht zu verlieren.

Die Autorin:

»A.S. Byatt gelangte mit ihrem Roman „Besessen“, der 1990 mit dem Booker-Preis ausgezeichnet wurde, zu Weltruhm. Ihr Werk umfasst neun Romane, zahlreiche Erzählungen und literaturkritische Texte; für ihr ‚Schaffen wurde sie vielfach ausgezeichnet und 1999 von der Queen zur „Dame Commander oft he British Empire“ ernannt.
A.S. Byatt kam 1936 in Yorkshire zur Welt, hat drei Töchter und lebt in London.«

Die Übersetzerin:

»Melanie Walz, geboren 1953 in Essen, wurde für ihre A.S. Byatt-Übertragungen mit dem Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt Übersetzerpreis ausgezeichnet. Außerdem übersetzte sie Jane Austen, Charles Dickens, F. Scott Fitzgerald, Marcel Proust, Michael Ondaatje, Lawrence Norfolk, Annie Proulx und viele andere mehr.«

QUERVERWEIS:

Harmonisch-ergänzend möchte ich noch den sehr einfühlsamen, detailgetreuen und stilsicheren Künstlerrroman „KONZERT OHNE DICHTER“  von Klaus Modick empfehlen, der von den Lebens- und Liebesverhältnissen und Auseinandersetzungen der Worpsweder Künstler und Künstlerinnen und der Freundschaft zwischen dem Maler Heinrich Vogeler und dem Dichter Rainer Maria Rilke berichtet.
Hier entlang zu meiner Besprechung:  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/19/konzert-ohne-dichter/

 

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Rotkäppchen muss weinen

  • von Beate Teresa Hanika
  • Fischer Schatzinsel  November 2010       http://www.fischerverlage.de
  • Taschenbuch
  • 222 Seiten
  •  6,95 €
  • ISBN 978-3-596-80858-8
  • ab 12 Jahren
    u1_978-3-596-80858-8.342996.jpg Rotkäppchen

DAS  SCHWEIGEN  ENTHÜLLEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Rotkäppchen muss weinen“ ist ein überaus lesenswertes und äußerst wissenswertes Buch, das mehrfach in jeder Stadt- und Schulbibliothek vorrätig sein sollte!!!

Die Geschichte beginnt kurz vor Malvinas vierzehntem  Geburtstag.

Sie besucht ihren Opa, der seit kurzem verwitwet ist, und erschrickt, als sie bemerkt, daß sie allein mit ihm in der Wohnung ist. Der Großvater nennt sie seine Lieblingsenkelin und macht ihr Komplimente, die etwas verstörend Zweideutiges haben, und er küßt sie auf den Mund. Dann klingelt es, und ihr Vater und ihre große Schwester holen sie ab. Auf der Fahrt nach Hause beschwert sich Malvina darüber, daß der Opa sie geküßt hat, aber niemand nimmt ihren Hilferuf zur Kenntnis.

Auch ihr großer Bruder, der am Wochenende zu Besuch kommt, begreift nicht, warum sich seine kleine Schwester so über Opas Küsse aufregt, und verlangt, genau wie der Rest der Familie, daß sie doch ihren einsamen alten Opa, besonders nach Omas Tod, weiterhin regelmäßig besuchen soll.

Malvina erstickt fast an ihrer unsagbaren Not, und zugleich spaltet sie den bereits erlittenen Mißbrauch von sich ab und löscht ihre schlimmen Erinnerungen, weil niemand sie verstehen will.

Nicht sehen, nicht hören, nicht wissen wollen: Das ist der familiäre und zugleich durchaus gutbürgerliche familiäre Hintergrund von Malvina, die seit ihrem siebten Lebensjahr von ihrem Großvater mißbraucht wird.

Langsam entfaltet die Autorin das schreckliche Ausmaß des kindlichen Ausgeliefertseins, und die sensible und subtile Erzählweise führt zu einer überwältigenden Nähe zum Erleben des Kindes.

Als  Gegenpol zur familiären Ignoranz hat Malvina jedoch eine wirklich beste Freundin, Lizzy, mit der sie viele schöne und lustige Erfahrungen macht, z.B. erobern sie sich eine leerstehende, baufällige Villa als Geheimtreffpunkt und zanken sich mädchenbandenmäßig mit einigen gleichaltrigen Jungs.

Zwischen Malvina und Klatsche, einem der Jungs, die einst ihre Villa belagert hatten, entwickelt sich eine ganz zarte Annäherung und Verliebtheit.

Außerdem gibt es noch Frau Bitschek, die Nachbarin von Malvinas Opa, eine sogenannte einfache Frau, die vom Opa verachtet wird, die aber sehr herzlich und feinfühlig auf Malvine eingeht und die aufgrund eigener Erfahrung mit Kindesmißbrauch Malvina ihre Hilfe und Unterstützung anbietet und ihr eindringlich vermittelt, daß sie über das, was ihr geschieht, reden muß, um es beenden zu können.

Malvina kann erst nach und nach die ganze Erinnerung an die Mißbrauchserfahrungen zulassen, sie vergleicht ihre lückenhafte Erinnerung mit einem Fotoalbum „… gestern habe ich zum allerersten Mal umgeblättert, und ich werde weiterblättern, ich habe das komische  Gefühl, dass es leicht sein wird, die richtigen Seiten zu finden  und die blinden Flecken mit  Farbe zu füllen. Es macht mich unruhig und kribbelig, aufgeregt, weil ich weiß, dass etwas in mir drin schläft, lange Zeit schon, und jetzt ist es bereit aufzuwachen, es dreht sich unwillig herum, gähnt und streckt sich, aber irgendwann wird es die Augen öffnen, und durch diese Augen werde ich sehen. Ich bin sehr nahe dran. Sehr, sehr nahe. Meine Hände kribbeln und mein Nacken, und in meiner Brust ist ein taubes Gefühl, als wäre mein Herz ausgezogen.“

Der Autorin gelingt es,  die schrecklichen Erfahrungen des Mädchens    h a u t n a h   zu vermitteln. Die Manipulationsmacht des Täters, die schamlose Ausnutzung kindlicher Zugehörigkeitsbedürfnisse und die Verschiebung des Schuldgefühls vom Täter auf das Opfer werden anschaulich, aber ohne Voyeurismus dargestellt. Die Schweigemauer innerhalb der Familie, an der jeder Versuch sich „freizusprechen“ abprallt, zerreißt einem beim Lesen das Herz.

Die unerträgliche Situation spitzt sich dramatisch zu, als Malvinas  Eltern überlegen, den Opa zu sich ins Haus zu nehmen, damit er nicht so einsam ist und weil man so auch Geld sparen könnte. Da wird Malvina klar, das es kein Entkommen geben wird, wenn sie jetzt nicht handelt.

Sie bittet ihren Freund Klatsche um Hilfe und läuft von zu Hause weg und übernachtet mit dem Jungen in der alten Villa. Die behutsame Zärtlichkeit des Jungen und der erste schöne Kuß, den sie von ihm bekommt, stärken ihre Entschlossenheit. Ihr wird auch bewußt, wie sehr ihr schreckliches Geheimnis die positiven Beziehungen zu den Menschen, die ihr kein Leid zufügen, belastet und einschränkt.

„Plötzlich hatte ich das Gefühl, ich habe etwas zu verlieren, es ist nicht mehr egal, was mit mir passiert.“

 Sie nimmt die angebotene Hilfe von Frau Bitschek an und erzählt Lizzy und Lizzys Mutter, was ihr angetan wurde.

Als ich anfing, war meine Stimme kalt, blaugefroren, und ich konnte mir selbst aus weiter Ferne zuhören. Die Bitschek hat meine Hand genommen, jedes Mal, wenn ich nicht mehr weiterreden konnte, hat sie meine klammen Finger gedrückt, das war so ähnlich, wie wenn man seinem Pferd vor dem Sprung die Sporen gibt. Jede Hürde hab ich genommen. Ich hab nichts ausgelassen, das war schwierig, weil ich spüren konnte, was meine Worte in Lizzy anrichteten. Aber ich musste reden, die Wahrheit sagen, meine Wahrheit, wie mein Leben wirklich aussah.“

So entkommt Malvina endlich dem familiären Teufelskreis.

„Ich bin Malvina, die Hüterin des Rechts, die mutige Malvina, die sich traut zu springen, immer, auch wenn man den Boden nicht sehen kann… Manche Geschichten haben kein Happy End. Kein großes, wie im Film. Dafür gibt es dazwischen kleine Dinge, viele kleine Dinge, die gut ausgehen.“

Vervollständigt wird die Geschichte durch die im Buchanhang aufgeführten Adressen und Telefonnummern von Beratungsstellen, die von sexuellem Mißbrauch Betroffene beraten und unterstützen. Betroffenen Kindern kann es eine erste Hilfe sein, und selbst nicht betroffene Kinder und Jugendliche werden mit Sicherheit eine Sensibilisierung ihrer Wahrnehmung erfahren.

Die Autorin:

»Beate Teresa Hanika, geboren 1976 in Regensburg, ist Fotografin. Ab 1997 arbeitete sie mehrere Jahre als Model in verschiedenen europäischen Städten. Bereits seit ihrem zehnten Lebensjahr schreibt sie Geschichten und Gedichte. Sie lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Ort in der Nähe von Regensburg. Ihr erster Roman ›Rotkäppchen muss weinen‹ wurde u.a. mit dem Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis 2007 und dem Bayerischen Kunstförderpreis 2009 ausgezeichnet und für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2010 nominiert.«

Dieses klare Licht in den Bergen

  • von Jean-Philippe Mégnin
  • Roman
  • Aus dem Französischen von Claudia Steinitz
  • Insel Verlag   Februar 2013   http://www.suhrkamp.de
  • Taschenbuch
  • 124 Seiten
  • ISBN 978-3-458-35910-4
  • 7,99 €, 8.30 € (A), 11,90 sFr.
    35910.jpg Dieses klare Licht in den Bergen

L I E B E S M I N U S

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wenn Sie gerne erfrieren möchten, kann ich Ihnen „Dieses klare Licht in den Bergen“  empfehlen, aber wenn Sie auch nur ein Fünkchen Liebe erwarten, sollten Sie die Finger von diesem Buch lassen, um sich keinen Gefrierbrand daran zu holen.

Das schmale Büchlein ist in drei Teile aufgegliedert:

Im ersten Teil übernimmt Marion, die Icherzählerin der Geschichte, in Chamonix eine Buchhandlung. Sie kennt den Ort in den Bergen aus den Ferien ihrer Kindheit und wird nach und nach dort heimisch. Ein häufig wiederkehrender Kunde ist der Bergführer Pierre, den sie von Anfang an attraktiv findet, dem sie aber von Anfang an in einer unerklärlichen Selbstverteidigungshaltung begegnet. Pierres Vater war auch Bergführer und kam bei der Suche nach Lawinenopfern selbst ums Leben, als Pierre acht Jahre alt war. Pierre wurde schließlich von seinen Großeltern aufgezogen, nachdem seine Mutter den Tod des Gatten nicht verschmerzen konnte und sich in eine Depression ergab.

Pierre und Marion unternehmen viele gemeinsame Bergwanderungen und kommen sich langsam näher. Es gibt jedoch keine Steigerung des Herzklopfens von Begegnung zu Begegnung, kein wachsendes Erkennen liebenswerter Eigenschaften, stattdessen bekommt Marion einen Wutanfall, als Pierre sich bei einer Verabredung verspätet. Sie will ihn an einer Seilbahnstation abholen und in den drei Stunden, die er sich verspätet malt sie sich schreckliche Bergunfälle aus, und dann macht sie das, was sie auch den Rest der Geschichte machen wird: Sie folgt nicht ihren Gefühlen.

„Ich erlebte einen merkwürdigen Moment: blinde Wut und heißes Glück zugleich. Ihn ohrfeigen, ihm um den Hals fallen, ihn ohrfeigen… Ich tat weder das eine noch das andere. Ich blieb auf Abstand,…“

Im zweiten Teil der Geschichte heiraten Marion und Pierre, und Marion erzählt einen Absatz lang vom Nestwärmegefühl, nicht mehr allein zu sein und nicht mehr allein zu schlafen und zu frühstücken. Der Alltag bricht aus, der Kinderwunsch geht nicht in Erfüllung.

Die ohnehin bedenklich schmale Öffnung für Nähe und Verbundenheit wird von Schmerz zu Schmerz wieder verschlossen. Es wird immer deutlicher, daß Marion und Pierre  „nicht die  gleiche Wahrnehmung“  haben. Einmal ist sie kindisch enttäuscht, daß er sich nicht an den Titel des ersten Buches erinnert, das er bei ihr in der Buchhandlung gekauft hatte. Dann ist sie eifersüchtig, ihn mit seinem Beruf teilen zu müssen. Marion wimmelt alle Menschen ab, die ihr helfen wollen, und sie kann oder will ihre wahren Gefühle nicht zeigen und nicht mitteilen.

Die Entfremdung und Sprachlosigkeit des Ehepaares wächst. Diese angeblich Liebenden verlaufen sich dermaßen in ihre jeweilige Unnahbarkeit und Sprachlosigkeit, sind so unfähig, sich den verletzlichen und schmerzlichen Aspekten des Lebens und Liebens zu stellen, daß man sich fragt, wie sie überhaupt so alt werden konnten, ohne an Herzversagen zu sterben. Marion leidet – wenn auch unausgesprochen – an einer Depression.

Im dritten Teil der Geschichte wird die verschollene Leiche von Pierres Vater beim Grand Plateau im Eis gefunden und sofort identifiziert, weil er zufällig genau im gleichen Alter wie der jetzt lebende Pierre (38 Jahre) verunglückt ist und ihm natürlich sehr ähnlich sieht. Als Marion sich das Gesicht ihres Schwiegervaters unter dem Eis anschaut, erkennt sie noch deutlicher ihren Liebesmangel.

„Es gab nur noch die Leere und dieses Gesicht, dieses leuchtende Gesicht unter einem Zentimeter von sehr reinem Eis… Es war das Gesicht, an das ich geglaubt hatte. Das Gesicht, das sich später allmählich verschloss, verhärtete, nach und nach schwand, wie Hoffnungen schwinden.“

Sie wendet sich noch mehr von Pierre ab, und offenbar schafft es keiner der beiden über das Selbstmitleid hinaus zu wachsen und Mitgefühl zu entwickeln.

Im Epilog entnehmen wir einem Gespräch zwischen Staatsanwalt und Wachtmeister, daß Marion zum Grand Plateau hinaufgewandert ist, um sich dort zum Erfrieren in den Schnee zu legen, was – schonungslos formuliert – eine konsequente Fortsetzung der Gefühlsstarre Marions ist.

Es ist auf dem Buchmarkt kein Einzelfall, daß auf einem Buch die Bezeichnung LIEBESGESCHICHTE prangt und man dann vergeblich auf die angekündigte Liebe wartet.

Auch „Dieses klare Licht in den Bergen“  ist eine solche Mogelpackung: Der inhaltliche und formale äußerst sparsame Umgang mit Gefühlen und Worten führt – jedenfalls nach meinem Empfinden – zu einer leblosen und befremdlich herzlosen Geschichte wechsel-seitiger Liebesunfähigkeit. Die Figuren bleiben oberflächlich, die Gefühle wirken unterkühlt, es kommt keine Herzenswärme auf, und es gibt in dieser Geschichte kein erkennbares Liebesbemühen um Klärung und Wahrhaftigkeit oder gar Heilung.

Auf die Lektüre dieser liebesleeren Eiszeit hätte ich gerne verzichtet!

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.suhrkamp.de/buecher/dieses_klare_licht_in_den_bergen-jean-philippe_megnin_35910.html

 

Der Autor:

»Jean-Philippe Mégnin lehrt Wissenschaftsgeschichte an der Université de Franche-Comté. Für seinen Debütroman Dieses klare Licht in den Bergen wurde er mit dem 2010 erstmals verliehenen Prix littéraire de l’Amicale de la presse du Jura und 2011 mit dem Montblanc-Literaturpreis ausgezeichnet. Mégnin lebt bei Besançon.«

 

Querverweis:

Dieser Verriß ergänzt sich mit meinen Verriß von »Blaue Blumen«
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/09/18/blaue-blumen/
und mit meinem polemischen Verrriß der »Feuchtgebiete« von Charlotte Roche
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2012/12/30/feuchtgebiete/
sowie mit meiner therapeutischen Abrechnung mit »Alle meine Wünsche« von Grégoire Delacourt https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/03/21/alle-meine-wunsche/

 

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